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Leben und Lernen

Jamaika-Sondierungen

Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler soll kommen

Union, FDP und Grüne haben sich auf einen Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung an Grundschulen geeinigt. Kritiker halten das Projekt für kaum machbar.

DPA

Mädchen meldet sich an ihrem ersten Schultag (Symbolbild)

Dienstag, 14.11.2017   12:05 Uhr

Sollte es zu einer Jamaika-Regierung kommen, wollen Union, FDP und Grüne Grundschülern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gewähren. Das Ziel hätten die Unterhändler bei ihren Beratungen über die Familienpolitik grundsätzlich festgehalten, berichtet die "Rheinische Post". "Wir wollen einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler", heißt es demnach in einem Papier, das dem Blatt vorliegt.

Uneinig seien sich die Verhandlungspartner aber noch bei der Umsetzung. So stelle die FDP das Vorhaben unter Finanzierungsvorbehalt und wolle wie die Grünen im Gegenzug das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik kippen. CDU und CSU fordern dem Bericht zufolge dagegen eine Umsetzung nach der im Sozialgesetzbuch geregelten Kinder- und Jugendhilfe, die unter anderem die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen regelt.

Das Kooperationsverbot in Bildungsfragen wurde 2006 im Grundgesetz verankert. Da Bildung eigentlich Ländersache ist, durfte der Bund seither nur in Ausnahmefällen Fördergelder bereitstellen. 2014 und 2017 wurde das Verbot gelockert. Der Bund kann nun auch langfristig Hochschulen unterstützen und Kommunen helfen, Schulen zu sanieren.

Foto: SPIEGEL ONLINE; dpa

Einen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Ganztagsschule zumindest für Grundschulkinder hatten im Bundestagswahlkampf mehrere Parteien gefordert - darunter Union, SPD und Grüne. Nach den aktuellsten Zahlen für das Schuljahr 2015/2016 nehmen bundesweit rund vier von zehn eine Ganztagsschule in Anspruch. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die Mitte Oktober veröffentlicht wurde.

2,6 Milliarden Euro nur für Personal

Um bis 2025 für 80 Prozent der Schüler einen Ganztagsschulplatz anzubieten, müsste die Politik weitere 3,3 Millionen Ganztagsplätze schaffen. Kritiker halten das kaum für machbar. Laut Studie würden jährlich allein 2,6 Milliarden Euro an Personalkosten anfallen.

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Kinder eine Ganztagsschule besucht. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2002/2003 ging jeder Zehnte dorthin. Unterschiede gibt es je nach Land. Im Schuljahr 2015/2016 hatten beim Spitzenreiter Hamburg rund neun von zehn Kindern einen Platz in einer Ganztagsschule - beim Schlusslicht Bayern sind es mit 16 Prozent deutlich weniger.

CDU, CSU, FDP und Grüne setzen am Dienstagnachmittag ihre Sondierungen fort. In den bis in den Abend angesetzten Beratungen soll es um die Bereiche Arbeit, Wirtschaft und Verkehr, Außenpolitik sowie um die Konfliktthemen Landwirtschaft und Zuwanderung gehen.

Die Zeit für Kompromisse läuft allmählich ab: Am Donnerstag sollen die Sondierungen beendet werden. Am Ende der Sondierungen soll ein gemeinsames Papier aller vier Parteien stehen, das dann als Grundlage für die Entscheidung über offizielle Koalitionsverhandlungen dienen soll.

