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Leben und Lernen

Posse in Berlin

4700 Schüler haben tagelang schulfrei - wegen kaputter Klos

Weil nur noch jede fünfte Toilette funktioniert, ist Berlins größte Schule für zwei Tage geschlossen. Was ist da los?

DPA

Schultoilette in Berlin (Archivbild)

Von
Freitag, 10.02.2017   17:45 Uhr

Leere Flure, verwaiste Räume: Die größte Schule Berlins blieb am Freitag komplett geschlossen, und auch am Montag müssen die Schüler zu Hause bleiben. Der Grund: Am Oberstufenzentrum I im Stadtteil Kreuzberg, wo sonst 4700 Schüler lernen und 220 Lehrer im Kollegium aktiv sind, funktionieren nur noch 20 Prozent der Toiletten.

"Ende Januar hatten wir eine Havarie, ein Abwasserrohr oberhalb eines Lüftungsrohrs war gerissen", sagt Christian Breitkreutz vom Landesbetrieb Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die das Gebäude verwaltet. Die Folge: Fäkalwasser tropfte ins Lüftungssystem, ein Großteil der Toiletten musste gesperrt werden.

"Ein dem Alter angemessener Zustand"

Betroffen ist vor allem der Neubau der Schule. Die Toiletten dort stammen aus den Achtzigerjahren und sind "in einem dem Alter angemessenen Zustand", wie es bei der BIM vorsichtig umschrieben wird - was immer das heißt. Die Sanitäranlagen im Altbau der Schule, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, wurden dagegen 2015 komplett erneuert.

Doch weil insgesamt zu wenig Toiletten zur Verfügung standen, mussten sogar die Lehrertoiletten für die Schüler geöffnet werden - bis die Schulleitung in Abstimmung mit Senatsverwaltung, Schulaufsicht und BIM am Donnerstagnachmittag die Reißleine zog und den Unterricht bis Montag komplett absagte.

BIM/ Berliner Immobilienmanagement

Das Oberstufenzentrum I in Berlin-Kreuzberg, Berlins größte Schule

Das Kollegium des Oberstufenzentrums sei nachhaltig verärgert, weil die Probleme mit den Abwasserrohren schon seit Langem bekannt seien, berichtet der "Tagesspiegel". Schulleiter Klaus-Peter Scharke wird mit den Worten zitiert: "Wir haben die BIM schon vor Jahren darauf hingewiesen." BIM-Sprecher Breitkreutz verweist entschuldigend auf den enormen Sanierungsstau an den Berliner Schulgebäuden: "Allein beim Gebäude des Oberstufenzentrums I liegt er bei zwölf Millionen Euro, zusammen mit den Außenanlagen wie dem Sportplatz sogar bei 15 Millionen."

Verwaltung ist not amused

In der für Schulen zuständigen Senatsverwaltung hält sich das Schmunzeln über die Kreuzberger Toiletten-Posse in Grenzen. In den kommenden Tagen soll es ein klärendes Gespräch zwischen Verwaltung und BMI geben. Und weil es auch an anderen Schulen bröckelt, bricht und bröselt, werde das Land in den kommenden zehn Jahren fünf Milliarden Euro in Schulsanierungen und Neubauten stecken, sagt Sprecherin Beate Stoffers: "500 Millionen davon investieren wir noch in diesem Jahr."

Massiver Sanierungsbedarf: Die Schulruinen von Berlin

Dabei sind marode Schulbauten kein spezifisches Berliner Problem - und insbesondere wenn es um Schultoiletten geht, kochen die Emotionen schnell über. Erst vor wenigen Monaten hatte es in Hamburg heftige Debatten um den Zustand einiger Schultoiletten gegeben. Und als im September eine Kölner Grundschule die Eltern um einen halbjährlichen Beitrag von sieben Euro gebeten hatte, "damit ihre Kinder auch weiterhin eine saubere und sichere Toilette benutzen können", sah sich die Schulleitung einem, nun ja, regelrechten Shitstorm ausgesetzt.

