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Leben und Lernen

Hamburger Expertenkommission

So geht besserer Matheunterricht

Hamburger Schüler haben Probleme mit dem Mathematikunterricht, Experten sollten Lösungen suchen. Ihre Vorschläge werden für Diskussionen sorgen.

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Schülerin beim Matheunterricht

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Montag, 03.12.2018   16:50 Uhr

Wenn 60 Prozent der Abiturienten den Oberstufenstoff in Mathematik nicht beherrschen, wenn jeder fünfte Viertklässler und fast jeder dritte Neuntklässler die Mathe-Mindeststandards nicht erreichen - dann läuft ziemlich viel schief im Unterricht.

Die Zahlen wurden zwischen 2012 und 2015 bei verschiedenen Vergleichstests in Hamburg ermittelt. Den Hamburger Bildungssenator Ties Rabe ärgerte das schlechte Ergebnis so sehr, dass er vor drei Jahren den Schülern in der Unter- und Mittelstufe zwei zusätzliche Mathestunden pro Woche verordnete.

Denn bei einem knappen Drittel der 15-jährigen Hamburger, stellten etwa Experten vom Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) fest, seien die Mathekenntnisse "so gering, dass der erfolgreiche Übertritt in die berufliche Ausbildung gefährdet ist". Und als Ende 2016 bei einem Mathetest unter Abiturbedingungen 42 Prozent der Hamburger Schüler eine Fünf kassierten, ließ der Schulsenator nachträglich den Notenschnitt anheben.

So kann das nicht weitergehen, dachte sich Rabe und rief 2017 eine Mathematik-Expertenkommission ins Leben. Deren Arbeitsauftrag: Die Fachleute sollten Wege zu besserem Unterricht - und damit auch zu besseren Matheleistungen der Schüler - aufzeigen. Seit Montag liegen die Empfehlungen der Kommission nun vor.

Nötig sei ein klarer gegliederter Unterricht, der an allen Schulen nach vergleichbaren Standards ablaufen solle, so die Experten. Außerdem müsse es mehr Fachstunden geben - und eine deutlich verbesserte Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer.

Die wichtigsten Forderungen der Experten:

Einen Schwerpunkt ihrer Empfehlungen legt die Kommission auf die Weiterbildung der Lehrer. Hier fehle "ein umfassendes, zusammenhängendes und langfristig angelegtes Fortbildungskonzept Mathematikunterricht". Das müsse sich einerseits an bereits eingesetzte Lehrkräfte, andererseits aber auch an Quer- und Seiteneinsteiger richten, die in den kommenden Jahren verstärkt in die Klassenzimmer kommen werden.

Hamburger Mathematiklehrer besuchen zwar im Bundesvergleich überdurchschnittlich häufig Fortbildungen, schaffen es aber offenkundig nicht, daraus in der Breite auch messbar besseren Unterricht zu entwickeln. Dabei sei gute Weiterbildung der Schlüssel zu erfolgreicheren Stunden, so der Hamburger Schulforscher Peter Daschner im SPIEGEL-Interview: "Wir können nicht auf den biologischen Austausch der Lehrerschaft warten."

"Die Empfehlungen werden zur qualitativen Verbesserung des Mathematikunterrichts in Hamburg beitragen", sagte Ties Rabe am Montag bei der Vorstellung des Berichts: "Wir werden die Empfehlungen jetzt genau analysieren, um herauszuarbeiten, was wie in Hamburg umsetzbar ist."

Die Vorschläge der Kommission dürften dabei für erhebliche Debatten sorgen. Denn längst nicht alle Empfehlungen lassen sich leicht umsetzen: Für eine bessere Unterrichtsplanung, heißt es im Bericht, sei für die Lehrer auch mit "Mehrarbeit" zu rechnen.

Problem Nummer zwei: der Lehrermangel. Bildungssenator Rabe hat zwar festgelegt, dass ab Klasse 5 "nur noch studierte Mathematiklehrkräfte Mathematik" unterrichten sollen. In den Grundschulen allerdings ist das Ziel weniger ambitioniert: Hier soll "pro Klassenstufe mindestens eine Fachlehrkraft eingesetzt werden und insgesamt eine Fachlehrerquote von mindestens 50 Prozent in allen Mathematikstunden sichergestellt werden".

