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Leben und Lernen

Lehrermangel in Baden-Württemberg

Englisch für Erstklässler steht auf der Kippe

Englisch und Französisch ab der ersten Klasse - Baden-Württemberg ist Vorreiter im frühen Fremdsprachenunterricht. Den stellt die Landesregierung nun aber wieder mal infrage, wegen Lehrermangels.

DPA

Schülerin an der Tafel (Symbolbild)

Donnerstag, 20.04.2017   12:33 Uhr

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann will etwas gegen den Lehrermangel an den Schulen im Land tun - und dafür unter anderem beim frühen Fremdsprachenunterricht sparen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir die Fremdsprachen in der Grundschule erst ab Klasse drei beginnen lassen und dadurch rund 630 Deputate gewinnen", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Die frei werdenden Stunden sollen aber in den Grundschulen belassen werden, als Poolstunden zur weiteren Stärkung von Lesen, Schreiben und Rechnen. Grundschulen sind die einzige Schulart in Baden-Württemberg, die nicht über solche Stunden verfügt, in denen Lehrer flexibel auf Stärken und Schwächen der Schüler eingehen.

Bislang beginnen baden-württembergische Schüler - anders als in vielen anderen Bundesländern - in der ersten Klasse, Englisch und entlang des Rheins Französisch zu lernen. Die Regelung gilt seit 2003, Baden-Württemberg war damit bundesweit Vorreiter. Inzwischen unterrichten zum Beispiel auch Grundschulen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Fremdsprachen von Beginn an.

Mehr Quereinsteiger bei Lehrermangel?

Doch Baden-Württemberg hadert immer wieder mit dem Konzept. Bereits vor sechs Jahren empfahl ein Expertenrat der Landesregierung, Englisch und Französisch erst ab Klasse drei zu unterrichten, weil besonders Kinder mit Migrationshintergrund sonst überfordert sein könnten.

Sprachwissenschaftler Thorsten Piske argumentierte damals auf SPIEGEL ONLINE, dass gerade Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch sei, sich im Fremdsprachenunterricht oft motiviert und wohl fühlten.

Diesmal argumentiert das Schulministerium vor allem mit dem Lehrermangel. In den kommenden vier Jahren werde es schwer bleiben, genügend neue Lehrer zu gewinnen, sagte Ministerin Eisenmann der dpa. Danach würden sich Angebot und Nachfrage wieder die Waage halten. Es bringe deshalb nichts, auf lange Sicht die Zahl der Studienplätze zu erhöhen.

Bis zur parlamentarischen Sommerpause will Eisenmann weitere Maßnahmen vorstellen, um die Unterrichtsversorgung abzusichern. Derzeit fehlten 1700 Lehrer. "Das heißt aber nicht, dass 1700 Klassen ohne Lehrer dastehen", sagte Eisenmann. Die Lücke werde überwiegend durch Mehrarbeit, Vertretungsverträge und mit Pädagogen geschlossen, die vorzeitig aus der Elternzeit zurückkehren.

Zudem sollen die Qualifikationen ausländischer Pädagogen weniger strikt behandelt werden. Baden-Württemberg setzt gegen den Lehrermangel auch auf Quereinsteiger, die kein Lehramt studiert haben - allerdings nicht so stark wie zum Beispiel Sachsen oder Berlin.

