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Leben und Lernen

Mecklenburg-Vorpommern

Rückkehr der Kopfnote

Im Nordosten sollen Schüler ab kommendem Schuljahr Zensuren für ihr Arbeits- und Sozialverhalten bekommen: Die rot-schwarze Koalition in Mecklenburg-Vorpommern will die Kopfnoten wieder einführen.

dpa

Kopfnoten in NRW (Archivbild): In vielen Bundesländern wurde das Instrument abgeschafft

Montag, 28.01.2013   16:23 Uhr

In wenigen Tagen bekommen die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern ihre Halbjahreszeugnisse. Sie werden dann nicht nur in Mathe und Deutsch und all den anderen Fächern bewertet, auch ihr Arbeits- und Sozialverhalten wird von den Lehrern eingestuft. Bislang allerdings vergeben die Lehrer keine Noten für Mitarbeit und Betragen, sondern bewerten es je nachdem mit den Worten "vorbildlich", "gut", "zufriedenstellend" und "entwicklungsbedürftig".

Ab kommendem Schuljahr soll sich das jedoch ändern: Die rot-schwarze Landesregierung will dann auch das Verhalten der Schüler mit den klassischen Noten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) bewerten lassen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte.

Er bestätigte damit einen Bericht der "Ostsee-Zeitung" über die Rückkehr der Kopfnoten. Das Blatt zitiert den bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt, der demnach sagte, die Koalition habe sich "streitfrei" geeinigt: "Kopfnoten sind unerlässlich zur Bewertung des Sozialverhaltens. Dass diese Bewertung nun wieder in Form von Noten erfolgt, war überfällig."

Kopfnoten sind umstritten. Aus den meisten westdeutschen Zeugnissen verschwanden sie in den siebziger Jahren, einige Bundesländer führten sie aber später wieder ein - und schafften sie dann auch wieder ab, Nordrhein-Westfalen zum Beispiel.

Im vergangenen Jahr forderte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag aussagekräftigere Schulzeugnisse: Sie sollten mehr Informationen über die Sozialkompetenz der Jugendlichen, also Betragen, Fleiß und Ordnung, liefern, sagte Driftmann. In einer Umfrage beklagte rund jedes zweite befragte Unternehmen Disziplinlosigkeit und unzulängliche Leistungsbereitschaft von Schulabgängern, fast ebenso viele beklagen mangelnde Belastbarkeit. Mehr als jeder dritte befragte Betrieb ist mit den Umgangsformen der Schulabgänger unzufrieden, und etwa jeder vierte sagt, sie zeigten schlicht kein Interesse.

