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Leben und Lernen

Absurdes von Helikopter-Eltern

"Sie forderten einen beheizten Tunnel ins Schulgebäude"

Helikopter-Eltern wollen mit auf Klassenfahrt, erledigen die Hausaufgaben, klagen Noten ein - und machen Lehrern so das Leben schwer. Die verrücktesten Geschichten aus deutschen Schulen.

Getty Images

Montags, dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags gehören die Kinder mir.

Von und
Montag, 30.10.2017   11:22 Uhr

"Normalerweise läuft unsere Tochter mit Freundinnen zur Schule", so begann ein Vater seine Erzählung über ein Erlebnis mit Helikopter-Mamas. Als er seine Tochter eines Tages jedoch selbst zur Schule gebracht habe, habe er am Schuleingang zwei weinende Mütter getroffen. "Die erste hat geweint, weil ihre Tochter Unterricht bei einer Lehrerin hatte, die sie nicht mag, und sie ihr als Mutter nicht beistehen könne - und die andere hat dann beim Anhören dieser Schilderung begonnen, mitzuweinen."

Das klingt verrückt? Ist es auch, doch leider keine Ausnahme. Von Helikopter-Eltern, ihren schulpflichtigen Kindern und völlig übertriebener Fürsorge um die Kleinen gibt es unzählige Geschichten: Es gibt Schulen, die Briefe an die Eltern schreiben müssen, damit diese nicht mehr während der Schulstunde am Fenster stehen und winken. Es gibt Eltern, die selbst Lateinstunden nehmen, um mit ihrem Kind die Hausaufgaben machen zu können. Andere terrorisieren Lehrer mit nächtlichen Nachrichten.

Vor Schulparkplätzen muss sogar manchmal die Polizei gerufen werden, denn überfürsorgliche Eltern lassen ihre Kinder auf keinen Fall allein zur Schule laufen, sondern kutschieren sie im Auto, sodass jeden Morgen vor deutschen Schulen Verkehrsinfarkte entstehen. "Es ist wirklich erschreckend, wie viele Kinder auch in der vierten Klasse noch täglich abgeholt oder gebracht werden", berichtet eine Lehrerin.

Kurzum: An deutschen Schulen herrscht Helikopter-Invasion - von Eltern, die ihre Kinder rund um die Uhr überwachen und bei jeder Kleinigkeit landen, um zu helfen. Sie räumen jedes Hindernis aus dem Weg, sind überängstlich und mischen sich in alles ein.

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Lesen Sie hier Buchauszüge aus den Kapiteln Schulweg und Schule:

"In meiner Schulzeit gab es so was nicht", berichtete uns eine Leserin. "Irgendetwas muss in den letzten zehn Jahren mit Kindern und Eltern passiert sein." Und tatsächlich: Dass sich etwas verändert hat zwischen den Eltern und ihren Kindern, zwischen den Lehrern und den Eltern und damit auch zwischen den Lehrern und den Schülern, ist offensichtlich. Vereinfacht kann man sagen: Früher haben Eltern bei einer schlechten Note ihr Kind zurechtgewiesen, heute schimpfen sie mit dem Lehrer.

Viele Mütter und Väter betrachten Pädagogen mittlerweile als Dienstleister, die zu springen haben, wenn die Kinder - oder die Eltern - rufen. So bat eine Mutter die Lehrerin ihres Kindes sogar darum, während der Schulzeit mit ihm zum Arzt zu gehen. Ansprüche wie diese spiegeln nicht nur den mangelnden Respekt vor der Arbeit, die Lehrer leisten, sondern auch vor den Anforderungen des Systems Schulklasse, wo das einzelne Kind sich in die Gruppe einfügen muss.

Den Kindern selbst fällt das meist gar nicht so schwer - aber manche Eltern empfinden den Gedanken, dass die Bedürfnisse ihres Prinzchens oder Prinzesschens sich für ein paar Stunden am Tag denen der Gemeinschaft unterzuordnen haben, offenbar als unerträgliche Zumutung.

