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Leben und Lernen

Prüfungsangst im Studium

Akademikerkinder sind deutlich entspannter

Die Familie studiert mit: Wenn die Eltern Akademiker sind, gehen die Kinder leichter und mit weniger Prüfungsangst durchs Studium. Das zeigt eine neue Untersuchung.

DPA

Angst und Stress im Studium

Mittwoch, 06.09.2017   15:55 Uhr

Prüfungsangst ist bei Kindern von Nicht-Akademikern besonders verbreitet. Oft kommen sie bereits mit größerer Unsicherheit an die Hochschulen und fühlen sich dadurch im Studium weniger wohl. Kinder von Akademikern sind dagegen oft durch das Bewusstsein geschützt, dass ihre Eltern diesen Weg bereits gemeistert haben.

Das geht aus einer neuen Studie der Universität Mannheim hervor. Psychologen hatten über 500 Erstsemester befragt - zunächst zu Beginn ihres Studiums, dann noch einmal nach einem Jahr. "Die Ergebnisse zeigen, dass Akademikerkinder sich von Anfang an in starkem Ausmaß als Akademiker identifizieren", sagt Stefan Janke, Leiter der Studie. "Diese Überzeugung schützt sie vor Unzufriedenheit und davor, Prüfungsangst zu entwickeln." Anders gesagt: Sie können mit dem Stress im Studium besser umgehen.

Nicht-Akademikerkinder dagegen fühlen eine schwächere Zugehörigkeit zum Universitäts-Milieu. Und das hat Folgen: Sie starten ihr Studium mit deutlich mehr Prüfungsangst und werden diese Furcht auch während des ersten Jahres nicht los. Das wirke sich "über die Zeit negativ auf ihre Studienzufriedenheit aus", schreiben die Forscher. Bei der Analyse wurden auch die Abiturnoten der Befragten berücksichtigt. Die Ergebnisse lassen sich also nicht mit dem Leistungsniveau der Studierenden begründen.

"Für uns war es überraschend, wie stark die psychologischen Mechanismen je nach Herkunft variieren", sagt Stefan Janke. Akademikerkinder seien scheinbar besser darin, Angstsituationen und mögliche Misserfolge im Studium zu bewältigen. Eine mögliche Erklärung, so Janke, könne in dem Bewusstsein liegen, dass auch ihre Eltern ein Studium geschafft haben. Dieser "psychologischen Puffer" fehle jedoch bei Kindern aus nichtakademischen Elternhäusern.

Grundsätzlich gilt: Wenn Studierende unter Prüfungsangst leiden, können sie sich Hilfe holen. Die Studierendenwerke an den Hochschulen bieten dafür eine psychologische Beratung an - in der Regel kostenfrei und auf Wunsch anonym.