otr

insgesamt 14 Beiträge
murphy83 28.01.2013
1. Womit will man messen und vergleichen...
Unproblematisch ist die Vergabe von Zensuren für Verhalten sicherlich nicht. Andererseits muss man an irgendetwas ja messen und vergleichen können - das ist mit den Kopfnoten jetzt wieder möglich. Es bleibt dann abzuwarten was [...]
Unproblematisch ist die Vergabe von Zensuren für Verhalten sicherlich nicht. Andererseits muss man an irgendetwas ja messen und vergleichen können - das ist mit den Kopfnoten jetzt wieder möglich. Es bleibt dann abzuwarten was man aus den Noten macht - verwenden die nur die Betriebe beim Aussortieren / Einstufen der Bewerber (wenn die derzeit schon beklagen, dass das Verhalten nichts taugt, dann wird sich mit den Noten am Fakt erst mal nichts ändern - man kann nur das allerschlimmste schon mal gar nicht erst zum Gespräch einladen). Allerdings muss man sich auch Überlegen: Im Zweifel hat man gar keinen Nachwuchs im Betrieb und schreit dann nach Fachkräften. Es ist vielleicht die verfehlte Politik der Unternehmen bzw. deren geforderte Flexibilität von Arbeitnehmern die jetzt zurück kommt wie ein Boomerang - Eltern die sich aufgrund der Arbeitsbelastung (weil es eben hinten und vorne sonst beim Geld nicht reicht) nicht im vielleicht notwendigen Maße um die Erziehung ihrer Sprößlinge kümmern konnten. Das fehlende Sozialverhalten kommt jetzt in die Betriebe - selfmade so traurig das für alle Beteiligten ist.
cs01 28.01.2013
2.
Die Hoffnung ist wohl, dass ein Umdenken bei Eltern und Schülern einsetzt. Wenn etwas benotet wird, dann ist es wohl wichtig und man investiert darin. Obs hilft, wird man sehen
Zitat von murphy83Unproblematisch ist die Vergabe von Zensuren für Verhalten sicherlich nicht. Andererseits muss man an irgendetwas ja messen und vergleichen können - das ist mit den Kopfnoten jetzt wieder möglich. Es bleibt dann abzuwarten was man aus den Noten macht - verwenden die nur die Betriebe beim Aussortieren / Einstufen der Bewerber (wenn die derzeit schon beklagen, dass das Verhalten nichts taugt, dann wird sich mit den Noten am Fakt erst mal nichts ändern - man kann nur das allerschlimmste schon mal gar nicht erst zum Gespräch einladen). Allerdings muss man sich auch Überlegen: Im Zweifel hat man gar keinen Nachwuchs im Betrieb und schreit dann nach Fachkräften. Es ist vielleicht die verfehlte Politik der Unternehmen bzw. deren geforderte Flexibilität von Arbeitnehmern die jetzt zurück kommt wie ein Boomerang - Eltern die sich aufgrund der Arbeitsbelastung (weil es eben hinten und vorne sonst beim Geld nicht reicht) nicht im vielleicht notwendigen Maße um die Erziehung ihrer Sprößlinge kümmern konnten. Das fehlende Sozialverhalten kommt jetzt in die Betriebe - selfmade so traurig das für alle Beteiligten ist.
Die Hoffnung ist wohl, dass ein Umdenken bei Eltern und Schülern einsetzt. Wenn etwas benotet wird, dann ist es wohl wichtig und man investiert darin. Obs hilft, wird man sehen
TimmThaler 28.01.2013
3.
Prinzipiell befürworte ich Kopfnoten. Aber das ist eine zweiseitige Sache: Wenn man als Junge in Betragen eine 1 oder 2 hat, sollte man das nicht zu laut sagen... ;-)
Zitat von cs01Die Hoffnung ist wohl, dass ein Umdenken bei Eltern und Schülern einsetzt. Wenn etwas benotet wird, dann ist es wohl wichtig und man investiert darin. Obs hilft, wird man sehen
Prinzipiell befürworte ich Kopfnoten. Aber das ist eine zweiseitige Sache: Wenn man als Junge in Betragen eine 1 oder 2 hat, sollte man das nicht zu laut sagen... ;-)
parcius 28.01.2013
4. Hilfreich
Im Grunde gehen die Schulen auf die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe ein, wonach es einen objektiven Massstab bei der Bewertung des Sozialverhaltens geben muss. Ich hoffe, das eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über den [...]
Im Grunde gehen die Schulen auf die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe ein, wonach es einen objektiven Massstab bei der Bewertung des Sozialverhaltens geben muss. Ich hoffe, das eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über den Wert solcher Maßnahmen angestossen wird, in dessen Ergebnis besondes Eltern und Angehörige positiv auf das Sozialverhalten ihrer Sprösslinge einwirken. Dann könnten sich Lehrer wieder auf die Vermittlung von Wissen konzentrieren.
h.bosch 28.01.2013
5. Konservativer Bockmist
Da Frage ich wann wir wieder einen Kaiser auf dem Thron setzen und uns von ihm regieren lassen. Diese Kopfnoten stammen doch aus Kaiserszeiten. In unserer Leistungsgesellschaft kommt man doch eigentlich nur voran, wenn man alle [...]
Da Frage ich wann wir wieder einen Kaiser auf dem Thron setzen und uns von ihm regieren lassen. Diese Kopfnoten stammen doch aus Kaiserszeiten. In unserer Leistungsgesellschaft kommt man doch eigentlich nur voran, wenn man alle Gegner gnadenlos umrennt und wegwalzt. Gibt es dann also gute Noten für besonders gemeine Schüler?

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