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Leben und Lernen

Projekt aus Bremen

Uni "vermietet" Männer an Grundschulen

An vielen Grundschulen gibt es keine männlichen Lehrer. Die Uni Bremen will das ändern - und schickt Lehramtsstudenten los. Manche Schulen mussten für sie erst eine Herrentoilette einrichten.

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Seltenes Exemplar: Kristian Bunte war ein "Teacherman" - und nun tatsächlich Grundschullehrer

Freitag, 08.09.2017   14:11 Uhr

Kristian Bunte, 29, arbeitet als Lehrer an einer Grundschule in Bremen - als einziger Mann im Kollegium.

An deutschen Grundschulen sind Männer selten: Laut Statistischem Bundesamt waren im Schuljahr 2015/2016 unter den rund 105.000 Vollzeit-Lehrkräften an Grundschulen gerade mal 17.300 Männer.

Das bundesweit einmalige Projekt "Rent a Teacherman" der Universität Bremen will das ändern. Es "vermietet" seit fünf Jahren Lehramtsstudenten an männerlose Grundschulen.

Die Idee dazu hatte Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini. Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. "Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden", sagt Fantini.

Inzwischen sieht man die Männer auf Kollegiumsfotos

An zehn der 17 Bremer Grundschulen ohne feste männliche Lehrkräfte sind seine Studenten inzwischen im Einsatz. Manche Schulen mussten dafür erst noch eine Herrentoilette einrichten. Die Studenten leiten Sport- oder Theater-AGs, unterstützen die Lehrerinnen und übernehmen den Sexualkundeunterricht für die Jungen. Sobald sie ihren Bachelor haben, dürfen sie an zwei Tagen in der Woche auch alleine vor der Klasse stehen. Zwölf Lehramtsstudenten beschäftigt Fantini zurzeit. "Diese tauchen inzwischen auch auf Kollegiumsfotos auf", sagt Fantini.

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Bunte: "Jungen suchen schneller den Kontakt zu mir."

Doch wieso wollen so wenige Männer Grundschullehrer werden? Die im Vergleich zu weiterführenden Schulen schlechtere Bezahlung und die geringeren Aufstiegschancen hält der Berliner Jugendforscher Klaus Hurrelmann für vorgeschoben. Seiner Meinung nach ist ein anderer Punkt ausschlaggebend: "Wenn ich mich als Mann entscheide, in den Beruf zu gehen, bin ich ein seltenes Exemplar."

Der Frauenanteil in den Kollegien steigt seit den Achtzigerjahren und liegt heute bei 90 Prozent. Allein unter Frauen - das verunsichere Männer, sagt Hurrelmann. Außerdem schrecke viele die große Komplexität des Berufes und der enge Kontakt zu Menschen ab.

"Es gibt nicht nur das Rollenvorbild Mann"

Dass mehr Männer an den Grundschulen unterrichten sollten, findet auch Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Bremer Projekt sieht sie dennoch kritisch. "Ich halte es für problematisch, dass männliche Studierende an Schulen unterrichten dürfen, weibliche dagegen nicht." Außerdem greift ihr das Projekt zu kurz. "Es gibt nicht nur das Rollenvorbild Mann. Das Lehrerzimmer muss insgesamt bunter werden." Dazu gehörten auch Lehrer mit ausländischen Wurzeln oder Behinderungen.

Auch andere Universitäten wollen mehr Männer für die Grundschulen begeistern. Die Uni Hamburg informiert zum Beispiel Schüler über die Arbeit von Grundschullehrern und vermittelt Praktika. An der Uni Hildesheim gibt es Workshops für Lehramtsstudenten, die für Geschlechterfragen sensibilisieren. "Angehende Lehrer sind Multiplikatoren", sagt Sabrina Zourelidis vom Gleichstellungsbüro. "Um die Stereotypen zu durchbrechen, setzen wir an der Ausbildung an."

Spaß, als Pädagoge zu arbeiten

Nach Angaben Hurrelmanns gibt es bundesweit eine Reihe von Werbekampagnen, die junge Männer für Grundschulen gewinnen wollen. Doch kein Projekt sei vergleichbar mit dem in Bremen. "Es zeigt, dass es Spaß machen kann, als Mann in einem pädagogischen Bereich zu arbeiten." Das Bremer Bildungsressort wertet das Projekt ebenfalls als Erfolg und will es weiterhin finanziell unterstützen.

Kristian Bunte arbeitete drei Jahre lang als "Teacherman". Seit Anfang dieses Schuljahres ist er Lehrer für Mathe und Naturwissenschaften an einer Grundschule im Bremer Norden. "Ich habe das Gefühl, dass Jungen schneller den Kontakt zu mir suchen. Deshalb habe ich gleich einen Draht zu denen." Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht von Fantini so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen - mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen.

Lehrermangel an Schulen: Mit Ansage gegen die Wand

mamk/Irena Güttel/dpa

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