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Leben und Lernen

Uno über Kinder als Opfer im Krieg

"Schande dieser Generation"

Die Uno hat zum besonderen Schutz von Schulen in Konfliktgebieten aufgerufen. In Damaskus wurden am selben Tag bei einem Angriff auf eine Grundschule sechs Kinder getötet.

AFP

Kind mit Mutter im syrischen Ost-Ghuta

Dienstag, 31.10.2017   21:03 Uhr

Die Uno-Sonderbeauftragte Virginia Gamba hat es als "eindringlichste Schande dieser Generation" bezeichnet, Kinder für Kriege zu missbrauchen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse Friedensmissionen die ausdrückliche Aufgabe mit auf den Weg geben, Jungen und Mädchen in bewaffneten Konflikten zu schützen.

Der Sicherheitsrat rief am selben Tag zum besonderen Schutz von Schulen in Konfliktgebieten weltweit auf. In einer Erklärung zeigte sich das Uno-Gremium "tief besorgt angesichts der Nutzung von Schulen zu militärischen Zwecken". Eine solche missbräuchliche Nutzung könne Schulen "zum Ziel von Angriffen machen und damit die Sicherheit von Kindern und Lehrkräften gefährden", hieß es in der Erklärung.

Allein im vergangenen Jahr waren mehr als 8000 Kinder weltweit in bewaffneten Konflikten ums Leben gekommen oder verstümmelt worden. Das geht aus einem Uno-Bericht hervor, der vor Kurzem veröffentlicht wurde. Kinder würden immer wieder zu kriegerischen Akten und sogar Selbstmordattentaten gezwungen, beklagte Generalsekretär António Guterres. Zudem würde die Versorgung von Kindern in einigen Krisengebieten mit humanitärer Hilfe immer wieder blockiert.

Sechs Kinder in Syrien getötet

Am Dienstag wurden beim Beschuss einer Grundschule in Dschisrin in der Region Ost-Ghuta nahe Damaskus mehrere Kinder getötet. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle sprach von sechs getöteten Kindern und einem erwachsenen Todesopfer.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah im Krankenhaus von Dschisrin die Leichen von vier Kindern. In dem Hospital waren zudem mehrere Kinder mit zum Teil schweren Verletzungen in Behandlung, einige standen unter Schock. Ein Kind wurde wegen eines abgetrennten Beines behandelt. Auf dem Asphalt vor der Schule waren Blutlachen zu sehen, ebenso wie blutgetränkte Kinderschuhe und zurückgelassene Schulranzen mit Unicef-Emblem. Nach Krankenhausangaben wurden insgesamt rund 25 Menschen verletzt.

Ein weiterer Angriff traf das Gebiet Mesraba in Ost-Ghuta, dabei starben nach Angaben der Beobachtungsstelle vier Menschen, unter ihnen zwei Kinder. Ein AFP-Journalist sah dort, wie freiwillige Helfer in der Leichenhalle die Leichen eines Vaters und seines Sohnes in weiße Plastiksäcke steckten. Auch die nahe gelegene Ortschaft Harasta wurde laut Beobachtungsstelle zum Ziel eines Angriffs. Zehn Menschen, unter ihnen fünf Kinder, wurden demnach verletzt. Auch hier sei eine der Granaten in der Nähe einer Schule eingeschlagen.

Für die Granatenbeschüsse war nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die syrische Armee verantwortlich, die Armee von Staatschef Baschar al-Assad belagert die Rebellenhochburg Ost-Ghuta seit 2013. Die Beobachtungsstelle steht den bewaffneten Gegnern der syrischen Regierung nahe und bezieht ihre Informationen über ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite derzeit nur schwer überprüft werden.

eth/AFP/dpa

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