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Leben und Lernen

Studie

Kinder lernen Rechtschreibung am besten mit der Fibel

Früja wa ales bässa? Zumindest beim Schreibenlernen scheint da etwas dran zu sein: In einer Studie schneidet die klassische Fibel am besten ab. Eine besonders umstrittene Methode fällt durch.

picture alliance/ dpa

Schulkinder im Unterricht

Sonntag, 16.09.2018   15:04 Uhr

Lernen Kinder mit der Fibel Lesen und Schreiben, beherrschen sie die Rechtschreibung besser. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bonn. Andere Ansätze, wie "Lesen durch Schreiben", schnitten weitaus schlechter ab.

"Die Studienergebnisse weisen klar darauf hin, dass alle Kinder gleichermaßen vom Einsatz einer Fibel im Unterricht profitieren", sagt Una Röhr-Sendlmeier. Gemeinsam mit einem Team von Wissenschaftlern untersuchte sie Rechtschreibleistungen von mehr als 3000 Kindern aus Nordrhein-Westfalen, die mit einer von drei verschiedenen Methoden Schreiben lernten:

Die mehr als 3000 Kinder seien zunächst nach ihrer Einschulung auf ihre Vorkenntnisse getestet worden, erläuterte der an der Studie beteiligte Bonner Wissenschaftler Tobias Kuhl. Danach seien fünfmal jeweils halbjährlich Diktate ausgewertet worden - immer waren Fibelkinder die leistungsstärksten. Schüler, die mit "Lesen durch Schreiben" unterrichtet wurden, machten am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler, "Werkstatt"-Schüler sogar 105 Prozent mehr als Fibelkinder. Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch war, profitierten demnach vom Fibel-Ansatz.

"Lesen durch Schreiben" und die "Rechtschreibwerkstatt" führten laut Kuhl nachweislich zu vielen Fehlern. Ein fest vorgegebener Ablauf vom Einfachen zum Komplexen habe sich als klar überlegen erwiesen. Die ganze Studie soll bei einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vorgestellt werden.

Erst gelobt, dann verflucht

Insbesondere die Reichen-Methode "Lesen durch Schreiben" - auch "Schreiben nach Gehör" genannt - ist in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Das Konzept hatte das gängige Fibel-Lernen an vielen Schulen abgelöst.

Doch was zunächst als kinderfreundlich, lernförderlich und progressiv galt, ist längst umstritten: Lehrer an weiterführenden Schulen klagen über mangelnde Rechtschreibkenntnisse, Wissenschaftler finden auch keine Erfolgsbeweise. Große Probleme mit der kreativen Schreiblernmethode haben außerdem Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen oder aus eher bildungsfernen Elternhäusern kommen, also genau die Schüler, die mehr und nicht weniger Förderung bräuchten.

Experten sprachen bereits 2013 von einer Rechtschreib-Katastrophe. In einigen Bundesländern ist die umstrittene Methode bereits wieder abgeschafft worden, darunter in Hamburg und Baden-Württemberg.



Rückkehr zur Fibel?

Der Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU von Ende 2017 zufolge kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er den Text auch versteht. Und der bei Viertklässlern erhobene IQB-Bildungstrend 2016 ergab, dass nur 55 Prozent orthografische Regelstandards erreichen oder übertreffen.

Also bekommen alle Grundschüler wieder die Fibel? So einfach wird es wohl nicht. Der Bildungsverband VBE zeigt sich dennoch auch hinsichtlich der neuen Ergebnisse skeptisch. Grundsätzlich sei es "nicht zielführend", die Rechtschreibfähigkeit als einzelnen Aspekt losgelöst von allen anderen Lernprozessen zu untersuchen. Der Vorsitzende Udo Beckmann meint: "Eine einseitig festgelegte Rückkehr zum Unterricht mit der Fibel ist keine Lösung."

Die Bildungsforscherin Nele McElvany von der Universität Dortmund hält die Ergebnisse der Studie zwar für plausibel, äußert jedoch auch Kritik: Die Untersuchung lasse offen, ob es bei der Einschulung schon unterschiedliche Voraussetzungen bei den Kindern gab und inwieweit diese im Schulverlauf erhalten blieben. Angesichts der teils dramatisch schwachen Kompetenzen sei eine Methodendebatte wichtig. Orthografie sei Fleißarbeit und müsse in den ersten Schuljahren geübt werden. "Es ist wie auch das Lesen eine Kernkompetenz, die Grundschüler lernen müssen. Dafür brauchen sie in den Schulen und zu Hause den zeitlichen Raum."