Die Experten stellen sich das ganz sicher anders vor.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Forderung der Experten, dass es 21 Wochenstunden Mathematikunterricht bis zur 4. Klasse geben soll, nachträglich eindeutiger formuliert. Missverständnisse bitten wir zu entschuldigen.

insgesamt 141 Beiträge
spon-facebook-1566228675 03.12.2018
1. Ohne Noten!
Unser Sohn geht auf eine Freie Schule - 10. Klasse jetzt. Der Mathelehrer sagt, er übernimmt die Kinder in der Siebten - mit einem Wissensstand von Zweit/-Drittklässlern. Mit klassischem Unterricht bereitet er alle seine Kinder [...]
Unser Sohn geht auf eine Freie Schule - 10. Klasse jetzt. Der Mathelehrer sagt, er übernimmt die Kinder in der Siebten - mit einem Wissensstand von Zweit/-Drittklässlern. Mit klassischem Unterricht bereitet er alle seine Kinder binnen 4 Jahren dann auf die Prüfungen am Ende der 10. Klasse vor - Werkrealschulprüfung. Das funktioniert einwandfrei. Ohne Noten. So geht besserer Unterricht.
Brathering 03.12.2018
2. Am besten wie bei der Rechtschreibung
Nach Gehör rechnen. 3+3 ergibt dann 33. Ein paar Jahre später kann man den Kindern ja sagen, dass das alles falsch war.
Nach Gehör rechnen. 3+3 ergibt dann 33. Ein paar Jahre später kann man den Kindern ja sagen, dass das alles falsch war.
remedias.cortes 03.12.2018
3. Prä- Mathematik
habe ich in den Neunzigern in Lateinamerika im Kindergarten unterrichtet - da geht es erstmal um Orientierung im Raum - laufe eine Acht oder um Hindernisse herum beispielsweise - um geometrische Formen, um das Gespür für [...]
habe ich in den Neunzigern in Lateinamerika im Kindergarten unterrichtet - da geht es erstmal um Orientierung im Raum - laufe eine Acht oder um Hindernisse herum beispielsweise - um geometrische Formen, um das Gespür für Zahlen - Tischdecken für die Kindergruppe, Verdoppeln, Halbieren , Würfeln, aber wie gesagt , besonders um Raumwahrnehmung. Ich frage mich, ob die zunehmenden körperliche Ungeschicklichkeit , also Dyspraxie und mangelhafte Propriozeption , nicht mit prämathematischem Verständnis gekoppelt sind. Dann wäre die Lösung nicht mehr Matheunterricht, sondern viel früher in den Kita prämathematische Förderung.
helgeharder 03.12.2018
4. Äh... bitte?
"In der Grundschule ab Klasse 3 und in der Sekundarstufe 1 sollten vier Klassenarbeiten pro Jahr verpflichtend sein, in der gymnasialen Oberstufe zwei Klausuren pro Halbjahr", heißt es in dem Bericht." Soll das [...]
"In der Grundschule ab Klasse 3 und in der Sekundarstufe 1 sollten vier Klassenarbeiten pro Jahr verpflichtend sein, in der gymnasialen Oberstufe zwei Klausuren pro Halbjahr", heißt es in dem Bericht." Soll das heißen, daß es Schulen gibt, in denen keine zwei Mathearbeiten im Halbjahr geschrieben werden? Das ist doch völlig normaler Standard, oder habe ich was verpaßt?
hinundwieder 03.12.2018
5.
Mehr qualifizierte Lehrer - mehr Pauken, mit frequenten Klassenarbeiten und Tests. Nach das hoert sich doch gut an. Mehr Mathe - weniger Genderstudies. Fortschritt!!
Mehr qualifizierte Lehrer - mehr Pauken, mit frequenten Klassenarbeiten und Tests. Nach das hoert sich doch gut an. Mehr Mathe - weniger Genderstudies. Fortschritt!!
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