Schrift:
Ansicht Home:
Leben und Lernen

Neue US-Bildungsministerin Betsy DeVos

Milliardärin mit Agenda

Sehr knapp hat der US-Senat Donald Trumps Kandidatin fürs Bildungsministerium bestätigt. Die umtriebige Milliardärin Betsy DeVos kann ihren Feldzug für Privatschulen nun auf höchster Ebene fortführen - die Lehrergewerkschaft ist empört.

AP

Betsy DeVos

Von
Mittwoch, 08.02.2017   11:39 Uhr

Man kann nicht sagen, dass sich Donald Trump eine treue Gefolgsfrau ins Kabinett geholt hat. Betsy DeVos, 59, hatte einige Monate vor der US-Wahl noch in einem Interview beklagt, dass Trump ein "Eindringling" in der Republikanischen Partei sei. Immer mehr Menschen würden sich von ihm abwenden, wenn sie erst mehr über seine Vergangenheit erführen.

Das ist nicht passiert und nun, nach der Wahl, ist es ein schlauer Schachzug von Trump, dass er DeVos zu sich ins Boot geholt hat. Denn die adrette und eloquente Lady aus Michigan gehört einem der einflussreichsten republikanischen Familienclans an. Diese versuchen seit Jahren, mit ihrem Vermögen politische Vorgänge zu steuern.

Der Senat hat DeVos sehr knapp bestätigt, zwei republikanische Senatorinnen hatten gegen sie gestimmt. DeVos ist sehr umstritten - wegen ihres einseitigen Engagements für Privatschulen und ihrer fehlenden praktischen Erfahrung im Bildungswesen.

Betsy DeVos' Vater Edgar Prince gründete einen Automobilzulieferer und brachte es zu einem Milliardenvermögen. Ihr Schwiegervater Richard DeVos hat die Firma Amway mit aufgebaut, die Konsumgüter produziert und vertreibt. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf rund fünf Milliarden Dollar.

Die neue Bildungsministerin selbst ist Vorstandschefin der Windquest Group, die unter anderem in alternative Energie und Technologien investiert. Ihr Bruder Erik Prince war jahrelang Chef der privaten Sicherheitsfirma Blackwater, die US-Truppen moralisch fragwürdig, aber sehr lukrativ im Irak unterstützt hat.

Blackwater ist ein Beispiel dafür, wie eng Geld und Politik in dem Familienclan beisammenliegen. Ein anderes sind die Spenden: Allein im Jahr 2014 gab die Familie laut "Forbes" mehr als 90 Millionen Dollar aus, unter anderem für Hochschulen, Krankenhäuser, Kunstpreise und Sozialprojekte.

Einfluss gegen Geld

Die Familie von Betsy DeVos erkauft sich mit ihrem Vermögen aber auch Einfluss bei christlich-konservativen Organisationen, Thinktanks, Kampagnen und Kandidaten, die ihren Wünschen entsprechen, sich also zum Beispiel gegen Abtreibung oder Homo-Ehe einsetzen.

Ganz oben auf Betsy DeVos' persönlicher Agenda: eine konservative Schulreform. "Der Status quo ist inakzeptabel", schreibt sie auf ihrer Homepage. Sie wolle das US-Bildungssystem "transformieren". Wie genau? Es sei unangemessen, das auszuführen, bevor der Senat sie als Bildungsministerin bestätigt habe, stand dort bis zum Mittwoch.

Was bekannt ist: Betsy DeVos machte sich bislang vehement dafür stark, dass auch weniger vermögende Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken können. Üblicherweise weisen Schulbehörden Kindern eine öffentliche Schule in ihrer Nachbarschaft zu. Wie viele Freiheiten Eltern bei der Schulwahl haben, hängt vom Wohnort ab.

Ein nationales Gesetz ermöglicht es derzeit aber allen Kindern an staatlichen Schulen, auf eine andere staatliche Schule zu wechseln, wenn ihre Schule offiziell als unsicher oder besonders schlecht eingestuft wurde.

