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Leben und Lernen

Absurdes von Helikoptereltern

"Sie haben jeden Tag an der Kita-Tür gelauscht"

Angst und Ehrgeiz sind für viele Eltern tägliche Begleiter. Wie grotesk sich Mamis und Papis in der Helikopter-Falle verhalten, erzählen hier Hebammen, Erzieher, Lehrer, Ärzte und Kinder.

Getty Images

Kinder in einer Kita (Symbolbild)

Von und
Donnerstag, 12.10.2017   12:27 Uhr

Die Aufregung ist groß, die Angst noch größer: Wer auf schwangere Übereltern trifft, sollte erst mal sehr tief durchatmen. Da sind die werdenden Mütter, die praktisch auf alles Essbare verzichten und kurz davor sind, die Katzen aus der gesamten Nachbarschaft ins Tierheim zu geben, Stichwort: Toxoplasmose.

Da sind die Besserwisser, die mehr gelesen haben als eine Hebamme mit 30 Jahren Berufserfahrung. Und da sind die Ehrgeizigen, die das Leben des Ungeborenen bis zur Hochzeit durchplanen - schließlich muss bei der Namenswahl beachtet werden, in welchem Sprachraum sich das Kind später bewegen wird.

Doch ist das Baby dann auf der Welt, fangen die Sorgen erst richtig an. Dann installieren überbesorgte Eltern am Kinderbettchen eine Infrarotkamera, spähen minutenlang durchs Schlüsselloch der Kita oder fordern Beweisfotos, dass es ihrem Schatz gut geht. "80 Prozent der Kinder in meiner Krippe haben Helikoptereltern", berichtete uns eine Erzieherin, "und es wird immer schlimmer."

Ein Ende ist nicht in Sicht: Es gibt ernsthaft Väter, die vors Verwaltungsgericht ziehen, weil sie unbedingt beim Klassenausflug dabei sein wollen. Es gibt Eltern, die von Ärzten aus dem Behandlungszimmer gebeten werden müssen, weil sie das Kind mit ihrer eigenen Angst verrückt machen. Und Mütter, die mit ihren erwachsenen Söhnen in die Uni gehen, um bei den Vorlesungen mitzuschreiben.

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Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Von Helikopter-Eltern und Premium-Kids

Ullstein Taschenbuch; 224 Seiten; 9,99 Euro

Wie Erziehungsberechtigte von der Schwangerschaft bis zum Studium ihren Kindern und dem Rest der Welt das Leben zur Hölle machen, davon erzählen die gesammelten Anekdoten in dem neuen Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg.

Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder packen aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben. Spleenig, grotesk - und leider wahr.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus den ersten beiden Kapiteln:

Es wird deutlich: Diese Eltern vertrauen niemandem mehr - keinem Arzt, keinem Lehrer und keinem Erzieher. Und ihrer eigenen Intuition am allerwenigsten. Das führt dann zu einem verkrampften Umgang mit ihren Kindern und allen, die mit ihnen zu tun haben. Und es führt zu widersprüchlichen Verhaltensweisen, die die Eltern selbst natürlich nicht bemerken: So packen sie einerseits ihre Kinder in Watte und andererseits deren Tage so voll wie die eines Top-Managers.

Sie verbitten sich einerseits jegliche Kritik der Lehrer am eigenen Nachwuchs, überlassen ihnen aber zugleich die unangenehmen Seiten der Erziehung, weil sie selbst sich nicht unbeliebt machen wollen. Und am Ende verklagen sie Lehrer wegen schlechter Noten oder überhäufen sie mit Geschenken für ein gutes Zeugnis. Kurzum: Ihnen fehlt das richtige Maß. Und Gelassenheit.

Kennen Sie Helikoptereltern?

insgesamt 99 Beiträge
Daniel M. 12.10.2017
1. Meiner Meinung nach...
sind Helikoptereltern lediglich ein Symptom für fehlende Gelassenheit in der Gesellschaft. Von der sog. "Einschränkung" der persönlichen Freiheiten über zunehmende politisch extreme Lager bis hin zu fehlendem [...]
sind Helikoptereltern lediglich ein Symptom für fehlende Gelassenheit in der Gesellschaft. Von der sog. "Einschränkung" der persönlichen Freiheiten über zunehmende politisch extreme Lager bis hin zu fehlendem gesunden Menschenverstand beim eigenen Lebensstil. Ich prophezeie, dass sich einige Foristen hier über diese Hypereltern aufregen, jedoch bereits selbst in dieser Falle feststecken.
alleinerziehend_mit_mann 12.10.2017
2. Einiges find ich nicht schlimm
zB den Essensplan zu fotografieren, aber das Beispiel wie es einer Nanny erging, schockiert mich geradezu. Das ist regelrecht grausam den Kindern gegenüber.
zB den Essensplan zu fotografieren, aber das Beispiel wie es einer Nanny erging, schockiert mich geradezu. Das ist regelrecht grausam den Kindern gegenüber.
slim_chance 12.10.2017
3.
Verantwortlich sind die Eltern der Eltern. Vermittlung der falschen Werte auch in der Kindererziehung. Ausbaden werden es die nächsten Generationen.
Verantwortlich sind die Eltern der Eltern. Vermittlung der falschen Werte auch in der Kindererziehung. Ausbaden werden es die nächsten Generationen.
darmani 12.10.2017
4. Dieses Elternbashing...
...hat mittlerweile genauso Konjunktur wie die vielen unsäglichen Erziehungsratgeber. Beides führt in keinster Weise zur geforderten Gelassenheit, sondern jeweils genau zu der gleichen Verunsicherung. Ich frage mich, was dieses [...]
...hat mittlerweile genauso Konjunktur wie die vielen unsäglichen Erziehungsratgeber. Beides führt in keinster Weise zur geforderten Gelassenheit, sondern jeweils genau zu der gleichen Verunsicherung. Ich frage mich, was dieses Buch/dieser Artikel eigentlich bewirken will. Ich habe zu keiner der vorgestellten Beispiele die notwendige Hintergrundinfo, um die Situation beurteilen zu können (wenn mir das überhaupt zusteht). Aber solange sich damit Geld verdienen lässt, wird dieses Bashing weitergehen.
marty_gi 12.10.2017
5. Das Ding mit der Kita, dem Info-Abend und dem Mitentscheiden....
Da ist es wieder, das neue, sehr deutsche "ICH ICH ICH". ICH will jetzt fuer mich eine Ausnahme haben, ICH ignoriere hier jetzt nur mal schnell die fuer alle geltenden Regeln, weil es fuer mICH einfach besser passt, was [...]
Da ist es wieder, das neue, sehr deutsche "ICH ICH ICH". ICH will jetzt fuer mich eine Ausnahme haben, ICH ignoriere hier jetzt nur mal schnell die fuer alle geltenden Regeln, weil es fuer mICH einfach besser passt, was interessieren mICH die anderen. Das kommt wohl von zu viel Individualisierung und davon, dass jeder was "ganz besonderes" und ach so wichtig ist. Da wurde also schon eine Generation davor sehr viel falsch gemacht. Ich moechte nicht wissen (und erleben), wie es wird, wenn die jetzigen Kinder mal Kinder bekommen - hege aber die Hoffnung, dass es auch mal wieder in die andere Richtung, das WIR, ausschlagen wird.
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