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Leben und Lernen

Berufseinstieg

So finden Geisteswissenschaftler einen Job

Sie sind Geisteswissenschaftler und kennen den Vorbehalt, dass Sie für alle möglichen Jobs geeignet seien - aber für keinen so richtig? Mit diesen Strategien können Sie bei der Bewerbung punkten.

TMN/ Julian Stratenschulte

Geisteswissenschaftler - und jetzt? (Symbolbild)

Mittwoch, 14.03.2018   12:00 Uhr

Wer durch das Treppenhaus der Philosophischen Fakultät an der Uni Erlangen geht, kommt an einer Pinnwand mit einem gelben Schild vorbei. "Später mal Taxifahrer" steht darauf. Aufgehängt haben es Politikstudenten. Sie greifen damit ein Dilemma auf, in dem viele Geisteswissenschaftler stecken: Sie können mit ihrem Studiengang beruflich alles Mögliche machen - wissen aber oft nicht, was.

Um dieser Unsicherheit zu begegnen, ist vor allem seit der Bologna-Reform Anfang der Nullerjahre immer wieder die Rede von Geisteswissenschaftlern als "Generalisten". Sie sollen dank vielfältiger Fähigkeiten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Allerdings hat sich wahrscheinlich schon so mancher Soziologie-Absolvent nach der zehnten erfolglosen Bewerbung gefragt, wo man die entsprechenden Jobs denn finden solle.

"Unternehmen wollen und brauchen solche Leute"

Gemäß der Statistik lautet die Antwort: eher nicht im Fachbereich, den man studiert hat. Zwar ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter Geisteswissenschaftlern in den vergangenen Jahren gestiegen und die Arbeitslosenquote gesunken.

Die meisten Absolventen sind allerdings in fachfremden Branchen beschäftigt. Laut Daten des Mikrozensus von 2015 arbeiteten zum Beispiel weniger als zehn Prozent der Sozialwissenschaftler im engeren Sinne in ihrem Fachgebiet.

"Es gibt Schwerpunkte, wo sich Geisteswissenschaftler tummeln", sagt Maria Kräuter, die vor einigen Jahren für das Institut für Arbeitsmarktforschung in Nürnberg das Thema untersucht hat. Das seien unter anderem der Medien- und Kulturbereich, Personalabteilungen, Verbände und Beratungs- oder Coachingstellen. Viele machen sich auch selbstständig.

Den Begriff des Generalisten findet Kräuter, die mittlerweile als Beraterin und Coach arbeitet, allerdings problematisch. "Geisteswissenschaftler haben viele Fähigkeiten, und zwar nicht nur Soft Skills, sondern echte Skills. "

So sieht das auch Mareike Menne, Beraterin und Buchautorin: "Die Idee, Geisteswissenschaftler seien Generalisten, entstand vermutlich aus der Not heraus, definieren zu müssen, worin die Transferfähigkeit geisteswissenschaftlicher Studiengänge liegt."

Wie in anderen Zweigen gebe es jedoch auch hier Spezialisten. Für die sei eine Verallgemeinerung ihrer Fähigkeiten eher abwertend und mache es nicht leichter, in ihren Nischen einen Arbeitsplatz zu finden, beobachtet Susanne Wenzl, Arbeitsvermittlerin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Wiesbaden.

Geisteswissenschaftler brächten einige Fähigkeiten mit, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind: "Sie können sich schnell in neue Themengebiete einarbeiten und gut recherchieren", sagt Wenzl. In ihrem Studium lernten sie, komplexe Fragestellungen zu bearbeiten, kreativ und diszipliniert zu sein - und zwar oft mehr als Studenten aus Fachrichtungen, in denen Stundenpläne und Inhalte stärker vorgegeben sind. "Unternehmen wollen und brauchen solche Leute", ist auch Beraterin Menne überzeugt.

Zusatzqualifikationen helfen

Umso wichtiger ist es, diese Fähigkeiten zu kennen und hervorzuheben. Dann müsse man auch nicht hundertprozentig auf eine Stellenausschreibung passen, sagt Arbeitsvermittlerin Wenzl. Wenn einige Kompetenzen, die man nicht vorweisen kann, mit "wünschenswert" oder "von Vorteil" betitelt sind, lohne sich die Bewerbung trotzdem. Wer seine Chancen erhöhen will, sollte über Zusatzqualifikation wie Fremdsprachen, Softwarekenntnisse oder betriebswirtschaftliche Grundlagen verfügen.

Um sich von anderen Bewerbern abzuheben, sollte außerdem ein roter Faden im Lebenslauf erkennbar sein. "Man sollte keine Schlagworte aufzählen, sondern Erfolgsgeschichten erzählen", rät Kräuter vom Institut für Arbeitsmarktforschung in Nürnberg. Dafür gelte es auch, schon während der Ausbildung bestimmte Interessengebiete zu vertiefen und Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel durch Praktika oder Studentenjobs. So entwickelt man ein professionelles Profil.

Also doch wieder spezialisieren? In gewissem Sinne ja - zumindest, was die Zusatzqualifikationen angeht. "Die meisten Geisteswissenschaftler, die ein Problem mit dem Berufseinstieg haben, wollen sich zu viele Türen offenlassen", sagt Menne. Sie rät zum Beispiel, zwischen sogenannten Orientierungspraktika und strategischen Praktika zu unterscheiden. "Meiner Erfahrung nach haben Studierende Probleme, wenn sie zu lange Orientierungspraktika aneinanderreihen."

Julia Ruhnau/dpa/mae

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