Lehrergewerkschaft ist empört

Betsy DeVos hatte sich bisher dafür eingesetzt, noch viel weiterzugehen: Alle Eltern sollen sich die Schule ihrer Kinder frei auszusuchen können. Sie sollen Gutscheine bekommen, die sie an der Schule ihrer Wahl gegen Unterricht einlösen können. Kritiker warnen davor, dass private Schulen so mit Steuergeldern massiv gestärkt und das staatliche Schulsystem weiter geschwächt würde.

Die Lehrergewerkschaft NEA reagierte empört auf DeVos' Nominierung. "Sie hat konsequent ihre Unternehmensagenda vorangetrieben, um die staatliche Bildung zu privatisieren und zu entprofessionalisieren, sagte Gewerkschaftschefin Lily Eskelsen Garcia im November.

DeVos ist auch eine erklärte Anhängerin von Charter Schools. Das sind öffentliche Schulen, die aber von den meisten staatlichen Regulierungen befreit sind. Es ist damit wesentlich schwieriger für die Schulbehörden, das Unterrichtsniveau in diesen Schulen zu erfassen und zu steuern.

Um dieses Problem an staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen, haben fast alle Bundesstaaten in den vergangenen sechs Jahren die Common Core State Standards eingeführt. Sie legen fest, was Schüler nach jeder Klassenstufe in den Fächern Mathe und Englisch gelernt haben sollen.

Betsy DeVos: "Politik ist frustrierend"

Dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump ist das allerdings zu viel Zentralisierung. Die Common Core State Standards seien eine "totale Katastrophe" und führten nur zu Bürokratie, schimpfte er im Wahlkampf. Bildung müsse auf lokaler Ebene passieren, ohne Einmischung von Behörden und Ämtern.

Seine Fachministerin hält ebenfalls wenig von den gemeinsamen Standards. Abschaffen wird sie sie allerdings nicht können: In der Bildungspolitik sind die Bundesstaaten - ähnlich wie in Deutschland - sehr autonom.

Betsy DeVos wurde zwischen 1996 und 2005 viermal zur Vorsitzenden der Michigan Republican Party gewählt. Sie sei danach aus der Politik ausgestiegen, weil sie es dort "frustrierend" gefunden habe, sagte DeVos im vergangenen März auf einer Konferenz. Sie habe sich lieber ganz ihrer Leidenschaft widmen wollen, der Bildung.

In den kommenden Monaten wird sie nun viel von beidem haben: Frust und Leidenschaft.

