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Leben und Lernen

Auf Druck des Europarats

Frankreich will Prügelstrafe verbieten

In Frankreich ist es Eltern immer noch erlaubt, ihre Kinder zu ohrfeigen oder auf den Hintern zu schlagen. Das soll sich jetzt ändern - Jahre nach einer Rüge des Europarats.

Freitag, 30.11.2018   13:00 Uhr

Frankreich will Ohrfeigen, Schläge auf den Hintern und andere körperliche Bestrafungen von Kindern verbieten. Die Nationalversammlung billigte in der Nacht zum Freitag in erster Lesung einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Damit setzt das Land mit mehrjähriger Verspätung europäische Vorgaben um. Der Europarat in Straßburg, der unter anderem über die Einhaltung von Menschenrechten wacht, begrüßte das Votum. Er hatte Frankreich vor dreieinhalb Jahren dafür gerügt, dass "leichte" Züchtigungen zu "erzieherischen Zwecken" in der Familie immer noch erlaubt sind.

Sanktionen gegen gewalttätige Eltern sieht der neue französische Gesetzentwurf jedoch nicht vor. Gesundheitsministerin Buzyn sagte, die Novelle sei dennoch nicht "nur symbolisch". Denn sie breche mit der - auch unter Richtern - weit verbreiteten Ansicht, dass es für Eltern ein "Recht auf eine Tracht Prügel" gebe.

Das Gesetz soll sich gegen "gewöhnliche erzieherische Gewalttätigkeiten" richten. Dazu gehörten auch Schreie, Beschimpfungen oder das Ziehen an den Haaren. Schwere Gewalttaten gegenüber Kindern können in Frankreich bereits nach dem Strafrecht geahndet werden.

Noch nicht verabschiedet

Der Gesetzentwurf ist noch nicht endgültig verabschiedet. Nun muss der Senat darüber beraten, also das Oberhaus der Parlaments. Das letzte Wort hat aber die Nationalversammlung.

In Schweden steht Kindern bereits seit 1979 eine gewaltfreie Erziehung zu, in Deutschland gibt es ein entsprechendes Gesetz erst seit November 2000. "Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig", heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Sanktionen gegen Eltern sind aber auch hierzulande nicht vorgesehen, solange es sich nicht um Misshandlung und sexuellen Missbrauch handelt. In solchen Fällen drohen, je nach Schwere der Tat, mehrjährige Haftstrafen.

In das Bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs soll künftig ein Satz aufgenommen werden, der vom Standesbeamten bei Hochzeiten vorgelesen wird. Demnach soll die "Autorität der Eltern ohne physische oder psychische Gewalt ausgeübt werden". Nach Angaben der Regierung sind damit künftig auch der Klaps auf den Po oder Ohrfeigen tabu.

Einmischung ins Familienleben?

"Man erzieht nicht durch Furcht", sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn in der Debatte zum Verbot der sogenannten "erzieherischen Gewalt". Elterliche Gewalt habe "katastrophale Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes". Konservative und Rechtspopulisten beklagen hingegen eine unzulässige "Einmischung" ins Familienleben und einen Verfall elterlicher Autorität.

Für den Gesetzentwurf, der auch von Teilen der Opposition unterstützt wird, stimmten nun 51 Parlamentarier. Es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen.

Die Debatte läuft in Frankreich schon seit Jahren. Bereits 2009 hatte die damalige konservative Regierungspartei UMP einen Gesetzentwurf eingebracht, der körperliche Züchtigung verbieten sollte. Ein erstes Gesetz wurde im Januar 2017 wegen formaler Mängel vom Verfassungsrat gekippt.

In einer früheren Version war auf jahrelangen Druck der EU verwiesen worden, obwohl es sich um den Europarat handelte. Wir haben die Stelle im Text korrigiert.

lov/AFP/dpa

insgesamt 22 Beiträge
karlsiegfried 30.11.2018
1. Vollkommen richtig
Stellt sich nur die Frage, wie Eltern reagieren, wenn sie von ihren lieben kleinen beim Liebesspiel heimlich gefilmt werden und diese Filme im Netz erscheinen. Siehe dazu auch Deutschland: gefakte Pornos mit Lehrern im Netz. Ich [...]
Stellt sich nur die Frage, wie Eltern reagieren, wenn sie von ihren lieben kleinen beim Liebesspiel heimlich gefilmt werden und diese Filme im Netz erscheinen. Siehe dazu auch Deutschland: gefakte Pornos mit Lehrern im Netz. Ich würde meinen Sohn in solchen Fall eine ordentliche Tracht Prügel verabreichen. Weiter nichts.
hansgustor 30.11.2018
2. Gleich geht's los.
Ich erwarte viele "Hat uns früher auch nicht geschadet Kommentare. " Dabei muss man nur Kinder vergleichen, die gezüchtigt werden und die die es nicht werden. Erstere schlagen zurück, gerne auch mal auf unbeteiligte [...]
Ich erwarte viele "Hat uns früher auch nicht geschadet Kommentare. " Dabei muss man nur Kinder vergleichen, die gezüchtigt werden und die die es nicht werden. Erstere schlagen zurück, gerne auch mal auf unbeteiligte Mitschüler.
Pickle__Rick 30.11.2018
3.
Wie viele Beiträge werden wir wohl brauchen bis der erste Forist die Prügelstrafe verteidigt, weil er glaubt keine Prügel wäre das gleiche wie keine Erziehung?
Wie viele Beiträge werden wir wohl brauchen bis der erste Forist die Prügelstrafe verteidigt, weil er glaubt keine Prügel wäre das gleiche wie keine Erziehung?
touri 30.11.2018
4.
Ich habe mir in meinem Leben zwei Ohrfeigen von meinem Vater eingefangen (beide meines Erachtens berechtigt) und nach eigener Aussage hat er mir einmal den Hintern versohlt (keine Erinnerung mehr daran). Dennoch habe ich mich [...]
Zitat von hansgustorIch erwarte viele "Hat uns früher auch nicht geschadet Kommentare. " Dabei muss man nur Kinder vergleichen, die gezüchtigt werden und die die es nicht werden. Erstere schlagen zurück, gerne auch mal auf unbeteiligte Mitschüler.
Ich habe mir in meinem Leben zwei Ohrfeigen von meinem Vater eingefangen (beide meines Erachtens berechtigt) und nach eigener Aussage hat er mir einmal den Hintern versohlt (keine Erinnerung mehr daran). Dennoch habe ich mich bis zum heutigen Tag (bin 35) nicht einmal ernsthaft geprügelt, nur das übliche Gerammel auf dem Schulhof, das vorbei war, sobald einer im Schwitzkasten war. Es gab sogar einmal eine Situation, da hätte ich mir gewünscht mein Vater hätte mir eine gelangt. Wir haben aber auch heute noch ein sehr gutes und respektvolles Verhältnis. Und nun? Es gibt nunmal einen großen Unterschied zwischen ein Kind regelmäßig zu verprügeln und ihm einmal eine Backpfeife zu verpassen, wenn es richtig Scheiße gebaut hat und sich uneinsichtig zeigt, solange danach wieder gut ist. Ersters bricht einen Charakter, lezteres kann einen formen.
hisch88 30.11.2018
5.
Sie haben anscheinend Ihren Beitrag nicht zu ende geschrieben. "Die zweiten sind diejenigen die in der Schule keinen Respekt mehr vor den Lehrern haben und in sozialen Netzwerken Lehrer und Schüler verunglimpfen mit [...]
Zitat von hansgustorIch erwarte viele "Hat uns früher auch nicht geschadet Kommentare. " Dabei muss man nur Kinder vergleichen, die gezüchtigt werden und die die es nicht werden. Erstere schlagen zurück, gerne auch mal auf unbeteiligte Mitschüler.
Sie haben anscheinend Ihren Beitrag nicht zu ende geschrieben. "Die zweiten sind diejenigen die in der Schule keinen Respekt mehr vor den Lehrern haben und in sozialen Netzwerken Lehrer und Schüler verunglimpfen mit dem Wissen dass ihnen nichts passiert." Im späteren Leben (Beruf) sind es die Mitarbeiter die nicht in der Lage sind in einer Gemeinschaft oder im Team zu sein. Prügelstrafe auch von mir ein klares NEIN. Ohrfeigen von mir ein klares NEIN, (Gehör Verletzungen). Mal mit der Hand EINEN Schlag auf den Popes oder den Oberschekel tut weh, und zwar Beiden, dem Empfänger wie dem Sender. Ich hab es zwar gehasst, aber es war wirksamer wie die Kuschelpädagogik.
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