Quiz zur Rechtschreibung

brk/dpa

insgesamt 247 Beiträge
Phil2302 16.09.2018
1. Das überrascht auch nur
ein paar selbsternannte Bildungsexperten. In ein paar Jahren wird man völlig überraschend feststellen, dass der Lernzuwachs in homogenen Klassengruppen größer ist als in Klassengruppen, wo der Lernbehinderte mit dem [...]
ein paar selbsternannte Bildungsexperten. In ein paar Jahren wird man völlig überraschend feststellen, dass der Lernzuwachs in homogenen Klassengruppen größer ist als in Klassengruppen, wo der Lernbehinderte mit dem Überflieger zusammen "individuell gefördert" wird. So, ich mach jetzt mal für meine 3 Kurse morgen die jeweils 25-30 individuellen ABs fertig, vielleicht bin ich ja in 12 Stunden im Bett. /s
richard-x 16.09.2018
2. Vielen wird es ganz Recht sein.
"Insbesondere die Kinder deren Muttersprache nicht Deutsch ist und aus bildungsfernen Schichten schneiden schlecht ab". die meisten Eltern, die ich kenne, würden es sehr gerne auch so belassen. Schließlich will man [...]
"Insbesondere die Kinder deren Muttersprache nicht Deutsch ist und aus bildungsfernen Schichten schneiden schlecht ab". die meisten Eltern, die ich kenne, würden es sehr gerne auch so belassen. Schließlich will man keine Konkurrenz für die eigenen Kinder. Ich wundere mich auch das Hamburg progressiv ist, schließlich hat Hamburg beim Volksentscheid ( wo die Wahlbeteiligung in den wohlhabenden Stadtbezirken deutlich höher war als in den anderen) entschieden dass die Kinder nicht 6 Jahre zusammen lernen, sondern dass die Minderpriviligierten schon ab der fünften Klasse in die Hauptschule/Realschule aussortiert werden.
spmc-12355639674612 16.09.2018
3. Gibt es jemanden hier,
der sich darüber wundert? Die Schülerinnen und Schüler lernen immer besser, wenn das zu Erlernende in einer klaren Struktur und übersichtlichen Aufbereitung vorliegt. Das ist auch in Mathematik und sogar in Latein so.
der sich darüber wundert? Die Schülerinnen und Schüler lernen immer besser, wenn das zu Erlernende in einer klaren Struktur und übersichtlichen Aufbereitung vorliegt. Das ist auch in Mathematik und sogar in Latein so.
Newspeak 16.09.2018
4. ....
Die alte Methode hat funktioniert. Es gab also gar keinen Anlass, etwas zu ändern. Warum man das dennoch getan hat, kann ich mir nur mit Inkompetenz auf Seiten der Kultuspolitik und Masochismus auf Seiten der Lehrer erklären. [...]
Die alte Methode hat funktioniert. Es gab also gar keinen Anlass, etwas zu ändern. Warum man das dennoch getan hat, kann ich mir nur mit Inkompetenz auf Seiten der Kultuspolitik und Masochismus auf Seiten der Lehrer erklären. Ich bin nicht gegen Neuerungen, wenn sie vorher (!) erwiesen haben, dass sie besser sind. Eine Studie, wie die Genannte, muss vor der flächendeckenden Einführung einer neuen Methodik stattfinden. Und es sollte auch von Fachgesellschaften empfohlen werden, nicht so wie der Karlsruher Physikkurs, der eine Physikpädagogische Masturbation ist, die in zentralen Punkten der Physik widerspricht, weil man die Physik der Didaktik unterordnen wollte, statt umgekehrt.
smaturin 16.09.2018
5. Warum...
hat man damals bei der Einführung der Lesen-durch-Schreiben Methode nicht schon auf die Urteile und Meinung vieler Eltern und Experten gehört? So wie ich war ein Grossteil der Eltern der Meinung, dass diese Methode grober Unfug [...]
hat man damals bei der Einführung der Lesen-durch-Schreiben Methode nicht schon auf die Urteile und Meinung vieler Eltern und Experten gehört? So wie ich war ein Grossteil der Eltern der Meinung, dass diese Methode grober Unfug ist... Leider hat es Jahre gedauert und mehrere versaute Jahrgänge an Grundschülern, um auf den gleichen Erkenntnisstand zu kommen... Gott sei Dank haben meine Kinder durch viel Lesen dies ziemlich gut kompensieren können... Müsste eigentlich mal recherchieren aus welcher schulpolitischen Ecke diese Methode kam...

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