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Leben und Lernen

Studie

130 Millionen Mädchen gehen nicht zur Schule

Lesen, schreiben, rechnen lernen - Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Bildung: So beendet im Südsudan nur jedes fünfte Mädchen die Grundschule. Eine weltweite Studie zeigt: Armut ist sexistisch.

AFP

Zwei Mädchen in Südsudan

Dienstag, 10.10.2017   19:13 Uhr

In keinem Land der Welt müssen Kinder für einen Schulbesuch größere Hürden überwinden als im Südsudan. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Entwicklungsorganisation One zum Welt-Mädchentag am 11. Oktober. Die Analyse zeigt auch: Armut entscheidet nicht allein über die Bildung, sondern auch das Geschlecht. Frauen haben das Nachsehen. Demnach können weltweit etwa 130 Millionen Mädchen nicht in die Schule gehen.

Die Forscher haben auch untersucht, wo es für Mädchen am schwersten ist, an Bildung zu kommen. Sie verglichen alle Uno-Länder anhand von elf Indikatoren und stützten sich dabei auf Zahlen der Unesco: Wie viele Mädchen gehen nicht zur Schule? Wie lange dauert die Ausbildung? Wie viele Frauen können lesen und schreiben? 71 Staaten konnten in dem Ranking nicht berücksichtigt werden, weil nicht genügend Daten vorlagen. Die Länder mit den geringsten Bildungschancen für Mädchen liegen vor allem in Afrika.

Sehr stark benachteiligt sind Mädchen demnach nicht nur im Südsudan, sondern auch in der Zentralafrikanischen Republik, im Niger, in Afghanistan und im Tschad. In Mali haben den Angaben zufolge nur 38 Prozent aller Mädchen einen Grundschulabschluss. In Burkina Faso schließt nur ein Prozent der Mädchen die Oberschule ab.

Die Daten zeigen auch: In den ärmsten untersuchten Ländern ist es für Mädchen viel schwieriger, an Bildung zu kommen als für Jungen. So haben Jungen eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit als Mädchen, zumindest die Grundschule zu besuchen. Diese Kluft wird sogar noch größer, je älter die Mädchen sind. So ist die Wahrscheinlichkeit für Jungen, die obere Sekundarstufe zu besuchen um 83 Prozent höher als für Mädchen.

Außerdem können Jungen im Schnitt doppelt so lange die Schule besuchen wie Mädchen. Während Mädchen meist nur etwa zwei Jahre zur Schule gehen, sind es bei den Jungen vier Jahre. Dabei zahlt sich jedes Schuljahr für Kinder aus. Mädchen, die zur Schule gegangen sind, infizieren sich beispielsweise seltener mit HIV. Außerdem werden sie seltener verheiratet und schwanger, wenn sie selbst noch Kinder sind.

Wie hoch der Anteil der Mädchen in den Schulen ist, hängt nach Angaben von One nicht nur davon ab, wie arm ein Land ist. Ein weiterer Grund sind schlechte staatliche Rahmenbedingungen. So gibt etwa die Regierung des Südsudans nur 2,6 Prozent des Haushalts für Bildung aus.

Doch auch Äthiopien - ein Land das mehr als 20 Prozent seiner staatlichen Einnahmen in Bildung investiert - gehört zu den zehn Staaten, in denen es für Mädchen in puncto Bildung besonders schlecht läuft. Ein Grund: In Äthiopien heiraten zwei von fünf Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr, fast jedes Fünfte sogar vor dem 15. Geburtstag.

Im Februar 2018 findet im Senegal eine Finanzierungskonferenz der Globalen Partnerschaft für Bildung (GPE) statt. Die GPE unterstützt Entwicklungsländer dabei, ihre Bildungspolitik zu planen und mobilisiert Mittel von Gebern weltweit, um diese Pläne umzusetzen. Die Bundesregierung hat seit 2008 rund 68 Millionen Euro für die GPE zur Verfügung gestellt.

"Das ist viel zu wenig", so Deutschland-Direktor von One, Exo-Kreischer. "One und andere zivilgesellschaftliche Organisationen fordern, dass Deutschland mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr aufwenden sollte.".

koe/dpa

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