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Leben und Lernen

Reaktion auf Schulmassaker

Trump will Schießtraining für Lehrer fördern

Der US-Präsident will Schulen sicherer machen. Doch statt wie angekündigt Gesetze zu verschärfen, sollen Lehrer an der Waffe ausgebildet werden - mit Steuergeld.

Getty Images

Mann bei Schießtraining (Symbolbild)

Montag, 12.03.2018   15:15 Uhr

Donald Trump will Lehrer und anderes Schulpersonal ermuntern, sich freiwillig zu bewaffnen. Um außerdem mehr Lehrer im Umgang mit Waffen zu schulen, solle es staatliche Fördermittel für Schießtrainings geben, kündigte der US-Präsident nun an. Mit seinem Plan wolle er die Schulen in den USA "besser gegen Waffengewalt abhärten". Zuvor hatte Trump angekündigt, Waffengesetze zu verschärfen und das Mindestalter bei Waffenkäufen heraufzusetzen.

Zudem soll nun eine neue Kommission eingerichtet werden, die sich mit dem Thema Sicherheit und Gewalt an Schulen beschäftigt. Die Kommission wird von Bildungsministerin Betsy DeVos geleitet, die Schießtrainings für Lehrer positiv sieht: "Heute haben wir sinnvolle Maßnahmen angekündigt, die sofort dazu beitragen, die Sicherheit der Schüler zu verbessern", sagte DeVos. Weitere geplante Maßnahmen der US-Regierung lesen Sie hier.

Unterstützung bekommt die US-Regierung von der mächtigen Waffenlobby NRA, die eine Verschärfung der Waffengesetze vehement ablehnt. Die größte Lehrervereinigung der USA, die National Education Association, ist dagegen entsetzt, ebenso wie Aktivistengruppen gegen Waffengewalt.

Lehrer zu bewaffnen könnte zu einer Eskalation der Gewalt beitragen, statt die Situation zu beruhigen, argumentieren sie. Die Lage werde zudem für Polizeikräfte im Fall eines Amoklaufs noch unübersichtlicher und verwirrender, wenn alle Lehrer potenziell Waffen tragen dürften. Einige Organisationen bieten bereits Waffenübungen für Lehrer an. Mit den aktuellen Plänen der Regierung könnten sie nun zur Regel werden.

So könnten Waffentrainings für Lehrer aussehen:

Foto: SPIEGEL ONLINE

Ein 19-Jähriger hatte am 14. Februar an einer Schule in Parkland 17 Menschen erschossen. Die Waffen hatte er legal gekauft, obwohl die örtliche Polizei und das FBI wussten, dass er verhaltensauffällig war und eine solche Tat angedeutet hatte.

Trump hatte sich nach dem Massaker mit Schülern und Lehrern getroffen. In den Gesprächen hatte er mehrfach argumentiert, Schulen ohne Waffen seien eine Einladung für "sehr kranke Menschen, die morden wollen". "Wenn man einen Lehrer hat, der mit Schusswaffen vertraut ist, könnte die Attacke schnell beendet werden", sagte Trump.

Trump äußerte sich außerdem über einen Football-Coach der Schule, der starb, als er mit seinem Körper Schüler beschützte. "Hätte er eine Waffe gehabt, hätte er nicht rennen müssen, er hätte geschossen und damit hätte er dem ein Ende gesetzt", sagte Trump laut "New York Times".

In den USA regeln die Bundesgesetze den Umgang mit Waffen an Schulen. Nach dem Gun Free Schools Act (GFSA) aus dem Jahr 1994 werden Schüler, die Waffen in den Unterricht mitbringen, bestraft. Zudem gibt es den Gun Free School Zones Act (GFSZA) aus dem Jahr 1990. Er verbietet es, geladene Waffen in Schulen und im Umkreis von etwa 300 Metern zu tragen.

Allerdings gibt es hier zahlreiche Ausnahmen, etwa wenn eine Person vom Staat oder der Kommune eine Lizenz zum Tragen der Waffe hat. Außerdem erlauben einige US-Bundesstaaten Schulleitern, Lehrern und anderen Schulmitarbeitern, Waffen an Schulen zu tragen.

Zehntausende US-Schüler fordern, die Waffengesetze deutlich zu verschärfen. Für den 20. April ist eine landesweite Protestaktion geplant. An dem Tag jährt sich der Amoklauf an der Columbine High School von 1999, bei dem zwei Schüler 13 Menschen töteten.

Die Proteste richten sich auch gegen die Waffenlobby NRA. Eine Schülerin der Marjory Stoneman Douglas Highschool, die das Massaker überlebte, parodierte jüngst die NRA. In einem Video warnt sie, die Freiheit der USA sei in Gefahr. Neben ihr steht eine Sanduhr. Ihre Botschaft: Die Zeit rinnt uns davon.

Video: Dana Loesch - Das Gesicht der NRA

Foto: NRA

Ein ähnliches Video hatte zuvor die NRA-Sprecherin Dana Loesch aufgenommen. Sie behauptete, Liberale, Hollywoodstars, Sportler und Medien versuchten, US-Bürgern die Waffen wegzunehmen. Die Freiheit Amerikas sei in Gefahr. Am Ende dreht auch sie eine Sanduhr um.

koe

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