Am Berliner Oberstufenzentrum schieben derweil die Installateure Sonderschichten. "Am Dienstag sollen die Toiletten wieder nutzbar sein", sagt Christian Breitkreutz. Und wenn sich am Montag herausstellt, dass die Handwerker doch noch länger brauchen? "Dann besorgen wir noch mobile Toilettenhäuschen", verspricht Breitkreutz.

insgesamt 43 Beiträge
normanr 10.02.2017
1. was soll da los sein?
DAS was überall los ist hier in Deutschland: Nur keine Geld für die Infrastruktur und Schulen sagt ein alter Mann im Rollstuhl. Grausig.
DAS was überall los ist hier in Deutschland: Nur keine Geld für die Infrastruktur und Schulen sagt ein alter Mann im Rollstuhl. Grausig.
wahrscheinlichwahr3 10.02.2017
2. Geld fehlt
Wird überhaupt Geld von den Ländern investiert? Irgendwie sind sehr viele Schulen Deutschlands im schlechten Zustand. Es mangelt an Investitionen in öffentliche Gebäude und Infrastruktur, viele Kommunen klagen über zu wenig [...]
Wird überhaupt Geld von den Ländern investiert? Irgendwie sind sehr viele Schulen Deutschlands im schlechten Zustand. Es mangelt an Investitionen in öffentliche Gebäude und Infrastruktur, viele Kommunen klagen über zu wenig Geld und hohe Schulden. Dabei sprudeln die Steuern doch richtig schön. Wohin fließt aber der Geldstrom? Das weiß man nicht, oder doch? Ich hätte da so manche Vermutung. Ein Schelm, wer Böses denkt.
vox veritas 10.02.2017
3.
Wissen die Berliner, was ein Dixi-Klo ist? Auf jeder größeren Baustelle werden die Dinger aufgestellt - vom ganz einfachen Solo-Klo bis zu kompletten Sanitärbereichen inkl. Duschen. Und so was simples bekommen die nicht hin [...]
Wissen die Berliner, was ein Dixi-Klo ist? Auf jeder größeren Baustelle werden die Dinger aufgestellt - vom ganz einfachen Solo-Klo bis zu kompletten Sanitärbereichen inkl. Duschen. Und so was simples bekommen die nicht hin bzw. angemietet?? Kein Wunder, daß die noch immer am BER arbeiten.
aktivist1000 10.02.2017
4.
Das Problem ist der Staat ist zu teuer und zu aufgebläht. Verwaltungen beschäftigen sich mehr und mehr mt sich selbst wie zB die Bundesagentur. Vor 10 Jahren mit viel Arbeitslosen 65.000 Mitarbeiter heute mit wenig Arbeitslosen [...]
Das Problem ist der Staat ist zu teuer und zu aufgebläht. Verwaltungen beschäftigen sich mehr und mehr mt sich selbst wie zB die Bundesagentur. Vor 10 Jahren mit viel Arbeitslosen 65.000 Mitarbeiter heute mit wenig Arbeitslosen 102.000 Mitarbeitern. Und das obwohl in der Zeit mehrere Milliarden in IT investiert wurde. Im Gesundheitswesen gibt es ähnliche Beispiele oder den städtischen Verwaltungen. Da bleibt am Ende kein Geld für sowas wie Schulen!!
mps58 10.02.2017
5. Es geht ein Riss durch Deutschland
Aber nicht gesellschaftlich, sondern offensichtlich wie man in den Ländern prinzipiell in der Lage ist, vorhandenes Geld auch sinnvoll und zielgerichtet zu investieren. So eine unfähige Verwaltung gäbe es in Bayern und [...]
Aber nicht gesellschaftlich, sondern offensichtlich wie man in den Ländern prinzipiell in der Lage ist, vorhandenes Geld auch sinnvoll und zielgerichtet zu investieren. So eine unfähige Verwaltung gäbe es in Bayern und Baden-Württemberg nicht sehr lange. Sexy allein genügt eben weder bei BER noch bei sonstigen Baumaßnahmen.
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