koe/dpa/AFP

insgesamt 64 Beiträge
unixv 14.11.2017
1. sicher eine sehr große Aufgabe!
aber immerhin, die packen das an. Ganztagsbetreuung, wichtiger bald als funktionierende Toiletten in Schulen oder Aktuelles Lehrmaterial. Mal sehen was von dem Anspruch bleibt, die SPD hat ja in den letzten " [...]
aber immerhin, die packen das an. Ganztagsbetreuung, wichtiger bald als funktionierende Toiletten in Schulen oder Aktuelles Lehrmaterial. Mal sehen was von dem Anspruch bleibt, die SPD hat ja in den letzten " Gefühlten!" 20 Jahren mehr oder weniger in der Regierung das Sozial von SPD in die Tonne getreten, die müssten sich jetzt ja in Grund und Boden schämen, das sie von der FDP gezeigt bekommen was SOZIAL überhaupt ist! Und ich dachte schon, die FDP wäre überflüssig wie die SPD?!? so kann man sich täuschen! Setzen die das durch, dann kann sich die SPD begraben und die FDP wird die neue Volkspartei, ich lach mich schlapp!
citizen01 14.11.2017
2. Mal wieder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im sozialen Bereich
In wirtschaftlichen Boomzeiten solche langfristigen Belastungen ohne Produktivitätszuwachs zu beschließen ist nackter Wahnsinn. Bei einem Konjunkturknick gibt es dann neue Schulden für die nächsten Generationen.
In wirtschaftlichen Boomzeiten solche langfristigen Belastungen ohne Produktivitätszuwachs zu beschließen ist nackter Wahnsinn. Bei einem Konjunkturknick gibt es dann neue Schulden für die nächsten Generationen.
alexanderschleissinger 14.11.2017
3. Sinnvoll aber...
... wir haben jetzt schon zu wenig Personal für KiTa. Das wäre also nur machbar wenn man a) an der Qualifikation spart, b) die Lehrer den Job zusätzlich machen lässt oder c) die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und [...]
... wir haben jetzt schon zu wenig Personal für KiTa. Das wäre also nur machbar wenn man a) an der Qualifikation spart, b) die Lehrer den Job zusätzlich machen lässt oder c) die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher massiv aufstockt...
isar56 14.11.2017
4. Anspruch
..... klasse! Es gibt bereits den Anspruch auf einen Kitaplatz, Anspruch auf eine Hebamme vor und nach der Geburt. Bloß können wir unsere Ansprüche in der Pfeife rauchen. Es fehlt Personal (ca 15000 Erzieher, es fehlen [...]
..... klasse! Es gibt bereits den Anspruch auf einen Kitaplatz, Anspruch auf eine Hebamme vor und nach der Geburt. Bloß können wir unsere Ansprüche in der Pfeife rauchen. Es fehlt Personal (ca 15000 Erzieher, es fehlen Lehrer, Sozialarbeiter). Klingt nett, ist aber leeres Palaver von den Balkonwinkern. Kommt runter und besucht Kitas, Schulen, junge Familien..... redet mit Erzieherinnen, Sozialarbeitern.. Setzt Euch endlich für vernünftige Gehälter ein, statt ins Leere zu labern.
EvaLutz 14.11.2017
5. Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung in einem Topf ist falsch
Ganztagsschule bedeutet, dass 6-10 jährige Kinder bis zu 10 Schul-Stunden pro Tag haben. Sie haben also mehr Fachunterricht, z.B. 10 Std. Mathe statt 6 pro Woche, dazu Neigungsstunden und Zeit Mittag zu essen. Hausaufgaben gibt [...]
Ganztagsschule bedeutet, dass 6-10 jährige Kinder bis zu 10 Schul-Stunden pro Tag haben. Sie haben also mehr Fachunterricht, z.B. 10 Std. Mathe statt 6 pro Woche, dazu Neigungsstunden und Zeit Mittag zu essen. Hausaufgaben gibt es nicht, geübt wird im Unterricht. Den Unterricht machen LehrerInnen. Wenn das Kind heim kommt, ist es fertig mit Schule. Ganztagsbetreuung bedeutet Kinder haben nach 4-6 Stunden Schule aus. Viele gehen danach heim. Einige bleiben und bekommen Essen und werden betreut. Von ungelernten Kräften. Sie haben Zeit für Hausaufgaben und zum Spielen. Wenn das Kind heim kommt, machen die Eltern mit ihm die Hausaufgaben nochmal durch, weil die Betreuung ausdrücklich! schreibt, dass sie maximal Vollständigkeit, nicht aber das Verstehen des Stoffes sicher stellen kann. Die beiden Systeme machen für die instrumentalisierten Eltern einen großen Unterschied. Sie sollten nicht in einen Topf geschmissen werden. Wie viele GrundschullehrerInnen haben wir, die gerne Nachmittags arbeiten?

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