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Leben und Lernen

Herne

Gymnasium verleiht Burkinis für Schwimmunterricht

Soll eine Schule Burkinis an muslimische Schülerinnen verleihen? Ein Gymnasium in Herne macht genau das. Die Erfahrungen sind positiv, sagt der Schulleiter.

REUTERS

Model mit Burkini

Dienstag, 12.06.2018   19:53 Uhr

Die schrillen Reaktionen waren zu erwarten. Ein deutsches Gymnasium, das 20 Burkinis anschafft, um sie an muslimische Schülerinnen zu verleihen, damit sie am Schwimmunterricht teilnehmen können? Da schäumt das Netz, und auch Politiker nutzen die Chance, sich mal schnell zu positionieren.

So zeigte sich CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner "verwundert" über Anschaffung und kostenlosen Verleih der Burkinis. "Damit zementiert eine Schule ein frauendiskriminierendes Rollenverständnis an einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche gerade das Gegenteil lernen und sich frei entfalten sollten", kritisierte Klöckner.

Über den Burkini-Verleih des Pestalozzi-Gymnasiums in Herne hatte zuvor die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet. "Damit hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen", sagte Schulleiter Volker Gößling dem Bericht zufolge. 15 Schülerinnen hätten das kostenlose Angebot bisher bereits genutzt.

Keine öffentlichen Gelder ausgegeben

Die Burkinis seien bereits vor zwei Jahren angeschafft worden und Teil eines umfassenden Hilfekonzepts, sagte Volker Gößling auf Anfrage des SPIEGEL - und die Erfahrungen damit seien gut. Jeder solle schwimmen lernen und er habe dafür die Bedingungen geschaffen.

Die Schule helfe "einzelnen Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihres familiären Umfeldes oder ihres kulturellen Hintergrundes Schwierigkeiten haben, am Sportunterricht, am Unterricht allgemein und am gesamten Schulleben inklusive Klassenfahrten teilzunehmen", teilte der Schulleiter mit.

So würden die Schülerinnen und Schüler mit Sportsachen und Sportschuhen, Badehosen und Badeanzügen, Ski-Bekleidung sowie Schreibmaterialien versorgt, wenn sie - aus welchen Gründen auch immer - diese Dinge nicht selbst mitbringen könnten. Finanziert werde dies durch Spenden.

him/AFP

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