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Leben und Lernen

Lügenpresse, Tablet, futschikato

Der Duden wächst um 5000 Wörter

Die 27. Auflage des Duden kommt - und mit ihr Tausende neue Wörter, von Flexitarier bis Wutbürgerin. Einige Schreibweisen wurden hingegen gestrichen.

DPA

Auszug aus dem neuen Duden

Dienstag, 08.08.2017   10:02 Uhr

Die Duden-Redaktion hat das Nachschlagewerk für die neue Auflage um 5000 Wörter erweitert. Dabei schlägt sich die politische Debatte der vergangenen Jahre deutlich nieder, mit Neuaufnahmen wie Flüchtlingskrise, Fake News und postfaktisch. Viele weitere neue Wörter sind englischen Ursprungs, darunter Selfie und Tablet.

"Es ist einfach Fakt, dass viele Dinge in unser Leben treten, die aus dem englisch-amerikanischen Raum kommen, wenn man zum Beispiel an technische Entwicklungen denkt", sagte Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum vor dem Verkaufsstart der 27. Auflage am Mittwoch.

Der Duden wächst seit Jahrzehnten. Er enthält nun 145.000 Stichwörter, die Urfassung von 1880 hatte 27.000. Weggefallen ist eine geringe Zahl eingedeutschter Schreibweisen, die sich nicht durchgesetzt haben. Statt Majonäse ist jetzt zum Beispiel nur noch Mayonnaise zulässig.

Hier eine Auswahl der neu aufgenommenen Wörter:

Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert. Die vergangene Ausgabe erschien 2013. "Nach dieser Zeit gibt es genug Entwicklungen im Wortschatz, die man gern abbilden möchte", sagt Kunkel-Razum. Hinzu kommen diesmal einige wenige Rechtschreibänderungen, wie die kürzlich vom Rat für Rechtschreibung beschlossene Einführung eines großen Eszetts.

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Die Entscheidungen zur Neuaufnahme von Wörtern basieren auf einer riesigen elektronischen Textsammlung. Eingespeist werden Zeitungsartikel, aber zum Beispiel auch Gebrauchsanweisungen und Romane. Für Neuauflagen filtern Computerlinguisten neue Begriffe seit der vorigen Ausgabe heraus. Übrig bleiben ellenlange Listen, aus denen Redakteure Kandidaten auswählen.

Für die Aufnahme seien mehrere Kriterien entscheidend: Wörter müssen häufig und in unterschiedlichen Textsorten vorkommen. Enthaltene Rechtschreibtücken sind auch ein Faktor. Daneben geht es um die Dokumentation gesellschaftlicher Entwicklungen und Service: "Manche Nutzer glauben, dass es ein Wort nicht gibt, wenn es nicht im Duden steht", sagt Kunkel-Razum. Entsprechend viele Neuaufnahmen sind zusammengesetzte Substantive, wie Flüchtlingskrise und Mütterrente.

"Sprachpanscher des Jahres"

Bei der vorherigen Neuauflage des Duden hatten sich viele über Anglizismen beschwert. Der Verein Deutsche Sprache etwa verlieh 2013 Duden den Negativ-Titel "Sprachpanscher des Jahres" mit der Begründung, es seien "lächerliche Angeber-Anglizismen" aufgenommen worden. Warum sage man nicht einfach Klapprechner statt Laptop, fragte der Verein.

"Da kann man sich drüber ärgern", sagt Kunkel-Razum. Sie sorge sich trotzdem nicht um das Deutsche, das System sei anpassungsfähig und stabil. Der Einfluss aus dem Englischen gerade bei technischen Entwicklungen sei nun einmal Fakt.

Wie sich die Verkäufe des Duden entwickeln, will Kunkel-Razum nicht sagen. Man sei "nach wie vor sehr, sehr zufrieden". Aber natürlich schaffe sich Duden mit dem eigenen Onlineangebot Konkurrenz. In Büros und Schulen etwa gehöre der gedruckte Duden dennoch nach wie vor zur Ausstattung. Der Duden von 2013 wurde 850.000 Mal verkauft.

koe/dpa

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