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Leben und Lernen

Uni und Ausbildung

Studieren lohnt sich - aber was?

Klar, je höher der Bildungsabschluss, desto höher das Einkommen, das bestätigt eine neue Studie. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen - und den Fachrichtungen.

DPA

Auszubildende in Berlin

Mittwoch, 29.03.2017   19:08 Uhr

Jeder höhere Abschluss zahlt sich aus: Das Lebenseinkommen von Erwerbstätigen steigt laut einer Studie pro nächsthöherem Abschluss um 22 bis 64 Prozent. Dabei haben die Forscher des Ifo-Instituts die durchschnittlichen Ausbildungskosten bereits berücksichtigt und abgezogen.

Den Angaben zufolge liegt das Lebenseinkommen mit einer abgeschlossenen Lehre im Schnitt 143.000 Euro netto über dem von Menschen ohne Berufsausbildung. Im Vergleich zu jemandem mit einer Ausbildung erzielt ein Meister oder Techniker durchschnittlich 129.000 Euro netto mehr, ein Fachhochschulabsolvent kommt auf ein Plus von 267.000 Euro und ein Universitätsabsolvent von 387.000 Euro.

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Studiengängen und den Geschlechtern: Ein Medizinstudium bringt einem Mann über das gesamte Erwerbsleben im Schnitt bis zu 983.000 Euro mehr Einkommen als eine Lehre, bei Frauen beträgt das Plus nur 612.731. Sozialarbeit schlägt bei Männern nur mit einem Plus von knapp 20.000 Euro zu Buche. Bei Frauen sind es hier 79.000 Euro.

Bei Kunst und Kunstwissenschaften, im Lehramt außerhalb von Gymnasien und Berufsschulen sowie einigen anderen Studiengängen erzielen Frauen ebenfalls höhere Lebenseinkommensgewinne als Männer. In den meisten Fachrichtungen lohne sich ein Studium allerdings für Männer deutlich mehr als für Frauen.

Die Autoren führen dies auf das tendenziell niedrigere Lohnniveau für Frauen sowie darauf zurück, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten und mehr Auszeiten zur Kinderbetreuung nehmen. Zudem hätten gut ausgebildete Männer häufiger Positionen, die besonders gut bezahlt seien.

Auch Ausbildungen zahlen sich aus

"Nicht jedes Studium ist per se lohnender als etwa der Weg über eine Lehre zum Meister- oder Technikerabschluss", heißt es in der Studie. Das Lebenseinkommen eines Meisters mit gut laufendem Betrieb könne das eines Hochschulabsolventen deutlich übersteigen, wie etwa in der Kunstwissenschaft. Während der Akademiker gegenüber dem Durchschnittseinkommen mit Lehre nur auf ein Plus von 73.775 Euro kommt, bringt es der Meister oder Techniker im Schnitt auf knapp 130.000 netto mehr.

Ausbildungen sind demnach im Bereich Finanzen und Versicherung besonders lukrativ: Im Vergleich zu Personen ohne Berufsabschluss erzielen Männer ein Plus von über 485.000 Euro, für Frauen zahlt sich die Lehre mit einem zusätzlichen Lebenseinkommen von gut 263.000 Euro aus. Für Friseurinnen ist der Zugewinn hingegen marginal: Gegenüber nicht ausgebildeten Frauen erzielen sie nur ein Plus von gut 7000 Euro.

Menschen ohne Ausbildung profitieren nur in ihrer Jugend

Wichtig ist, dass sich die Kosten erst im Laufe der Zeit auszahlen: Bis zum Alter von 20 Jahren haben Personen ohne abgeschlossene Ausbildung laut der Studie die höchsten Einkommen, schließlich arbeiten sie bereits, während sich alle anderen noch in Schule, Ausbildung oder Studium befinden.

Je höher der Bildungsabschluss ist, desto länger zieht sich diese Phase hin. Am deutlichsten wird das bei Akademikern: Vor Abschluss ihres Studiums verdienen sie demnach deutlich weniger als Personen mit einer Berufsausbildung. Bis zum Abschluss ihrer Schulzeit erzielen sie gar kein Einkommen und während des Studiums liegt es deutlich unter dem derjenigen mit abgeschlossener Lehre und sogar unter dem von Menschen ohne Ausbildung.

Zugleich senke Bildung das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich "und ist daher die beste Arbeitslosenversicherung", sagt Studienautor Ludger Wößmann. Bei Personen ohne berufsbildenden Abschluss beträgt die Arbeitslosenquote laut Studie über 19 Prozent, mit einer Berufsausbildung dagegen liegt sie nur noch bei sieben Prozent. Personen mit einem Meister-/Technikerabschluss schlagen mit drei Prozent in der Arbeitslosenstatistik zu Buche, bei Hochschulabsolventen sind es 2,5 Prozent.

Auftraggeber und Methodik

Das Ifo-Institut hat die Studie im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment durchgeführt. Die Forscher haben für die Studie auf den Mikrozensus der Jahre 2011 bis 2013 zugegriffen, konnten durch die amtliche Statistik damit Daten zu knapp einer Million Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, ihrem Einkommen und ihrem Bildungsabschluss auswerten. Zusätzlich haben sie für jede Abschlussart durchschnittliche Ausbildungskosten errechnet, die vom späteren Einkommen abgezogen wurden.