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him/dpa

insgesamt 27 Beiträge
trackingerror 06.09.2017
1.
Hmm, also ich stamme aus einer "Arbeiterfamilie" und habe an derselben Uni abgeschlossen. Prüfungsangst hatte ich nur einmal bei multivariater Zeitreihenanalyse, weil ich zuvor durchgefallen war und es nur eine [...]
Hmm, also ich stamme aus einer "Arbeiterfamilie" und habe an derselben Uni abgeschlossen. Prüfungsangst hatte ich nur einmal bei multivariater Zeitreihenanalyse, weil ich zuvor durchgefallen war und es nur eine Wiederholungsmöglichkeit gab. Ansonsten gar nicht. Was mir an der Uni aber nicht gefiel, war das elitäre Gehabe vieler Mitstudierenden. Somit würde ich auch einen sozialen Faktor mitaufnehmen, weswegen sich Studierende aus "Arbeiterfamilien" vielleicht nicht wohl fühlen könnten.
freigeistiger 06.09.2017
2. Vage
Umfrageuntersuchungen sind mit sehr großer Vorsicht anzusehen. Die Antworten der Probanden unterliegen vielen Einflüssen. Bewussten sowie unbewussten. Aussagekräftig wäre die Studie, wenn in den Herkunftsfamilien der Umgang [...]
Umfrageuntersuchungen sind mit sehr großer Vorsicht anzusehen. Die Antworten der Probanden unterliegen vielen Einflüssen. Bewussten sowie unbewussten. Aussagekräftig wäre die Studie, wenn in den Herkunftsfamilien der Umgang der Familienmitglieder miteinander beobachtet würden. Ob etwa Kinder mit einem anderen Hintergrund von allgemeiner Bildung im Studium sind. Absolut unseriös ist es, wenn aus so vage Umfrageuntersuchungen Schlussfolgerungen erdacht werden. Die folgen dem Prinzip, was man üblicherweise in diesem Zusammenhang so sagt. Dass ständig sich selber zitieren und wiederholen erlangt dann einen vermeintlichen Wahrheitswert. Es sagen ja schließlich alle dass. Dieser falsche Ausgangswert ist dann oft die falsche Arbeitsgrundlage für irgendwelche Aktionen. Erwartungsgemäß mit geringem Erfolg, da die Ausgangslage nicht richtig war.
spiegelleserin123 06.09.2017
3. Kann ich nicht bestätigen
Als Arbeiterkind mit Eltern, die sich überhaupt nicht für mein schulisches oder akademisches Leben interessierten, hatte ich nie Prüfungsangst. Ich persönlich habe im Gegenteil bei Akademikerkindern einen hohen Erwartungs- und [...]
Als Arbeiterkind mit Eltern, die sich überhaupt nicht für mein schulisches oder akademisches Leben interessierten, hatte ich nie Prüfungsangst. Ich persönlich habe im Gegenteil bei Akademikerkindern einen hohen Erwartungs- und Leistungsdruck vernommen, der aber gern überspielt und nicht eingestanden wird. Abgesehen davon mag der Druck overall geringer sein, wenn man später mal erbt (Kontakte und gesellschaftlichen Status, Geld, Haus) und so abgesichert ist. Das hat für mich gar nichts damit zu tun, ob Eltern ein gutes Gefühl von Zuversicht (schaffst Du schon) vermitteln (können). Es ist schlicht Absicherung vorhanden. Aber wie es so schön heißt: Die Statistik bestätigt gern, was man hören will und weist den Eltern (statt den Umständen) die Verursachungsbeiträge zu.
gumbofroehn 06.09.2017
4. Berechtigte methodische Einwände
Die methodischen Einwände von #3 und #4 sind vollkommen berechtigt. Allerdings hat man, sofern man nicht gerade in der Prüfungssituation physiologische Parameter (wie bspw. Atmung, Puls oder Hautwiderstand) misst, wenig andere [...]
Die methodischen Einwände von #3 und #4 sind vollkommen berechtigt. Allerdings hat man, sofern man nicht gerade in der Prüfungssituation physiologische Parameter (wie bspw. Atmung, Puls oder Hautwiderstand) misst, wenig andere Möglichkeiten, als sich auf eine Befragung zu stützen. Da der Link im Artikel nur auf ein Abstract verweist, welches die wesentlichen Hypothesen und Ergebnisse kurzreferiert, kann man auch nichts zu den genauen Umständen der Befragung sagen (die große Stichprobe deutet auf einen Fragebogen [Papier oder Online] hin, so viele Interviews zu führen wäre extrem aufwändig), welche sich auf die Ergebnisse auswirken.
bafibo 06.09.2017
5.
Also, ich bin das klassische (Doppel-)Akademikerkind - und ich hatte zumindest vor allen mündlichen Prüfungen erhebliche Angst, einmal sogar so schlimm, daß ich richtig Fieber bekam und die Prüfung verschieben lassen mußte. [...]
Also, ich bin das klassische (Doppel-)Akademikerkind - und ich hatte zumindest vor allen mündlichen Prüfungen erhebliche Angst, einmal sogar so schlimm, daß ich richtig Fieber bekam und die Prüfung verschieben lassen mußte. Irgendwie habe ich das Diplom dann doch geschafft - und mache jetzt was ganz anderes. Im übrigen, warum wurde die Frage auf das erste Jahr beschränkt? Wurde befürchtet, daß sich danach die Angaben ändern, weil bis dahin alle gemerkt haben sollten, daß auch die hochmögenden Professoren nur mit Wasser kochen?
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