Kennen Sie Helikopter-Eltern?

insgesamt 190 Beiträge
AUDIHaendler 30.10.2017
1. das Problem ist das Alter der Eltern...
...die dann ihr Kind zum Projekt erklären. So, wie sie ihr ganzes Leben vorher zum Projekt erklärt haben. Mein Frau und ich waren nicht gerade jung (30/33) als wir unsere Kinder bekommen haben. Doch nun erleben wir bei den [...]
...die dann ihr Kind zum Projekt erklären. So, wie sie ihr ganzes Leben vorher zum Projekt erklärt haben. Mein Frau und ich waren nicht gerade jung (30/33) als wir unsere Kinder bekommen haben. Doch nun erleben wir bei den Schwestern meiner Frau, wie das Erziehen der Kinder bei +40ern vonstatten geht. Zehn Jahre sind dann Welten. Als unsere Kiner klein waren (0 und 3), waren wir in der Lage unsere Kids während Familienfeierlichkeiten ins benachbarte Schlafzimmer von wem auch immer hinzulegen, wenn es mal später wurde. Heute schlägt um 19.30 Uhr der Hammer, man springt auf und eilt nach Hause: Schliesslich müsse man noch inhalieren....
skith 30.10.2017
2. Zusammenhänge suchen!
Anstatt sich mit Ironie und Überheblichkeit zu amüsieren, stünde es gerade dem Spiegel gut an, nach Hintergründen und Zusammenhängen zu fragen. Beispielsweise nach dem Einfluss einer - politisch so explizit gewollten - [...]
Anstatt sich mit Ironie und Überheblichkeit zu amüsieren, stünde es gerade dem Spiegel gut an, nach Hintergründen und Zusammenhängen zu fragen. Beispielsweise nach dem Einfluss einer - politisch so explizit gewollten - Entsolidarisierung, nach Leistungsängsten und Cocooning...
c.PAF 30.10.2017
3.
Ach Gott ja, die armen Kinder. Blöd ist es auch, wenn in einem Dorf die Hauptstraße auch noch "Hauptstraße" heißt. Da sagt dann doch tatsächlich eine Helikoptermami: "Ich fahre mein Kind mit dem Auto in die [...]
Ach Gott ja, die armen Kinder. Blöd ist es auch, wenn in einem Dorf die Hauptstraße auch noch "Hauptstraße" heißt. Da sagt dann doch tatsächlich eine Helikoptermami: "Ich fahre mein Kind mit dem Auto in die Schule. Würde sie mit dem Bus fahren, müßte sie alleine die Hauptstraße überqueren, das ist zu gefährlich!" Daß die "Hauptstraße" von nur 30 Autos pro Stunde befahren wird, ist nicht relevant. Es ist eine Hauptstraße, und somit ist sie gefährlich.
einenullzuviel! 30.10.2017
4. Fehlt hier was,
Oder ist es so gewollt, dass zur Überschrift nix im eigentlichen Text steht? Wenn ich mich nicht irre ist es nur Einleitung zum Text. Na mal sehen, vielleicht ist es ja der Sturm gewesen der die Buchstaben hat weggeweht.
Oder ist es so gewollt, dass zur Überschrift nix im eigentlichen Text steht? Wenn ich mich nicht irre ist es nur Einleitung zum Text. Na mal sehen, vielleicht ist es ja der Sturm gewesen der die Buchstaben hat weggeweht.
juliajuliane 30.10.2017
5. andere Länder, andere Sitten
Zum zur Schule bringen möchte ich etwas bemerken. Hier in UK ist es üblich die Kinder bis zur 6ten Klasse zu bringen und zu holen. In den ersten drei Jahren (Schulstart mit 4 Jahren) werden die Kinder erst rausgelassen, wenn die [...]
Zum zur Schule bringen möchte ich etwas bemerken. Hier in UK ist es üblich die Kinder bis zur 6ten Klasse zu bringen und zu holen. In den ersten drei Jahren (Schulstart mit 4 Jahren) werden die Kinder erst rausgelassen, wenn die Lehrerin die Eltern gesichtet hat. Und bei den älteren Kindern meldet sich die Schule, wenn sie nicht in der Schule auftauchen. In Deutschland habe ich mich schon gefragt, ob ich es erfahren würde, wenn mein Kind auf dem Weg zur Schule verschütt geht. Insofern habe ich Verständnis, wenn Eltern, deren Kinder so wohnen, daß sie nicht mit anderen Kinder laufen können, die Kinder lieber abliefern. Nachmittags weiß man ja, wann sie eintrudeln, die Unsicherheit morgens finde ich aber schon Grund genug zur Sorge.
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