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Leben und Lernen

Unionsfraktionschef

Kauder fordert Meldepflicht für antisemitische Vorfälle an Schulen

Wie häufig kommt es zu antisemitischen Übergriffen an deutschen Schulen und warum? Um diese Fragen zu klären, fordert Unions-Fraktionschef Volker Kauder in der "Welt am Sonntag" eine neue Regelung.

REUTERS

Volker Kauder (Archivbild vom Februar)

Sonntag, 01.04.2018   08:11 Uhr

In jedem Bundesland sollen Schulen künftig verpflichtet werden, judenfeindliche Vorfälle der Schulverwaltung zu melden. Das hat Unions-Fraktionschef Volker Kauder in der "Welt am Sonntag" gefordert.

Es sei wichtig, belastbare Angaben über das Ausmaß des Antisemitismus und dessen Ursachen zu bekommen, damit die Kultusminister der Länder auch schulübergreifend Maßnahmen prüfen könnten, sagte er weiter. Jeder Einzelfall müsse konsequent bestraft werden.

"Mich haben die Aussagen des Vaters des jüdischen Mädchens in Berlin, deren Fall die Diskussion ausgelöst hat, sehr nachdenklich gemacht", sagte Kauder. Der Vater habe davon gesprochen, dass einige Jungen aus muslimischen Elternhäusern auch anderen Mitschülern übel mitspielten, "egal ob sie Juden, Christen oder selbst Muslime sind, wenn diese zum Beispiel in die falsche Moschee gingen."

An einer Berliner Grundschule war eine Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien als Jüdin beschimpft worden. Ein Mitschüler soll gedroht haben, sie umzubringen, weil sie nicht an Allah glaube. So erzählte es der Vater des Mädchens der "Berliner Zeitung". Im Dezember berichtete ein Gymnasiast aus Berlin, er sei verbal hart angegangen worden. So hätten seine Mitschüler Gewalt gegen Juden verherrlicht.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, solche Vorfälle nähmen offenbar vor allem im großstädtischen Milieu zu.

vks/dpa/AFP

insgesamt 37 Beiträge
sven2016 01.04.2018
1.
Ein neues Register? Typisch Kauder: immer eine Sofortlösung und kein weiteres Interesse, nach der Empörung. Vielleicht sollte man Lehrern (und anderen) Befugnisse geben, unmittelbar gegen Mobbing-Vorfälle, nicht nur im [...]
Ein neues Register? Typisch Kauder: immer eine Sofortlösung und kein weiteres Interesse, nach der Empörung. Vielleicht sollte man Lehrern (und anderen) Befugnisse geben, unmittelbar gegen Mobbing-Vorfälle, nicht nur im religiösen Bereich, vorgehen zu dürfen, ohne sich dann gleich anwaltlich und großfamilienmäßig bedrohen lassen zu müssen. Wenn man hinschaut, sieht man ausgelebte kulturelle und religiöse offene Verachtung jeden Tag. Toleranz gegen Intoleranz ist schädlich.
berliner789 01.04.2018
2. ?Gewaltmeldungen? gibt's in Berlin bereits seit über 12 Jahren!
Insofern wäre das keine neue Idee. Von Gewaltvörfällen körperlicher aber auch verbaler Gewalt werden Meldungen geschrieben. Über die Schulpsychologie gibt es dann Unterstützung. Problematisch ist, dass bei den Kindern und [...]
Insofern wäre das keine neue Idee. Von Gewaltvörfällen körperlicher aber auch verbaler Gewalt werden Meldungen geschrieben. Über die Schulpsychologie gibt es dann Unterstützung. Problematisch ist, dass bei den Kindern und Jugendlichen solche inneren Überzeugungen nicht einfach wegdiskutiert werden können, da es oft familiäre Grundüberzeugungen sind.
c124048 01.04.2018
3. Verstehe ich das richtig....
Verstehe ich das richtig....: Judenfeindliche Vorfälle sollen verpflichtend gemeldet werden und alle anderen nur optional? In welcher verdrehten Welt lebe ich denn aktuell? Vielleicht verstehe ichs auch einfach nicht [...]
Verstehe ich das richtig....: Judenfeindliche Vorfälle sollen verpflichtend gemeldet werden und alle anderen nur optional? In welcher verdrehten Welt lebe ich denn aktuell? Vielleicht verstehe ichs auch einfach nicht mehr......
c124048 01.04.2018
4.
In der Hoffnung auf Freigabe durch die Zensur: Zitat: "Mich haben die Aussagen des Vaters des jüdischen Mädchens in Berlin, deren Fall die Diskussion ausgelöst hat, sehr nachdenklich gemacht", sagte Kauder. [...]
In der Hoffnung auf Freigabe durch die Zensur: Zitat: "Mich haben die Aussagen des Vaters des jüdischen Mädchens in Berlin, deren Fall die Diskussion ausgelöst hat, sehr nachdenklich gemacht", sagte Kauder. Ich übersetze, vereinfache und interpretiere: Andere/Alle Vorfälle (vor diesem), haben ihn also NICHT nachdenklich gemacht? Wie sehr hassen die aktuellen Politiker eigentlich derzeit ihre Bürger? Oder ist es schlichte Ignoranz? Oder Filterblasen? Oder doch irgendwelche Verschwörungen? Man sieht mich ratlos!
schnabelnase 01.04.2018
5. Warum nur gegen einen einzigen Glauben?
Was ist mit Übergriffen und Drohungen gegen Kinder christlichen Glaubens oder gegen atheistische Kinder oder Kinder, die ausschließlich an den Osterhasen glauben. Das Grundgesetz schützt diese alle gleichermaßen. In der [...]
Was ist mit Übergriffen und Drohungen gegen Kinder christlichen Glaubens oder gegen atheistische Kinder oder Kinder, die ausschließlich an den Osterhasen glauben. Das Grundgesetz schützt diese alle gleichermaßen. In der Grundschule meiner Tochter werden regelmäßig „ungläubige“ Kinder bedroht und angegangen. Das wäre also weiterhin nicht der Rede wert, wenn das betroffene Kind nicht jüdischen Glaubens ist. So kann man das Problem nicht angehen.

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