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Leben und Lernen

Türkei

Regierung streicht Evolutionsunterricht

Angeblich zu kontrovers und zu kompliziert: Das türkische Bildungsministerium will offenbar die Evolutionslehre aus dem Stundenplan der Schüler streichen.

DPA

Recep Tayyip Erdogan

Freitag, 23.06.2017   12:19 Uhr

Evolution soll an türkischen Schulen künftig nicht mehr unterrichtet werden, wie ein hochrangiger Vertreter des Bildungsministeriums mitteilte. Der Beamte Alpaslan Durmus sagte, Evolution sei umstritten, kontrovers und zu kompliziert. "Wir glauben, dass dieses Unterrichtsfach das Verständnis der Schüler übersteigt", so Durmus in einem Video, das auf der Homepage des Bildungsministeriums veröffentlicht wurde.

Durmus sagte, ein Kapitel über die Evolution werde aus den Biologiebüchern der neunten Klasse entfernt. Zudem könnte die vorgesehene Unterrichtszeit für die Lehre des Säkularismus, also der Trennung zwischen Kirche und Staat, deutlich verkürzt werden.

Viele konservative Muslime glauben nicht an Evolution

Regierungskritiker fürchten, dass die Unabhängigkeit des Staates von der türkischen Regierung untergraben wird und Religion an Einfluss gewinnt. Gegner der religiös-konservativen Regierung in Ankara werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder vor, er wolle aus der Türkei einen Gottesstaat machen - was Erdogan ebenso energisch bestreitet.

Viele Muslime im Mittleren Osten lehnen die Evolutionstheorie ab, weil sie der Schöpfungsgeschichte widerspricht. Dennoch wird Evolution in vielen Gymnasialkursen in der Region gelehrt.

Bereits 2001 hatte es Beschwerden gegen das Bildungsministerium gegeben, weil dieses offenbar der Schöpfungslehre anhänge. Damals war ein Lehrer in der Türkei abgemahnt worden, weil er einem Fünftklässler in Ankara etwas über Evolution erzählt hatte, obwohl dies nicht im Lehrplan stand.

Seit Anfang des Jahres wird darüber diskutiert, Lehre über Evolution im Unterricht per Gesetz durch Koran-nahe Erzählungen zu ersetzen. Die Ankündigung des Bildungsministeriums macht diese Pläne nun konkreter.

Erdogan hatte sich bereits vor zwei Jahren darüber echauffiert, dass Schülerinnen und Schüler in der Türkei zwar wüssten, wer Einstein ist, aber beispielsweise Ibn Sina nicht kennen, einer der bekanntesten Denker des Goldenen Zeitalters des Islams.

Man müsse mehr Wert auf die Vermittlung islamischer Kultur legen, hatte Erdogan damals gefordert. Es gab seinerzeit Streit darüber, aber letztlich war klar, dass Erdogan sich durchsetzen und dass das Bildungsministerium neue Lehrpläne ausarbeiten würde.

Zehntausende Lehrer entlassen

Nach dem versuchten Militärputsch in der Türkei im Juli 2016 wurden zudem Zehntausende Lehrer, Universitätsmitarbeiter, aber auch Beamte des Bildungsministeriums entlassen. Die Gülen-Bewegung hatte über die Jahre Tausende Schulen im Land aufgebaut und Universitäten gefördert. Vor allem an diesen Einrichtungen sind die Mitarbeiter betroffen. Privatschulen und Universitäten wurden geschlossen.

Vor wenigen Tagen hatte der türkische stellvertretende Ministerpräsident, Numan Kurtulmus, ebenfalls Zweifel an der Evolutionstheorie geäußert und sie als veraltet und nicht bewiesen bezeichnet.

Geschichtsunterricht nicht mehr eurozentrisch

Durmus kündigte in dem Video indes weitere Veränderungen für den Unterricht an. So solle künftig die Bedeutung türkischer Wissenschaftler im Mittelpunkt stehen. Zudem solle die Rolle Europas nicht mehr der Fokus im Geschichtsunterricht sein.

Die Änderungen des Lehrplans sollen voraussichtlich in der kommenden Woche, am Ende des Fastenmonats Ramadan, veröffentlicht werden.

koe

insgesamt 283 Beiträge
equigen 23.06.2017
1. Mit Volldampf ins Mittelalter
Viel Spaß dabei! Bin gespannt wann Mathematik, Physik und Chemie aus dem Lehrplan verbannt werden. Die sind einfach viel zu kompliziert. In der Schule sollte eigentlich nur noch der Koran gelehrt werden, das reicht doch für ein [...]
Viel Spaß dabei! Bin gespannt wann Mathematik, Physik und Chemie aus dem Lehrplan verbannt werden. Die sind einfach viel zu kompliziert. In der Schule sollte eigentlich nur noch der Koran gelehrt werden, das reicht doch für ein Leben als Untertan eines Sultans.
swingsession 23.06.2017
2. So was kommt von sowas
Das passiert halt, wenn die Dummen die Macht übernehmen und alle anderen auf das gleiche Level bringen wollen. Man hat ja mit dem mittleren Westen in den USA ein tolles Beispiel.
Das passiert halt, wenn die Dummen die Macht übernehmen und alle anderen auf das gleiche Level bringen wollen. Man hat ja mit dem mittleren Westen in den USA ein tolles Beispiel.
trex72 23.06.2017
3. bye bye Zivilisation
Güle güle git..
Güle güle git..
fht 23.06.2017
4. Disqualifiziert
Ich meine gelesen zu haben, dass US-Bundesstaaten aus dem Bible-Belt vor einigen Jahren ähnliches probiert haben. Nachdem Aber dann die Elite-Universitäten keine Studenten aus diesen Bundesstaaten mehr aufnehmen wollten, brach [...]
Ich meine gelesen zu haben, dass US-Bundesstaaten aus dem Bible-Belt vor einigen Jahren ähnliches probiert haben. Nachdem Aber dann die Elite-Universitäten keine Studenten aus diesen Bundesstaaten mehr aufnehmen wollten, brach das System zusammen.
gesell7890 23.06.2017
5. Klar,
ein tumber Gotteststaat braucht tumbe Untertanen
ein tumber Gotteststaat braucht tumbe Untertanen
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