Als Vergleichswert für den finanziellen Zugewinn durch eine Berufsausbildung haben die Forscher das Durchschnittseinkommen von Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss als Ausgangswert genommen. Als Vergleichsgruppe für Meister/Techniker und Personen mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss wurden jeweils Personen mit abgeschlossener Lehre herangezogen.

sun/dpa

insgesamt 37 Beiträge
Nordstadtbewohner 29.03.2017
1. Endlich verständlich.
"Die Autoren führen dies auf das tendenziell niedrigere Lohnniveau für Frauen sowie darauf zurück, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten und mehr Auszeiten zur Kinderbetreuung nehmen." Hier wird ersichtlich, [...]
"Die Autoren führen dies auf das tendenziell niedrigere Lohnniveau für Frauen sowie darauf zurück, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten und mehr Auszeiten zur Kinderbetreuung nehmen." Hier wird ersichtlich, warum Männer und Frauen Lohn- und Gehaltsunterschiede aufweisen. Wer 40 Stunden die Woche bei gleicher Arbeit und gleichem Stundenlohn arbeitet, geht am Monatsende mit mehr Geld nach Hause als jemand, der nur 30 Stunden die Woche arbeitet. Gleiches gilt für Auszeiten zur Kinderbetreuung. Gleiches gilt für die Wahl des Studienfaches und des Ausbildungsberufes. Wer Medizin studiert hat, wird später als Arzt einmal mehr verdienen als eine Germanistikabsolventin. Oder ein ausgebildeter Chemikant verdient mehr als eine Friseurin oder Erzieherin. Wichtig ist, dass Frauen klar wird, dass die Wahl des Studienganges oder der Ausbildung für das berufliche Fortkommen und daraus resultierende Einkommen extrem wichtig ist.
anterogradeamnesie 29.03.2017
2. Der Artikel und die Studie senden falsche Signale
Es wird quasi klar appelliert, dass die jungen Menschen studieren sollen, weil ihnen mehr Verdienst zugesprochen wird. Ich halte dies für destruktiv, aus mehreren Gründen: 1. Es gibt jetzt schon zu wenig Auszubildende, die [...]
Es wird quasi klar appelliert, dass die jungen Menschen studieren sollen, weil ihnen mehr Verdienst zugesprochen wird. Ich halte dies für destruktiv, aus mehreren Gründen: 1. Es gibt jetzt schon zu wenig Auszubildende, die Lehre droht bei dem Studentenboom auszusterben. Dieser Artikel und andere Medienberichte unterstützen dies. Es gibt mehr Ausbildungsplätze denn je. Und die Verdienstmöglichkeiten sind teilweise sogar sehr gut, ein Fluglotse kann viel mehr verdienen als ein studierter Pädagoge. 2. Es entsteht der Zwang, wenigstens Abitur zu machen. Wer dies nicht schafft, gilt inoffiziell in der Gesellschaft als minderwertig und benachteiligt. Auch bei Bewerbungen für Ausbildungen. 3. Es werden falsche Versprechungen gemacht. Ein Studium garantiert keinen hohen Verdienst, und ganz besonders wichtig, keinen Job! Ich kenne zig Doktoranten und Masterabsolventen, gerade in der Biologie, die arbeitslos sind. Der Aspekt der Berufssicherheit wird garnicht zum Thema gemacht. Und bei einem Studentenboom dürfte dieses Problem umso größer ausfallen.
hugohabicht42 29.03.2017
3. Es geht nicht nur um Geld,
denn ein Studium ermöglicht es meistenens im Berufsleben viel mehr Wege zu gehen, als in der reinen Berufsausbildug. Das ist doch noch wichtiger als mehr Geld zu verdienen.
denn ein Studium ermöglicht es meistenens im Berufsleben viel mehr Wege zu gehen, als in der reinen Berufsausbildug. Das ist doch noch wichtiger als mehr Geld zu verdienen.
interessierter Laie 29.03.2017
4. @anterogradeamnesie
Wenn die Leser Statistik nicht verstehen, ist das natürlich richtig. Aber alles steht drin. Es gibt arbeitslose Akademiker - nur halt wenig. Es gibt Arbeitslose Meister - nur marginal mehr. Ob ein Studium sich finanziell lohnt, [...]
Wenn die Leser Statistik nicht verstehen, ist das natürlich richtig. Aber alles steht drin. Es gibt arbeitslose Akademiker - nur halt wenig. Es gibt Arbeitslose Meister - nur marginal mehr. Ob ein Studium sich finanziell lohnt, hängt vom Fach ab. Dasselbe gilt für Ausbildungsberufe. Nur eines lohnt sich definitiv nicht, nämlich die Schule abbrechen oder gar nix machen. Als zusätzliche Motivation für eine Ausbildung könnte man noch ergänzen: Ein nicht unerheblicher Teil der Studienanfänger schafft das Studium nicht und hat dann gar nix. Obendrein ist das Studium nicht bezahlt. Bei der Ausbildung ist die Erfolgsquote besser und wenns schief geht, geht es zumindest schneller.
anterogradeamnesie 29.03.2017
5. @interessierter Laie
Woran machen Sie Ihre erste Aussage fest? Ich empfehle Ihnen, Ihr Denken und Verhalten nicht ausschließlich auf Statistiken basieren zu lassen, wovon Ihre folgenden Sätze zeugen. Eben, weil Sie sie möglicherweise falsch [...]
Woran machen Sie Ihre erste Aussage fest? Ich empfehle Ihnen, Ihr Denken und Verhalten nicht ausschließlich auf Statistiken basieren zu lassen, wovon Ihre folgenden Sätze zeugen. Eben, weil Sie sie möglicherweise falsch interpretieren, und zum anderen, weil sie selten wirklich repräsentativ sind. Meine Beobachtungen und Feststellungen basieren auf handfeste steigende Studentenzahlen jedes Jahr und klare Trends, die keinerlei Statistik bedürfen. Und ganz unabhängig davon, die Folgen solcher Artikel wie dieser sind auch ohne Statistiken erfassbar.
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