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Leben und Lernen

Studie zu Lernschwäche

Förder- und Inklusionsschüler machen die gleichen Fortschritte

Kinder mit Lernschwäche lernen an Förder- und Inklusionsschulen gleich gut. Die Forscher untersuchten die Lernfortschritte der Kinder und stellten dabei keine Unterschiede fest.

DPA

Tafel in einer Inklusionsklasse eines Gymnasiums

Mittwoch, 08.11.2017   16:03 Uhr

Kinder mit Förderbedarf beim Lernen, die am Unterricht in einer regulären Schule teilnehmen, machen denselben Lernfortschritt wie Kinder an Förderschulen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universitäten Bielefeld, Marburg und Gießen.

In einer Längsschnittstudie haben die Wissenschaftler 410 Grundschüler mit einer Lernbeeinträchtigung in der dritten und vierten Klasse mehrmals befragt. Die Schüler aus Nordrhein-Westfalen wurden zu drei Zeitpunkten auf ihr Leseverständnis getestet und mussten eine Rechtschreibprobe abgeben.

Dabei zeigte sich, dass die Kinder an den Inklusionsschulen zwar zu allen drei Zeitpunkten durchweg stärker in den Tests waren. Beim Ausbau der Kompetenzen waren Schüler an Inklusions- und Förderschulen aber fast gleich auf.

So machten die Schüler an Inklusionsschulen zwar beim Lesen etwas stärkere Fortschritte als die Kinder an Förderschulen. Umgekehrt war der Kompetenzzuwachs beim Nachwuchs an Förderschulen aber beim Schreiben größer als bei dem an Inklusionsschulen.

Co-Autorin Birgit Lütje-Klose von der Universität Bielefeld ist von den Ergebnissen überrascht: In Studien wie dem IQB-Bildungstrend, dem deutschen Pendant zur internationalen Pisa-Studie, hatten Inklusionsschüler stets besser abgeschnitten. Dass sie höhere Leistungen haben, zeigte sich zwar erneut. Aber für den Kompetenzausbau war die Schulform nicht so relevant.

Sieben Prozent der Schüler mit Förderbedarf

Laut ihrer Kollegin Elke Wild ist vielmehr die Qualität der einzelnen Schulen relevant. Sie forderte, dass der Unterricht an allen Schulen unabhängig von der Schulform auf einem möglichst hohen Niveau stattfinden muss.

Dass Kinder an Inklusionsschulen in allen Tests besser abschnitten als jene an Förderschulen, führt Wild darauf zurück, dass vor allem die lernstärkeren Kinder auf eine solche Schule kämen. Die deutlich schwächeren Schüler würden dagegen häufig eher eine Förderschule besuchen. Insgesamt haben laut Wild sieben Prozent aller Schüler einen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf. Die weitaus größere Zahl wird an Förderschulen unterrichtet.

Eltern von Kindern mit Förderbedarf haben in der Regel die Wahl, ob sie ihr Kind auf eine Förderschule schicken, wo die Kinder in kleinen, vergleichsweise homogenen Gruppen lernen. Oder ob sie ihr Kind auf eine reguläre Schule geben, wo es mit lernstärkeren Schülern gemeinsam am Unterricht teilnimmt, aber - je nach Bundesland in unterschiedlichem Umfang - von einer sonderpädagogischen Lehrkraft begleitet wird.

Die Studie ist laut Lütje-Klose eine der wenigen Längsschnittstudien zum Thema. Obwohl sie nicht repräsentativ sei, habe sie aufgrund der Größe der Stichprobe eine hohe Aussagekraft auch im Hinblick auf andere Bundesländer.

sun/dpa

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