insgesamt 23 Beiträge
rainer60 08.02.2017
1. bildung
frau de vos sollte als bildungsministerin dafür sorgen das staatliche schulen die qualität unterricht bieten können die auf privatschulen teuer erkauft wird. denn im Gegensatz zu frau de vos glaube ich nicht das [...]
frau de vos sollte als bildungsministerin dafür sorgen das staatliche schulen die qualität unterricht bieten können die auf privatschulen teuer erkauft wird. denn im Gegensatz zu frau de vos glaube ich nicht das marktmechanismen in der Bildung positiv wirken.
Bueckstueck 08.02.2017
2. Lobbykabinett
Jaja, den Sumpf austrocknen. Zu dumm, dass er mit dem was er am Grund des Sumpfes gefunden hat, sein Kabinett gebildet hat.... Hier haben wir also die nächste Person, die eigene Interessen verfolgen wird und nicht mal in [...]
Jaja, den Sumpf austrocknen. Zu dumm, dass er mit dem was er am Grund des Sumpfes gefunden hat, sein Kabinett gebildet hat.... Hier haben wir also die nächste Person, die eigene Interessen verfolgen wird und nicht mal in der Lage oder willens ist eine einfache Frage des Senats zu ihrem designierten Fachgebiet zu beantworten. Wer die Aufzeichnung gesehen hat, weiss was ich meine. Entweder inkompetent oder sie hat Pläne die nicht mit der erwarteten, weil moralisch anständigen Antwort kompatibel sind.
ackergold 08.02.2017
3.
Frau DeVos "gehört einem der einflussreichsten republikanischen Familienclans an. Diese versuchen seit Jahren, mit ihrem Vermögen politische Vorgänge zu steuern." Kurzum, die Dame ist ein Auswuchs des Establishments, [...]
Frau DeVos "gehört einem der einflussreichsten republikanischen Familienclans an. Diese versuchen seit Jahren, mit ihrem Vermögen politische Vorgänge zu steuern." Kurzum, die Dame ist ein Auswuchs des Establishments, das Trump angeblich bekämpfen will - bekämpfen, indem er vollkommen Unqualifizierten höchste Staatsämter und Zusatzeinkommen zuschanzt. Frau DeVos ist für die öffentlichen Schulen und Bildungsreinrichtungen der USA zuständig und hat nie eine solche Schule von Innen gesehen. Sie will die öffentlichen Schulen ausbluten, indem sie staatlich finanzierte Bildungsgutscheine für Privatschulen ausgibt. So soll der Staat die Privatschulen finanzieren - wenn das nicht der Bock als Gärtner ist, was denn eigentlich dann? Da wäre es doch wohl ehrlicher, das staatliche Bildungssystem der USA gleich ganz abzuschaffen und allen den Zugang zu Privatschulen zu erlauben. Aber das will sie ja auch nicht, denn Schwarze, Latinos und andere Minderheiten will sie ja dort nicht haben. Dadurch könnten ja ihre eigenen Bälger sich gestört fühlen. Das Waffentragen an Schulen will sie mit dem Argument erlauben, in Wyoming gäbe es eine Schule, bei der sich Kinder gegen Grizzlybären verteidigen müssten - eine Bankrotterklärung für ein Land.
Der_schmale_Grat 08.02.2017
4. Ende staatlicher Schulen
Die totale Privatisierung von Schulen - nichts anderes soll hier rasch vorangetrieben werden - ist womöglich sehr gut für die Ökonomen, hat aber mit Qualität der Lehre nichts mehr zu tun. Aber wir passen ja unser [...]
Die totale Privatisierung von Schulen - nichts anderes soll hier rasch vorangetrieben werden - ist womöglich sehr gut für die Ökonomen, hat aber mit Qualität der Lehre nichts mehr zu tun. Aber wir passen ja unser Hochschulsystem auch schon einige Zeit der Wirtschaft an (Bolognese, private HS, Lehrstühle von Konzernen an staatlichen Unis usw.). Es ist nur noch gruselig....
mathias.meissner35 08.02.2017
5. Lest doch mal! Denkt doch mal!
Das kann nicht wahr sein, wie die meisten nicht den Kern des Inhaltes erkennen können. Das habe ich schon als Kind gemerkt, dass die meisten schwierigkeiten haben bei mathematischen Textaufgaben und in Deutsch bei der Aufgabe die [...]
Das kann nicht wahr sein, wie die meisten nicht den Kern des Inhaltes erkennen können. Das habe ich schon als Kind gemerkt, dass die meisten schwierigkeiten haben bei mathematischen Textaufgaben und in Deutsch bei der Aufgabe die wichtigsten Dinge zu markieren. Konnte kaum einer, mir hat es spaß gemacht und ich hatte meine 1. Doch bis heute ändert sich nichts. Der wahre Kern der Aussage ist nun mal, dass die Frau vorhat "normalen" Kindern die Möglichkeit zu geben auf Elite Schulen gehen zu können. Das passt dem Establishment natürlich überhaupt nicht. Haben die sich doch so viel Mühe gegeben, den in ihren Augen "Dreck" mit den eigenen Elite Kindern auf die selbe Schule geht. Trump sorgt für fainess zwischen Eliten und dem Volk. Nur die Menschen die die Gier leben erkennen das nicht. Wollt ihr auch nicht, weil in dem geisten Gefängnis fühlt man sich anscheinend noch zu wohl. Trump macht das Establishment fertig und die Medien machen Trump deswegen fertig (Mainstream Medien = Elite). Wer das noch nicht verstanden hat, der will auch nicht verstehen.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP