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Leben und Lernen

NRW plant Landarztquote

Wer in die Provinz geht, soll leichter Medizin studieren können

Wer später in einer unterversorgten Region praktiziert, hat bessere Chancen auf einen Studienplatz: Nordrhein-Westfalen plant neue Auswahlkriterien für Medizinstudenten.

DPA

Hausärztin und Patient in Waiblingen (Archivbild)

Dienstag, 05.06.2018   17:49 Uhr

Medizinstudienplätze sind begehrt. Nordrhein-Westfalen will sich das zunutze machen, um den Mangel von Ärzten in bestimmten Regionen zu bekämpfen. Als erstes Bundesland hat es die Einführung einer Landarztquote angekündigt. Den entsprechenden Gesetzentwurf beschloss am Dienstag das schwarz-gelbe Landeskabinett in Düsseldorf.

Demnach können über eine Vorabquote voraussichtlich 7,6 Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich schon vor dem Studium verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten.

Vergleichbare Quoten gibt es bereits für die Zahl ausländischer Studierender an den Hochschulen und für Sanitätsoffiziere der Bundeswehr. Insgesamt können die Bundesländer auf diese Weise maximal ein Fünftel der Studienplätze in Medizin vergeben, bevor das bekanntere Verteilverfahren greift, das vor allem den Numerus clausus als Auswahlkriterium nutzt.

Nachahmer gesucht

Nordrhein-Westfalen ist das erste Land, das jetzt innerhalb dieser Vorabquote auch die Landarztfrage thematisiert. Man betrete mit der Regelung "absolutes Neuland", sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Im Herbst 2019 sollen die ersten 168 Landarzt-Studienplätze vergeben werden. "Wir wollen auch andere Bundesländer motivieren, diesen Schritt zu gehen". Sollten sich Absolventen nicht an die Landarzt-Zusage halten, müssten sie mit empfindlichen Vertragsstrafen rechnen, sagte Laumann. Wie hoch die sein sollen, konkretisierte er nicht.

Die Zulassung zum Medizinstudium muss nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Dezember bis Ende 2019 ohnehin neu geregelt werden. Laumann sagte, der Karlsruher Richterspruch habe gezeigt, dass nicht ausschließlich ein hervorragendes Abitur den Weg in die Medizin eröffnen dürfe. Vielmehr müsse sich die Auswahl der Studierenden mehr am Bedarf der medizinischen Versorgung orientieren.

Die Selbstverpflichtung, später als Landarzt zu praktizieren, reicht allerdings nicht. Laut Laumann soll auch ein standardisierter Test eingeführt werden, der überprüft, wie gut sich der jeweilige Bewerber für diese Tätigkeit eignet. Dabei zählten nicht nur Abiturnote und Berufserfahrung, sondern auch "Patientenorientierung in Verbindung mit Empathie und Sozialkompetenz."

him/AFP

insgesamt 32 Beiträge
DieButter 05.06.2018
1.
Vertragsstrafe? Na, da werden die sich aber ins Hemd machen... Wer einmal seine Approbation erhalten hat, ist nunmal Arzt - Vertragsstrafe hin oder her. Und was der dann macht, ist - der Berufsfreiheit sei Dank - allein sein [...]
Vertragsstrafe? Na, da werden die sich aber ins Hemd machen... Wer einmal seine Approbation erhalten hat, ist nunmal Arzt - Vertragsstrafe hin oder her. Und was der dann macht, ist - der Berufsfreiheit sei Dank - allein sein Bier.
M-Cyte 05.06.2018
2. Die zweite Wahl unter den Medizinstudierenden...
... ist für die Landbevölkerung immer noch gut genug. Auf die Idee, ÄrztInnen auf dem Land einfach einmal besser zu bezahlen, kommt anscheinen niemand.
... ist für die Landbevölkerung immer noch gut genug. Auf die Idee, ÄrztInnen auf dem Land einfach einmal besser zu bezahlen, kommt anscheinen niemand.
hileute 05.06.2018
3. sehr sinnvolle idee
nur weil man n 1,0 er Abi hat heißt das nicht das man n guter Arzt wird. so kriegen alle die Chance Arzt zu werden und nach den 10 Jahren kann man ja immer noch in der Stadt praktizieren
nur weil man n 1,0 er Abi hat heißt das nicht das man n guter Arzt wird. so kriegen alle die Chance Arzt zu werden und nach den 10 Jahren kann man ja immer noch in der Stadt praktizieren
citizen01 05.06.2018
4. Vor'm Studium selbst verpflichtet. Und danach?
Vielleicht haben sich dann die Aussichten und Meinung geändert. Wer will dann noch von einem knurrigen Zwangslandarzt versorgt werden, dessen Frau ja auch auf's Land gesetzt ist und eigentlich eine andere Perspektive hatte, [...]
Vielleicht haben sich dann die Aussichten und Meinung geändert. Wer will dann noch von einem knurrigen Zwangslandarzt versorgt werden, dessen Frau ja auch auf's Land gesetzt ist und eigentlich eine andere Perspektive hatte, vielleicht dort gar nicht berufstätig sein kann. Langfristige Verträge, Geld gegen Einsatz in der Walachei entstehen vielleicht aus der Notlage des Kandidaten und nicht unbedingt seinem freien Willen. Keine gute Lösung.
sybilvane 05.06.2018
5.
Ich könnte mir vorstellen, dass das rechtlich schwierig wird. Immerhin unterschreibt hier ein 18-jähriger einen Vertrag, der frühestens 9 Jahre später (6 Jahre Studium + mindestens 3 Jahre Akutkrankenhaus) fällig wird. Was [...]
Ich könnte mir vorstellen, dass das rechtlich schwierig wird. Immerhin unterschreibt hier ein 18-jähriger einen Vertrag, der frühestens 9 Jahre später (6 Jahre Studium + mindestens 3 Jahre Akutkrankenhaus) fällig wird. Was kann in dieser Zeit nicht alles passieren? Einfachstes Beispiel: man gründet eine Familie mit jemandem, der die Großstadt nicht verlassen kann, weil er z.B Angehörige pflegt. Den Richter will ich sehen, der dann nicht die "Vertragsstrafe" kippt... @M-Cyte: Ihr Kommentar fußt auf der Vorstellung, dass die "erste Wahl unter den Medizinstudierenden", d.h. die mit den guten Abinoten, später auch die besten Ärzte hervorbringt. Sie würden sich wundern wie viele herausragende Ärzte heute keine Chance hätten, mit ihrer Abiturnote für ein Medizinstudium zugelassen zu werden...

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