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Leben und Lernen

Nachsitzen im Musikunterricht

Keine Freiheitsberaubung - Lehrer freigesprochen

Widersprüchliche Zeugenaussagen und "objektiv keine Freiheitsberaubung": Ein Neusser Musiklehrer, der seine Klasse nachsitzen ließ, ist in zweiter Instanz freigesprochen worden.

DPA

Lehrer vor Gericht: von allen Vorwürfen freigesprochen

Freitag, 17.02.2017   16:45 Uhr

Ein Realschullehrer aus Neuss ist am Freitag vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freigesprochen worden. Er war angezeigt worden, nachdem er Schüler daran gehindert hatte, den Klassenraum zu verlassen. Der Musiklehrer hatte die Jungen und Mädchen seiner als laut geltenden Klasse dazu verdonnert, eine Strafarbeit über den Geigenspieler Paganini zu schreiben.

Das Klassenzimmer durften sie erst nach Abgabe dieser Arbeit verlassen. Der Lehrer hatte sich demonstrativ mit einem Stuhl und einer Gitarre auf den Knien in den Türrahmen gesetzt, um so den Ausgang zu versperren. Ein Schüler hatte daraufhin per Handy die Polizei alarmiert und auch angegeben, der Lehrer habe einen Schüler geboxt.

Das Amtsgericht Neuss hatte den Musiklehrer daraufhin im vergangenen Jahr der Freiheitsberaubung schuldig gesprochen, beließ es aber bei einer "Verwarnung mit Strafvorbehalt": Der Musiklehrer sollte sich im Umgang mit undisziplinierten Schülern fortbilden. Dagegen hatte der Lehrer Berufung vor dem Düsseldorfer Landgericht eingelegt.

Verdacht der Zeugenbeeinflussung

Das Gericht kam nun nach mehreren Zeugenvernehmungen und einem Ortstermin am Freitagvormittag zu einem klaren Freispruch. Bei dem Termin in der Neusser Realschule waren noch einmal acht Schüler dabei, die die damalige Situation schilderten.

"Es gab objektiv weder eine Freiheitsberaubung noch eine fahrlässige Körperverletzung", so eine Sprecherin des Landgerichts am Freitagnachmittag. Die Zeugenaussagen seien viel zu widersprüchlich gewesen; bei einem Schüler stehe sogar der Verdacht im Raum, dass er in seiner Aussage zulasten des Lehrers massiv beeinflusst worden sei.

Schon zuvor hatte sich angedeutet, dass die Kammer des Landgerichts Zweifel an der Anklage hatte. Die Richter hatten vergeblich eine Einstellung des Verfahrens angeregt und betont, der Sachverhalt sei "ungeeignet, von einem Strafgericht entschieden zu werden". Doch der Einstellung des Verfahrens ohne eine Geldauflage hatte die Staatsanwaltschaft widersprochen.

him/dpa

insgesamt 114 Beiträge
Indigo76 17.02.2017
1.
Na Gott sei Dank. Wir werfen unsere Lehrer den Raubtieren zum Fraß vor und wenn sie sich wehren, dann werden sie vor Gericht gezerrt. Ein Lehrer, der eine Strafe ausspricht, hat es im besten Fall mit wütenden Eltern zu tun. Oft [...]
Na Gott sei Dank. Wir werfen unsere Lehrer den Raubtieren zum Fraß vor und wenn sie sich wehren, dann werden sie vor Gericht gezerrt. Ein Lehrer, der eine Strafe ausspricht, hat es im besten Fall mit wütenden Eltern zu tun. Oft passiert Schlimmeres. Hoffentlich wird dies ein Präzedensfall!
horst.koehler.2 17.02.2017
2. Spätestens in der ...
... Untertertia hätte mich kein Lehrer mehr im Klassenzimmer festhalten können, da ich zu kräftig gewesen war und keine Hemmungen gehabt hätte, mir den Weg frei zu machen. Das war vor über 30 Jahren. In Anbetracht dessen, was [...]
... Untertertia hätte mich kein Lehrer mehr im Klassenzimmer festhalten können, da ich zu kräftig gewesen war und keine Hemmungen gehabt hätte, mir den Weg frei zu machen. Das war vor über 30 Jahren. In Anbetracht dessen, was Schülern heute zuzutrauen ist, wäre es möglicherweise lebensgefährlich zu versuchen, Schüler im Klassenzimmer gegen ihren Willen zu halten. Darüber sollte der Gute mal nachdenken.
Champagnerschorle 17.02.2017
3. Hoffnung
Dieses Urteil gibt Hoffnung, das Lehrer endlich wieder Ihren Beruf mit weniger Angst vor wütend-dummen Erziehungsberechtigten ausüben können.
Dieses Urteil gibt Hoffnung, das Lehrer endlich wieder Ihren Beruf mit weniger Angst vor wütend-dummen Erziehungsberechtigten ausüben können.
sojetztja 17.02.2017
4.
Naja, Ihr Beitrag sagt irgendwie mehr über Sie & ihr Verhältnis zur Gewalt aus als über den Lehrer oder den im Artikel beschriebenen Fall.
Zitat von horst.koehler.2... Untertertia hätte mich kein Lehrer mehr im Klassenzimmer festhalten können, da ich zu kräftig gewesen war und keine Hemmungen gehabt hätte, mir den Weg frei zu machen. Das war vor über 30 Jahren. In Anbetracht dessen, was Schülern heute zuzutrauen ist, wäre es möglicherweise lebensgefährlich zu versuchen, Schüler im Klassenzimmer gegen ihren Willen zu halten. Darüber sollte der Gute mal nachdenken.
Naja, Ihr Beitrag sagt irgendwie mehr über Sie & ihr Verhältnis zur Gewalt aus als über den Lehrer oder den im Artikel beschriebenen Fall.
martine-primus 17.02.2017
5. Lehrer?
Welche Möglichkeiten haben denn die Lehrer noch, sich widerspenstigen Schülern, gerne in der Pubertät, entgegenzustellen? Da stacheln sich die Jugendlichen gegenseitig zu Ungehorsam an, der Lehrer hat keine Chance etwas dagegen [...]
Welche Möglichkeiten haben denn die Lehrer noch, sich widerspenstigen Schülern, gerne in der Pubertät, entgegenzustellen? Da stacheln sich die Jugendlichen gegenseitig zu Ungehorsam an, der Lehrer hat keine Chance etwas dagegen zu unternehmen. Klar, es mag sich in schlechteren Noten ausdrücken, aber dann kommen die Eltern ins Spiel. Oder sie erhalten gleich Drohungen. Ich finde das in Ordnung, es sollte Strafaufgaben geben dürfen oder eben auch das klassische Nachsitzen. Damit die Kinder nicht vermisst werden, können sie ja schnell eine SMS an das Zuhause schicken - sofern da jemand ist, der für sie da ist! Ich bin keine Lehrerin und ich habe auch öfter STrafaufgaben (wegen Quatschens) aufgehabt. ;-) Ich habe es gut überlebt!
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