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Leben und Lernen

"Speedwatching"

Das Leben ist kurz - guck schneller

Wie wär's mit einer ganzen Staffel "Game of Thrones" - in der halben Zeit? Das ist zwar nicht schön, aber effizient: Wer Serien beschleunigt guckt, kriegt am gleichen Abend vielleicht noch seine Hausarbeit fertig.

Foto: AP/ DCM
Freitag, 17.03.2017   19:43 Uhr

"Game of Thrones" ist ja ganz schön. Aber mit allen Folgen ist man rund zweieinhalb Tage beschäftigt. Wenn man dazwischen nicht schläft, isst oder mal zur Toilette geht. Und bei zehn Staffeln "Big Bang Theory" muss man knapp sechs Tage einplanen. Ein Langläufer wie die "Simpsons" hält einen gut 15 Tage vor dem Bildschirm.

Wie soll man das schaffen? Wer soll all die Serien gucken, der nebenher arbeiten, einkaufen, sich ernähren muss? Oder vielleicht doch ein paar Sozialkontakte pflegt, etwa zur eigenen Familie?

In der nicht endenden Folgenflut lautet die Antwort für einige hartgesottene Fans mittlerweile "Speedwatching" - Konsum von Serien mit hohem Abspieltempo. Der Grundgedanke: Wer doppelt so schnell guckt, schafft auch doppelt so viele Folgen.

Glaubt man Anleitungen von Könnern, wird das Gehirn dabei schrittweise an die doppelte Abspielgeschwindigkeit gewöhnt. Wer "Gilmore Girls" oder "Westworld" erst mit 1,2-fachem und dann 1,5-fachem Tempo guckt, schafft irgendwann auch das zweifache oder sogar mehr. Dabei helfen Videoplayer wie VLC und Erweiterungen für den Internetbrowser.

"Das Leben ist kurz. Verschwende es nicht damit, Videos mit einfacher Geschwindigkeit zu gucken", schreibt der Nutzer einer entsprechenden Erweiterung für den Browser Google Chrome. Die Chrome-Erweiterung "Video Speed Controller" wurde schon mehr als 235.000 Mal heruntergeladen. Mit Software wie dieser kann man Videos auf Internetseiten im Tempo steuern, etwa auf den Webportalen vieler Streamingdienste.

Ihre Popularität kann kaum überraschen: Der Strom an Serien nimmt stetig zu, befeuert durch die Konkurrenz von Kabelsendern wie HBO, CBS und Fox sowie Streamingdiensten wie Netflix, Amazon und Hulu. Dummerweise ist da eine ganze Menge guter Stoff dabei, selbst Serienverrückte verzweifeln manchmal an der Flut an spannendem TV-Material.

Erfindung eines Jurastudenten

455 Drehbuchserien erschienen einer Studie des Senders FX zufolge im Jahr 2016 allein in den USA - im Jahr 2010 gab es nicht einmal halb so viele. Der Moment des "Peak TV", an dem ein dann übersättigter Serienmarkt schwächelt und die Zahl der Produktionen wieder sinkt, ist noch immer nicht erreicht.

Dann also mit doppeltem Tempo durchs Angebot. Ob das eine echte Lösung ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Genuss, ein TV-Kunstwerk in Ruhe zu gucken und die von Regisseur und Drehbuchautor vorgesehenen Pausen, Längen oder Zeitlupen voll auszukosten, geht beim "Speedwatching" flöten.

Dafür werde das Leben aber "effizienter", schrieb die "Washington Post" vergangenen Sommer: Vier Folgen "Unbreakable Kimmy Schmidt" passten jetzt in nur eine Stunde. "Es gibt mehr zu gucken als jemals zuvor."

Erfunden haben will die ans "speed reading" (Bücher) und "speed listening" (Podcasts) angelehnte Methode der frühere Jurastudent Alexander Theoharis. Er sei vor ein paar Jahren versehentlich an eine Taste gekommen, die ein laufendes Video etwas beschleunigt habe, erzählte er der "Seattle Times" 2014. Nun guckt er "Breaking Bad" mit 1,6- und "The Office" mit 2,4-facher Geschwindigkeit und Untertiteln. Er habe einfach wissen wollen, was in diesen Serien passiert, sich wegen der verlorenen Zeit im Studium aber oft schuldig gefühlt.

"Modern Family" werde bei doppeltem Tempo sogar lustiger, schreibt die "Washington Post", denn "die Witze kommen schneller und schlagen härter ein". Man müsse auch keine Zeit mehr mit öden Füllinhalten verschwenden.

Allerdings kann es einem passieren, dass das Gehirn ein normales, dann langsam wirkendes Erzähltempo irgendwann nicht mehr erträgt. Der Genuss einer Serie im Normaltempo wäre ruiniert, möglicherweise für immer. Und, fragte das "New York Magazine", wenn es so viel Arbeit ist, eine Serie zu verfolgen, warum guckt man sie dann überhaupt?

mamk/Johannes Schmitt-Tegge/dpa

insgesamt 40 Beiträge
Bueckstueck 17.03.2017
1. Bessere Idee:
Fang was besseres mit deiner knappen Zeit an, als vor der Glotze zu hängen und sich im Schnelldurchlauf mit Geschichten befüllen zu lassen. Schreib deine eigene Geschichte und lebe sie! Was dann noch an Zeit übrig ist, kann [...]
Fang was besseres mit deiner knappen Zeit an, als vor der Glotze zu hängen und sich im Schnelldurchlauf mit Geschichten befüllen zu lassen. Schreib deine eigene Geschichte und lebe sie! Was dann noch an Zeit übrig ist, kann man ja durchaus mal mit Flimmerkistengeschichten ausfüllen. So ganz ohne den manischen Wahn alles immer gleich und am Stück konsumieren zu wollen... dann machts auch Spass wenns denn guter content ist.
GewaltSam 17.03.2017
2. Übertriebenes Lifehacking?
Wer keine Zeit hat, eine Serie (oder andere Formen von Genuss und Entertainment) zu genießen, sollte so etwas vielleicht auch hinten anstellen. Von diesen über 400 Serien im letzten Jahr ist das meiste auch nichts, was man [...]
Wer keine Zeit hat, eine Serie (oder andere Formen von Genuss und Entertainment) zu genießen, sollte so etwas vielleicht auch hinten anstellen. Von diesen über 400 Serien im letzten Jahr ist das meiste auch nichts, was man wirklich gesehen haben "muss". Also, meiner Meinung nach, vor ich mir das Zeug so reinziehe dass ich es nicht mehr richtig genießen kann, schränke ich lieber die Zahl meiner Fernsehsendungen ein und beschränke mich auf die besten.
Horst-Güntherchen 17.03.2017
3. In a nutshell
Dieses Phänomen zeigt doch in Kürze ein Problem unserer Gesellschaft - statt Prioritäten im Leben zu setzen darf bloß nichts verpasst werden, was den Konsum angeht. Und sei es auf Kosten der Lebens- bzw. Sehqualität.
Dieses Phänomen zeigt doch in Kürze ein Problem unserer Gesellschaft - statt Prioritäten im Leben zu setzen darf bloß nichts verpasst werden, was den Konsum angeht. Und sei es auf Kosten der Lebens- bzw. Sehqualität.
Atheist_Crusader 17.03.2017
4.
So ein Schwachsinn. Serien sollen der Entspannung und Unterhaltung dienen und sind keine Fleißarbeit die man unbedingt erledigen müsste. Wenn man nicht dazu kommt, dann ist das eben so. Dann spart man sie sich auf, legt sie [...]
So ein Schwachsinn. Serien sollen der Entspannung und Unterhaltung dienen und sind keine Fleißarbeit die man unbedingt erledigen müsste. Wenn man nicht dazu kommt, dann ist das eben so. Dann spart man sie sich auf, legt sie sich für ein ruhiges Wochenende oder einen Urlaub zurück. Oder fragt sich, ob man seinen Konsum nicht mal zurückdreht und vielleicht nur noch bei 1-2 Serien auf dem Laufenden bleiben will. Und wenn das heißt, dass man im Freundes- oder Bekanntenkreis nicht mitreden kann... tja. Ist halt so. Funktionierende Menschen sollten ja noch andere Themen finden.
williamh.bonney 17.03.2017
5. Die Zeit ist aus den Fugen. William Shakespeare
Komischer Tag Erst postet ein Kumpel einen Spruch: Es gibt nur ein Tempo und das ist das richtige. ( Johann Joseph von Görres ) Dann höre ich den ganzen Tag Slayer und grübel wie ich so ne geile Musik überhören konnte, [...]
Komischer Tag Erst postet ein Kumpel einen Spruch: Es gibt nur ein Tempo und das ist das richtige. ( Johann Joseph von Görres ) Dann höre ich den ganzen Tag Slayer und grübel wie ich so ne geile Musik überhören konnte, nach Stunden fällt mir auf (33RPM) statt (45RPM) und jetzt die Theorie vom beschleunigten Filme gucken, aber das ist gut bleibt mehr Zeit für die Musik

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