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Leben und Lernen

Computerkurse

Apple muss Teilnahmebedingungen für Schüler ändern

Verbraucherschützer haben sich durchgesetzt: Apple darf für Besuche von Schülergruppen seine aktuellen Teilnahmebedingungen nicht mehr benutzen. Bisher hatte sich der Konzern weitreichende Rechte gesichert.

Getty Images

Schüler mit Apple-Geräten

Montag, 04.06.2018   17:03 Uhr

Apple muss die Teilnahmebedingungen für Schülerkurse in seinen deutschen Läden überarbeiten. Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mitteilte, hatte der Konzern eine zu weitreichende Erlaubnis der Verwendung von Fotos und Filmaufnahmen gefordert. Nun gab das Unternehmen eine Unterlassungserklärung ab und verpflichtete sich, die Teilnahmebedingungen bis spätestens Sonntag zu ändern.

Die Apple-Geschäfte bieten laut Verbraucherschützern "Entdeckungsreisen" für Schülergruppen an. In den Kursen konnten die Kinder unter Anleitung und mithilfe von Geräten des Konzerns ihre Projekte gestalten. Die Eltern mussten vorher eine Zustimmungserklärung unterschreiben.

In der dafür bisher verwendeten Datei unter dem Namen "DEYouthPermissionStatement17.pdf" heißt es unter anderem: "Hiermit stimme ich zu, dass mein Kind fotografiert, gefilmt und interviewt werden darf, und erteile Apple das Recht, Bild-, Film- und Interviewmaterial meines Kindes für jegliche mit dem Programm im Zusammenhang stehende, vertretbare Zwecke zu verwenden, veröffentlichen, vervielfältigen, übertragen, zeigen oder urheberrechtlich zu schützen."

Abtretung aller Rechte

Weiter heißt es in dem Dokument: "Ich verzichte auf mein Recht zur Freigabe, auf Vergütung und das Recht, Apple aufgrund dieser oder sonstiger Vereinbarungen zur Unterlassung aufzufordern oder für die Verwendung, Änderung, Verzerrung oder sonstige Effekte zur Verantwortung zu ziehen (hierzu zählen auch Verleumdung oder Verletzung der Privatsphäre)."

Nach Auffassung der Verbraucherschützer schloss diese Zustimmung ein, dass Apple Fotos und Videos von Minderjährigen nahezu beliebig und kostenlos beispielsweise für Werbekampagnen hätte nutzen können. Wie viele Schüler bisher an solchen Programmen teilgenommen haben, wollte ein Apple-Sprecher auf SPIEGEL-Anfrage nicht sagen.

Die Teilnahmebedingungen enthalten noch weitere Klauseln, die nach Auffassung des vzbv rechtswidrig sind. So behielt sich Apple vor, "Teilnehmer ohne Angabe von Gründen und nach eigenem Ermessen vom Programm auszuschließen." Danach hätten einzelne Schüler grundlos wieder nach Hause geschickt werden können, obwohl sie sich angemeldet und eine Teilnahmebestätigung erhalten hatten.

Werbung an Schulen ist Alltag

Apple ist laut vzbv nur eines unter vielen Unternehmen, die sich gezielt an Schüler und Lehrer wenden: Drei Viertel der größten deutschen Unternehmen gäben eigene Unterrichtsmaterialien heraus, böten Exkursionen, Lehrerfortbildungen oder Schulwettbewerbe an. Zwar sei Produktwerbung verboten. Zahlreiche Schlupflöcher ermöglichen es laut vzbv dennoch, dass Unternehmen ins Klassenzimmer drängen. Vor kurzem hatte der französische Bildungsminister verboten, dass organisierte Schülergruppen die Läden von Apple und anderen Marken besuchen.

SPIEGEL ONLINE-Leser bestätigen in ihren Zuschriften, dass Werbung in Kitas und Schulen vielerorts zum Alltag gehört. Selten sind die Vorfälle allerdings so spektakulär wie die Aktion eines Supermarkts, der im Dezember in Hannover Schüler während der Unterrichtszeit zum Singen in die Filiale einlud. Dort schmetterten sie dann ein Weihnachtslied, umgedichtet auf "Rewe" - was für Empörung bei Eltern und Schulaufsicht sorgte.

Ein Vater aus Gemünden am Main, dessen Sohn im Sommer eingeschult wird, schreibt: "Anfang dieses Jahres haben wir mindestens dreimal Werbeheftchen von verschiedenen Geschäften an seinem Garderobenplatz gefunden - passende Werbung für Schulranzen, versteht sich." Auch Einladungen zu "Schulranzenpartys" seien dabei gewesen, bei denen es um Modelle für rund 250 Euro ging.

Aus Karlsruhe berichtet eine Mutter, dass eine Filiale einer Bank zu Nikolaus regelmäßig Gutscheine in Kitas verteile. "Wenn man einen Schuh in der Filiale abgibt, wird dieser gefüllt. Allerdings nur dann, wenn man auch einen Zettel mit seiner vollständigen Adresse ausfüllt." Was sie besonders ärgert: "In den Datenschutzbestimmungen erklärt man sich damit einverstanden, dass die Volksbank mit den Adressen machen kann, was sie will - wahrscheinlich sind die Adressen ein Vielfaches wert gegenüber den Süßigkeiten in den Schuhen."

"Hat sich gelohnt"

Eine Grundschullehrerin aus Frankfurt berichtet, dass der örtliche Flughafen Fraport ein Schul-Biotop gesponsert habe. "Das ist Alltag", schreibt die Pädagogin, "eine involvierte Bio-Lehrerin aber vertrat seitdem die Ansicht, sie könne deshalb nicht an Demonstrationen gegen Fluglärm teilnehmen." Ihr zynisches Fazit: "Glückwunsch, Fraport. Da hat das Geld sich ja gelohnt."

An der Berliner Fläming-Grundschule berichtet ein Vater vom Klassenausflug seiner Tochter im 6. Schuljahr. Es ging zum VW-Werk nach Wolfsburg, "wo sie nach Besuch des Werks in Einsitzer-Mini-VWs, -Audis und-Porsches in einem dafür angelegten Indoor-Parcours herumfahren durften. Da wir für den Trip meiner Erinnerung nach nichts bezahlen mussten, müsste auch die Busfahrt auf die Kosten von Volkswagen gegangen sein."

Auf die aktuelle Fußballbegeisterung setzen Sponsoren ebenfalls. Von Schulen in Hamburg und Aachen meldeten sich Eltern und erzählten, dass der DFB-Verlag ein Heftchen zusammen mit einem Gratis-Sammelalbum von Panini verschickt habe: "Die Lehrer sollen sie in den Klassen verteilen und tun das auch. Faktisch entsteht damit ein Sammelwettbewerb, wobei die Klebebilder selber natürlich teuer gekauft werden müssen."

him/AFP

insgesamt 2 Beiträge
J.Corey 05.06.2018
1.
Nicht jedes Engagement von Firmen in Schulen sollte verteufelt werden. so etwas bietet auch Chancen den Schulen Dinge zur Verfügung zu stellen,. die sonst finanziell nicht behoben werden können. Wichtig wäre es, hierfür [...]
Nicht jedes Engagement von Firmen in Schulen sollte verteufelt werden. so etwas bietet auch Chancen den Schulen Dinge zur Verfügung zu stellen,. die sonst finanziell nicht behoben werden können. Wichtig wäre es, hierfür eindeutige Rahmenbedingungen zu schaffen, die insbesondere Transparenz und Rechte der Schüler festigen. Wenn beispielsweise die Fraport einen Garten sponsort ist das doch erstmal keine schlechte Sache - warum daraus eine Lehrkörper ableitet man könne nicht mehr gegen Fluglärm oder andere Flughafenkritische Dinge sein, erschließt sich mir nicht, spricht aber kaum für die betreffende Lehrkraft.
emil_erpel8 06.06.2018
2.
Doch. Den Firmen geht es um Kundenbindung und sonst gar nichts. Schule ist nicht der Ort, junge Menschen zu Kunden zu erziehen.
Zitat von J.CoreyNicht jedes Engagement von Firmen in Schulen sollte verteufelt werden. so etwas bietet auch Chancen den Schulen Dinge zur Verfügung zu stellen,. die sonst finanziell nicht behoben werden können. Wichtig wäre es, hierfür eindeutige Rahmenbedingungen zu schaffen, die insbesondere Transparenz und Rechte der Schüler festigen. Wenn beispielsweise die Fraport einen Garten sponsort ist das doch erstmal keine schlechte Sache - warum daraus eine Lehrkörper ableitet man könne nicht mehr gegen Fluglärm oder andere Flughafenkritische Dinge sein, erschließt sich mir nicht, spricht aber kaum für die betreffende Lehrkraft.
Doch. Den Firmen geht es um Kundenbindung und sonst gar nichts. Schule ist nicht der Ort, junge Menschen zu Kunden zu erziehen.

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