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Leben und Lernen

Urteil in Taiwan

Sohn muss Mutter finanziell unterstützen - weil er Vertrag mit ihr schloss

Windeln, Schule, Studium: Ein Kind ist teuer. Eine Mutter aus Taiwan hat von ihrem Sohn das Geld zurückverlangt, das sie für ihn ausgegeben hat - und vor Gericht recht bekommen.

DPA

Mütter mit Kinderwagen (Symbolbild)

Mittwoch, 03.01.2018   11:05 Uhr

In Taiwan muss ein Zahnarzt seiner Mutter umgerechnet rund 620.000 Euro als Entschädigung dafür bezahlen, dass sie ihn aufgezogen hat. Das Oberste Gericht des Landes urteilte, der 41-jährige Chu müsse sich an einen entsprechenden Vertrag halten, den er vor 20 Jahren mit seiner Mutter abgeschlossen hatte.

Die Mutter namens Lo hatte sich 1990 scheiden lassen und zog ihre beiden Söhne allein groß, wie "Taiwan News" berichtet. Sie machte sich offenbar Sorgen, dass sich eines Tages niemand um sie kümmern würde. Deshalb schloss sie einen Vertrag mit ihren beiden Söhnen, als sie 20 Jahre alt wurden. Darin versprachen die Söhne ihrer Mutter 60 Prozent ihrer Nettoeinnahmen bis zu einer Maximalsumme von umgerechnet 1,4 Millionen Euro.

Daran haben sich die Brüder aber offenbar nicht gehalten. Die Mutter wirft ihren Söhnen vor, sie ignoriert zu haben, nachdem beide Beziehungen eingegangen seien. Die Freundinnen der Söhne hätten ihr sogar per Anwaltsbriefen gedroht, sie solle die Söhne nicht "belästigen", hieß es in örtlichen Medienberichten. Während der ältere Sohn ihr schließlich umgerechnet 140.000 Euro zahlte, um den Fall abzuhaken, zog der jüngere Sohn vor Gericht. Er warf der Mutter vor, die Erziehung eines Kindes sollte nicht auf finanzielle Weise abgegolten werden.

Nachdem niedrigere Instanzen dem Sohn recht gegeben hatten, klagte sich Lo durch alle Instanzen bis vor das Oberste Gericht. Die Richter urteilten, der Vertrag habe Gültigkeit, da Chu ihn als Erwachsener unterzeichnet habe. Als Zahnarzt habe er außerdem die finanziellen Mittel, seine Mutter zu entschädigen.

Fälle von vernachlässigten, alten Menschen sorgen in Taiwan zunehmend für Schlagzeilen. Zuletzt gab es Forderungen nach Gefängnisstrafen für Erwachsene, die sich nicht um ihre Eltern kümmern.

koe/AFP

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