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Leben und Lernen

Warnung von Bildungsforschern

Bis 2025 eine Million Schüler mehr als gedacht

Die Kultusminister gehen davon aus, dass die Zahl der Schüler bis 2025 sinkt - und liegen damit laut einer neuen Studie völlig daneben. Es werde eine Million mehr Schüler geben, sagen Forscher.

DPA

Matheunterricht in München (Archivbild)

Von
Mittwoch, 12.07.2017   16:16 Uhr

Von der "demografischen Rendite" sprechen die Kultusminister gerne, wenn sie in die Zukunft schauen: Wenn mittelfristig die Schülerzahlen zurückgehen und keine Lehrerstellen abgebaut werden, komme das als Rendite den verbleibenden Schülern zugute.

Das klingt gut - geht aber komplett an der Realität vorbei, stellen die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn in einer neuen Studie für die Bertelsmann Stiftung fest. Sie kommen in ihren Berechnungen nämlich zu ganz anderen Zahlen: Demnach wird es in Deutschland in acht Jahren 8,3 Millionen Schüler geben - über eine Million mehr als von den Kultusministern offiziell prognostiziert.

"Das trifft die Schulsysteme unvorbereitet", stellen die Forscher fest, da bisher mit zurückgehenden Schülerzahlen gerechnet wurde: "Steuern Länder und Schulträger nicht um, droht ein dramatischer Engpass an Lehrern und Gebäuden."

Für ihre Studie haben die beiden Forscher die Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamts und aktuelle Zahlen zur Geburtenrate und zur Zuwanderung berücksichtigt. Die wichtigsten Ergebnisse:

"Der Traum von der demografischen Rendite ist ausgeträumt", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, und fordert, jetzt dringend in Bildung und Schulen zu investieren: "Es besteht enormer Handlungsdruck. Viele Bundesländer müssen komplett umdenken."

Laut den Bildungsforschern wächst die Zahl der Grundschüler von 2,8 Millionen (2015) auf knapp 3,2 Millionen (2030), die der Schüler in der Sekundarstufe I von 4,1 auf 4,5 Millionen Schüler. Nur in der Sekundarstufe II sinkt die Schülerzahl leicht von etwa einer Million im Jahr 2015 auf 927.000 im Jahr 2030.

Zusätzlich gibt es große regionale Unterschiede in der Entwicklung. Während die Stadtstaaten mit einem Schüler-Plus von knapp einem Drittel bis 2030 rechnen müssen, verläuft der Anstieg in den westlichen Flächenländern gebremster. Und in Ostdeutschland könnten - nach einem zwischenzeitlichen Anstieg - "in 15 Jahren schon wieder weniger Grundschüler die Schulbank drücken als heute", sagen Klemm und Zorn.

Die Bildungsforscher betonen zwar, dass es sich bei ihren Zahlen um eine Schätzung handelt, von der Abweichungen wahrscheinlich sind. Trotzdem, sagen die Autoren, seien derartige Abschätzungen nötig, um politische Entscheidungen treffen zu können.

Und sie lassen keinen Zweifel: Gehandelt werden muss sofort - auf die demografische Rendite kann sich kein Bildungspolitiker mehr berufen.

insgesamt 143 Beiträge
cptlars 12.07.2017
1. mir ist nicht
ganz klar was es da groß zu schätzen gibt...? 8 Jahre is ja was anderes als 80 Jahre. zählen dürfte doch ausreichen... Oder?
ganz klar was es da groß zu schätzen gibt...? 8 Jahre is ja was anderes als 80 Jahre. zählen dürfte doch ausreichen... Oder?
hansgustor 12.07.2017
2. Kita
Wie bei den Kitas. Trotz steigendem Zuzug in den Städten und höheren Geburtenraten ging man davon aus dass man weniger! Kita-Plätze ab 3 Jahren braucht. Die Kinder waren schon drei Jahre lang da und dann tut man ganz [...]
Wie bei den Kitas. Trotz steigendem Zuzug in den Städten und höheren Geburtenraten ging man davon aus dass man weniger! Kita-Plätze ab 3 Jahren braucht. Die Kinder waren schon drei Jahre lang da und dann tut man ganz überrascht wenn die Eltern den Anspruch einklagen.
sportlich-gesund 12.07.2017
3. Das System sollte ...
sich vollkommen ändern. Wenn ich ihn mein Kollegium schaue, bin ich mit meinen 33 Jahren die Jüngste! In den nächsten 2 Jahren werden 10 Lehrer gehen... und die neuen Lehrer? Ja, die wachsen nicht auf Bäumen. Wir hatten [...]
sich vollkommen ändern. Wenn ich ihn mein Kollegium schaue, bin ich mit meinen 33 Jahren die Jüngste! In den nächsten 2 Jahren werden 10 Lehrer gehen... und die neuen Lehrer? Ja, die wachsen nicht auf Bäumen. Wir hatten einen neuen Lehrer, aus Bayern, der hielt 4 Wochen durch und war dann weg. Studienabsolventen und Referendare, die im Anschluss nicht an die Schule wollen, da die freie Wirtschaft weitaus mehr bietet. Überfüllte Klassen, schwierige Schüler, schlechte Ausstattung von Schulen, all das führt nicht zur Attraktivität des Berufes!
Krokodilstreichler 12.07.2017
4. Mehr Lehrer nötig
Sollten die Schülerzahlen im genannten Ausmaß tatsächlich steigen, werden wohl mehr Lehrer nötig. Um diese zu finanzieren, ist es aber notwendig, die Ausgaben für Lehrer, also deren Gehälter zu kürzen. Ich trete dafür ein, [...]
Sollten die Schülerzahlen im genannten Ausmaß tatsächlich steigen, werden wohl mehr Lehrer nötig. Um diese zu finanzieren, ist es aber notwendig, die Ausgaben für Lehrer, also deren Gehälter zu kürzen. Ich trete dafür ein, Lehrer nur noch nach A9 bzw. E9 zu bezahlen, auch die Gymnasial-, Berufsschul- und Sonderschullehrer. Außerdem sollte das Pensionsniveau dem der gesetzlichen Rentenversicherung entsprechen. Die eingesparten Gehälter könnten dann in mehr Lehrerstellen und mehr Lehramtsstudienplätze investiert werden.
victoria101 12.07.2017
5. Ich bin immer wieder fasziniert...
... dass die Zahl der Schulkinder in fünf Jahren so unvorhersehbar ist... Ich meine, die sind doch alle auf der Welt und standesamtlich erfaßt! Klar, wie viele Flüchtlingskinder dazukommen, das steht in den Sternen, es gibt [...]
... dass die Zahl der Schulkinder in fünf Jahren so unvorhersehbar ist... Ich meine, die sind doch alle auf der Welt und standesamtlich erfaßt! Klar, wie viele Flüchtlingskinder dazukommen, das steht in den Sternen, es gibt Migrationsbewegungen innerhalb Deutschlands, aber es ist ja auch nicht das erste Mal, ganz ohne Flüchtlingswellen, daß die Kultusministerien in ihren Prognosen mächtig danebenhauen.
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