Schrift:
Ansicht Home:
Leben und Lernen

Rekordzahl

60.000 Studenten haben kein Abitur

Vom Meister zum Master: Wer Berufserfahrung hat, darf ohne Abi-Zeugnis studieren. Dieser Weg wird immer beliebter.

Getty Images

Student in der Bibliothek (Symbolfoto)

Donnerstag, 05.04.2018   13:12 Uhr

In Deutschland studieren so viele Menschen ohne Abitur wie noch nie. Seit 2010 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Erhebung des CHE Centrums für Hochschulentwicklung hervor. Nach dessen aktueller Berechnung waren es 2016 rund 56.900 Personen.

Der Anteil der Studenten ohne Abi lag damit laut CHE bei zwei Prozent aller Studierenden. Auch die Zahl derer, die ein Studium ohne Abitur erfolgreich abschließen, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2016 erreichte sie mit 7200 Absolventen ihren vorläufigen Höchstwert.

Gut jeder zweite Studienanfänger ohne Abitur wählte ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Jeder Fünfte studierte Ingenieurwissenschaften. Knapp zwei von drei entschieden sich für ein Studium an einer Fachhochschule oder einer Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Männer sind bei den Studierenden ohne Abitur mit 55 Prozent etwas stärker vertreten als Frauen mit 45 Prozent. Fast jeder Zweite ist älter als 30 Jahre.

Die Möglichkeit, sich über den sogenannten dritten Bildungsweg für ein Studium zu qualifizieren, gibt es deutschlandweit seit fast zehn Jahren. Beim dritten Bildungsweg ersetzt unter bestimmten Voraussetzungen Berufserfahrung das Abiturzeugnis.

So kann etwa die Note der Meister- oder Fachwirtprüfung bei der Bewerbung um einen Studienplatz anstelle der Abiturnote herangezogen werden. Auch Fächer mit beschränkter Zulassung wie Medizin und Pharmazie können Studienanfänger so belegen. 700 von 107.000 Medizinstudenten hatten 2016 kein Abitur.

Neuere Daten liegen nicht vor: Die aktuelle Auswertung des CHE, das großenteils von der Bertelsmann-Stiftung finanziert wird, beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2016.

Vordere Plätze beim Anteil der Studienanfänger ohne Abitur belegten Hamburg (4,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (4,2 Prozent) und Berlin (3,6 Prozent). Schlusslicht war laut CHE das Saarland mit 0,8 Prozent.


Wer eine Berufsausbildung abschließt und mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, darf sich für einen Studiengang seiner Fachrichtung einschreiben. Wer nach seiner Ausbildung eine Weiterbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt gemacht hat, darf grundsätzlich jedes beliebige Fach studieren.

Bei beiden Möglichkeiten sollte man sich vorher aber über Ausnahmen und die Bedingungen im konkreten Fall informieren. Oft müssen beispielsweise Eignungstests absolviert werden. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Eine gute Übersicht gibt die Seite "Studieren ohne Abitur", die das CHE anbietet.

mamk/dpa

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP