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Leben und Lernen

Schläge, Drohungen und Mobbing

KMK-Präsident fordert Lehrer auf, gewalttätige Schüler anzuzeigen

Kultusminister-Präsident Helmut Holter will gegen Gewalt an Schulen vorgehen. Auch Kinder, die nicht strafmündig sind, sollen die Konsequenzen ihres Handelns spüren.

DPA

Schülerin mit Klappmesser (Symbolbild)

Mittwoch, 13.06.2018   08:47 Uhr

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Helmut Holter, will Gewalt gegen Lehrer an deutschen Schulen eindämmen. Er ermuntert betroffene Lehrer daher, die Täter anzuzeigen. "Wir müssen uns mit solchen Gewalttaten auseinandersetzen - verbale wie tätliche", sagte Thüringens Bildungsminister der Nachrichtenagentur dpa.

"Alle Fälle, die im Bereich des Straftatbestandes liegen, sollten zur Anzeige gebracht werden - auch wenn Kinder nicht strafmündig sind." Schüler müssten die Konsequenzen ihres Handelns spüren, empfahl der Linke-Politiker. Durch eine Strafanzeige würden sich Eltern und Schüler mit den Taten auseinandersetzen.

Zudem will Holter seinen Länder-Kollegen vorschlagen, Lehrer repräsentativ zum Thema Gewalt an Schulen zu befragen. Die Kultusminister der Bundesländer kommen am Donnerstag und Freitag in Erfurt zusammen, um sich in Bildungsfragen abzustimmen. Die Beschlüsse der KMK sind für die Länder nicht bindend.

An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland wurden Lehrer in den vergangenen fünf Jahren körperlich angegriffen, wie aus einer repräsentativen Umfrage unter Schulleitern hervorgeht. Die Umfrage war vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben worden. Über alle Schulformen hinweg gab es demnach an jeder vierten Schule Fälle tätlicher Gewalt gegen Lehrkräfte.

Video: Wut im Bauch - Jugend auf der schiefen Bahn

Foto: NDR

kha/dpa

insgesamt 88 Beiträge
c124048 13.06.2018
1.
Hm.... Also lese ich daraus, dass "Kinder" bislang NICHT angezeigt werden? Das gibt mir in der Tat zu denken. Warum ist das so? Da fällt mir nur ein: Angst vor den Kindern (Das wäre das Schlimmste) Angst vor den [...]
Hm.... Also lese ich daraus, dass "Kinder" bislang NICHT angezeigt werden? Das gibt mir in der Tat zu denken. Warum ist das so? Da fällt mir nur ein: Angst vor den Kindern (Das wäre das Schlimmste) Angst vor den Eltern (auch sehr schlimm) Resignation (Naja, nachvollziehbar) Ignoranz (Kann ich sogar verstehen) oder Faulheit (das wäre charakterschwach) Wie man es dreht: So gehts ja wohl nicht.
whitewisent 13.06.2018
2.
Die Aussage dürfte viele Eltern erstaunen. So mußten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten (kenne persönlich Fälle von schwerster Körperverletzung bereits vor 25 Jahren) immer wieder mit dem Hinweis auf die fehlende [...]
Die Aussage dürfte viele Eltern erstaunen. So mußten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten (kenne persönlich Fälle von schwerster Körperverletzung bereits vor 25 Jahren) immer wieder mit dem Hinweis auf die fehlende Strafmündigkeit abfinden, wenn es um Gewalt von Schülern gegen Schüler ging. Auch die Gewalt von Heranwachsenden zwischen 14 und 18 Jahren wurde immer wieder bagetellisiert, und sich mehr um die Seelenlage der Täter als der Opfer gekümmert. Ja, es muss sich etwas Ändern - das sollte aber die generelle Tabuisierung von Gewalt an Schulen sein, egal gegen wen sie sich richtet. Und da können nicht die Lehrer nach der Polizei rufen, denn sie haben die pädagogische Ausbildung dafür, 10jährigen zu erklären, daß man andere Menchen weder tritt, schlägt noch bespuckt.
cosmose 13.06.2018
3.
Wieso sollte man nicht strafmündige Kinder anzeigen? Kostet nur unnötig Zeit und Geld...
Zitat von c124048Hm.... Also lese ich daraus, dass "Kinder" bislang NICHT angezeigt werden? Das gibt mir in der Tat zu denken. Warum ist das so? Da fällt mir nur ein: Angst vor den Kindern (Das wäre das Schlimmste) Angst vor den Eltern (auch sehr schlimm) Resignation (Naja, nachvollziehbar) Ignoranz (Kann ich sogar verstehen) oder Faulheit (das wäre charakterschwach) Wie man es dreht: So gehts ja wohl nicht.
Wieso sollte man nicht strafmündige Kinder anzeigen? Kostet nur unnötig Zeit und Geld...
aggro_aggro 13.06.2018
4. Eskalation
Lehrer sind an sich schon etwas älter und kennen aus ihrer eigenen Schulzeit mehr Gewalt als heute üblich ist. Da wurde nie jemand wegen einer blutigen Nase angezeigt. Außerdem gilt das auch nicht als pädagogisch, nach dem [...]
Lehrer sind an sich schon etwas älter und kennen aus ihrer eigenen Schulzeit mehr Gewalt als heute üblich ist. Da wurde nie jemand wegen einer blutigen Nase angezeigt. Außerdem gilt das auch nicht als pädagogisch, nach dem Motto "der Kleine kann ja nichts dafür, dass er so ist". Wenn man allerdings sieht wofür man als Lehrer heutzutage schon angezeigt wird und wie wenig Möglichkeiten einem Lehrer bleiben manche Schüler zu bestrafen, wird das wohl üblich werden. Wobei ich mir im Moment nicht vorstellen kann jemanden wegen einem blauen Fleck oder einer Beleidigung anzuzeigen. Ein Katalog an erlaubten und üblichen Strafmaßnahmen (ohne wochenlangen Papierkram vorher) wäre sinnvoller.
Divano 13.06.2018
5.
Ich bin ein junger Lehrer und ich habe letztes Jahr versucht eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei zu stellen. Der Hintergrund: Schüler haben eine Instragram-Gruppe gegründet und haben mit Bildern Lehrer diffamiert (u.a. [...]
Ich bin ein junger Lehrer und ich habe letztes Jahr versucht eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei zu stellen. Der Hintergrund: Schüler haben eine Instragram-Gruppe gegründet und haben mit Bildern Lehrer diffamiert (u.a. mit einem Henkerstrick). Ich wurde an diesem Tag von der Polizistin nach Hause geschickt, sie war nicht bereit die Anzeige aufzunehmen. Ihre Worte: (...) "Das ist Auslegungssache". Wenn selbst viele in der Gesellschaft es nicht ernst nehmen und in Foren seit Jahren regelmäßig ein Lehrer-Bashing vom Feinsten unternommen wird, dann muss man sich nicht wundern, dass junge Menschen nicht nur vor der Polizei den Respekt verlieren. Kinder sind immer das Spiegelbild der Gesellschaft... Ich habe selbst keine Probleme mit Schülern, da ich mit Wertschätzung und Respekt den Kindern und Jugendlichen begegne. Ich freue mich auf eine faire Diskussion, fern ab von: "Lehrer haben immer frei".
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