lov/dpa

insgesamt 137 Beiträge
Nordstadtbewohner 20.04.2017
1. Fortschrittlich und unzeitgemäß zugleich.
"Bislang beginnen baden-württembergische Schüler - anders als in vielen anderen Bundesländern - in der ersten Klasse, Englisch und entlang des Rheins Französisch zu lernen." Ich finde es wichtig und richtig, [...]
"Bislang beginnen baden-württembergische Schüler - anders als in vielen anderen Bundesländern - in der ersten Klasse, Englisch und entlang des Rheins Französisch zu lernen." Ich finde es wichtig und richtig, dass Kinder schon ab der ersten Klasse Englisch lernen, denn Englisch ist die Sprache der Globalisierung und Weltwirtschaft. Das ist einfach fortschrittlich. Allerdings ab der ersten Klasse Französisch "entlang des Rheins" zu lernen und diese zur ersten Fremdsprache zu machen, halte ich für unzeitgemäß und falsch. Der Fokus sollte auf Englisch liegen, Französisch ist seit einigen Jahren einfach nur noch obsolet. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie Politik eine moderne Entwicklung durch altes Denken verzögert.
cassandros 20.04.2017
2. Grundschulfremdsprachenunterrichtsunsinn
Eine Langzeitstudie der Universität Zürich hat aber erwiesen, daß ein verfrühter Fremdsprachenunterricht gar nichts bringt ! "Wer frühzeitig und spielerisch den Umgang mit einer Fremdsprache ....Falsch! Eine [...]
Zitat von Nordstadtbewohner"Bislang beginnen baden-württembergische Schüler - anders als in vielen anderen Bundesländern - in der ersten Klasse, Englisch und entlang des Rheins Französisch zu lernen." Ich finde es wichtig und richtig, dass Kinder schon ab der ersten Klasse Englisch lernen, denn Englisch ist die Sprache der Globalisierung und Weltwirtschaft. Das ist einfach fortschrittlich. Allerdings ab der ersten Klasse Französisch "entlang des Rheins" zu lernen und diese zur ersten Fremdsprache zu machen, halte ich für unzeitgemäß und falsch. Der Fokus sollte auf Englisch liegen, Französisch ist seit einigen Jahren einfach nur noch obsolet. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie Politik eine moderne Entwicklung durch altes Denken verzögert.
Eine Langzeitstudie der Universität Zürich hat aber erwiesen, daß ein verfrühter Fremdsprachenunterricht gar nichts bringt ! "Wer frühzeitig und spielerisch den Umgang mit einer Fremdsprache ....Falsch! Eine Studie der Universität Zürich stellt den Nutzen von allzu frühem Englischunterricht in Frage. " - http://www.srf.ch/sendungen/einstein/einstein/fruehenglisch-es-bringt-nichts "Schweizer Studie stellt Frühfremdsprachen in Frage" - http://www.kindgerechte-schule.ch/index.php/pfenninger-s-sprachenstudie Also wieder einmal ein typischer Sturm im Wasserglas. Ein Aufreger für schlecht informierte Helikoptereltern.
victoria101 20.04.2017
3. Eine gute Idee...
Ich habe nun bald mein zweites Kind aus der Grundschule. Kind 1 hat Legasthenie und Dyskalkulie und war mit Lesen, Schreiben und Rechnen schon überfordert. Aus dem Englischunterricht ist absolut gar nichts hängengeblieben trotz [...]
Ich habe nun bald mein zweites Kind aus der Grundschule. Kind 1 hat Legasthenie und Dyskalkulie und war mit Lesen, Schreiben und Rechnen schon überfordert. Aus dem Englischunterricht ist absolut gar nichts hängengeblieben trotz insgesamt fünfjähriger täglicher Beschallung durch einen Muttersprachler. Kind 2 ist jetzt Ende dritter Klasse auf Gymnasialkurs, Lesen, Schreiben und Rechnen kein Problem. Aus dem Englischunterricht ist überhaupt nichts hängengeblieben trotz dreijähriger, täglicher Beschallung durch einen Muttersprachler. Fazit: schlechten Schülern nimmt der Englischunterricht Zeit weg, die sie zum Lernen von Grundlagen bräuchten. Guten Schülern nützt er einfach nichts. Schafft ihn ab.
Spiegelleserin57 20.04.2017
4. auch kein Drama...
ich habe mein Abitur auch gemacht und erst auf dem Gymnasium Fremdsprachen gelernt, mann kann es auch übertreiben! Die Kinder sollen erst mal richtig deutsch lernen was viele gar nicht können BEVOR sie andere Spraxchen [...]
Zitat von Nordstadtbewohner"Bislang beginnen baden-württembergische Schüler - anders als in vielen anderen Bundesländern - in der ersten Klasse, Englisch und entlang des Rheins Französisch zu lernen." Ich finde es wichtig und richtig, dass Kinder schon ab der ersten Klasse Englisch lernen, denn Englisch ist die Sprache der Globalisierung und Weltwirtschaft. Das ist einfach fortschrittlich. Allerdings ab der ersten Klasse Französisch "entlang des Rheins" zu lernen und diese zur ersten Fremdsprache zu machen, halte ich für unzeitgemäß und falsch. Der Fokus sollte auf Englisch liegen, Französisch ist seit einigen Jahren einfach nur noch obsolet. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie Politik eine moderne Entwicklung durch altes Denken verzögert.
ich habe mein Abitur auch gemacht und erst auf dem Gymnasium Fremdsprachen gelernt, mann kann es auch übertreiben! Die Kinder sollen erst mal richtig deutsch lernen was viele gar nicht können BEVOR sie andere Spraxchen lernen. Wir haben leider immer noch sehr viele Analphabeten unter unseren Bürgern. Viele Kinder sind schon der Schule sehr gestresst durch deutliche LernÜBERforderung und nicht ohne Grund rennen deshalb viele Eltern zum Psychiater. Die Kinder sollten doch auch mal Kinder bleiben dürfen und nicht gleich überfordert werden.
s342 20.04.2017
5. ?
"Mehr Quereinsteiger beiLehrermangelLehrermangel?" ?
"Mehr Quereinsteiger beiLehrermangelLehrermangel?" ?

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