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Leben und Lernen

Cambridge

Obdachloser studiert an britischer Elite-Uni

Von der Straße in den Hörsaal: Ein 52 Jahre alter Obdachloser hat das harte Auswahlverfahren der britischen Elite-Uni Cambridge durchlaufen - und bestanden. Jetzt studiert der frühere Feldarbeiter Englische Literatur.

picture-alliance / dpa

Trinity-College an der Universität Cambridge (Archivbild)

Freitag, 10.11.2017   12:41 Uhr

Es ist eine Geschichte, die Hoffnung macht: Der Brite Geoff Edwards verließ die Schule in Liverpool so früh wie möglich "und mit wenig Ambitionen", wie er es ausdrückt. Er wurde erst Feldarbeiter, dann arbeits- und obdachlos - und schaffte es trotzdem, mit 52 Jahren einen Platz an der Elite-Universität in Cambridge zu ergattern.

Die Zeitung "The Guardian" erzählt die Geschichte des Sohns einer Büroangestellten und eines Postboten. Demnach schrieb sich Edwards vor drei Jahren zunächst in einen Brückenkurs für Erwachsene ein. Die renommierte Hochschule spricht damit Menschen an, die noch einmal ins Bildungssystem zurückkehren wollen oder denen die formale Qualifikation für ein Studium fehlen.

Der Tutor des Kurses ermunterte den Obdachlosen dann, das harte Auswahlverfahren zu durchlaufen, um einen regulären Studienplatz zu bekommen. "Ich habe mir das nie vorstellen können, mich in Cambridge zu bewerben", sagt Edwards, "ich hätte auch gar nicht geglaubt, dass eine Universität so jemanden wie mich aufnimmt."

Sie tat es - und seit diesem Semester studiert Edwards Englische Literatur. Gelesen habe er immer schon gern, auch in den Jahren der Arbeitslosigkeit, sagte er dem "Guardian". "Das war für mich die beste Möglichkeit, um abzutauchen."

Wie er das Studium finanziert und wo er nun wohnt, blieb offen. Doch die Hochschule bringt Erstsemester meist in Wohnheimen unter und vergibt Stipendien für jene, die sich die mehrere Tausend Euro teuren Gebühren nicht leisten können.

Jahrelang hatte Edwards sich in Cambridge mit dem Verkauf der Obdachlosenzeitung "The Big Issue" über Wasser gehalten. Das habe ihm "wenigstens ein bisschen Selbstrespekt" gegeben, sagt er. Jetzt geht er mit spürbarer Begeisterung in seine Vorlesungen: "Das ist die erste Sache in meinem Leben, auf die ich stolz bin."

him/Reuters

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