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Leben und Lernen

Illegale Einwanderung

US-Ermittler ködern Migranten mit Fake-Uni

Mit einer Universität, die es in Wahrheit gar nicht gibt, wollten US-Ermittler illegalen Einwanderern auf die Spur kommen. Der Plan ging offenbar auf. Dutzende Inder wurden verhaftet.

Getty Images/ Hero Images

Studentin in Bibliothek (Symbolbild)

Sonntag, 03.02.2019   16:09 Uhr

Studenten hängen in der Bibliothek über Büchern. Oder chillen auf einer Wiese. Fotos auf einer Website der Universität von Farmington zeigen, wie das Campusleben an der Hochschule im US-Bundesstaat Michigan aussieht. Wer hier studieren möchte, erfährt auch etwas über die Kosten: 8500 Dollar pro Jahr für die unteren Semester, 11.000 Dollar für Graduierte.

"Die Universität von Farmington bietet Studenten aus aller Welt eine einzigartige Bildungserfahrung", so lautet das Versprechen auf der Website. Auf den ersten Blick nicht erkennbar: Das Ganze ist Teil eines riesigen Lügenszenarios. Die Universität von Farmington gibt es gar nicht. Sie wurde mit einer bestimmten Absicht erfunden, wie die BBC, die "Washington Post" und mehrere US-Medien berichten.

Agenturfotos statt echte Studenten. Es gibt keine Bibliothek, keine Professoren, keinen Campus. Nur ein Büro in einem Gewerbegebiet in einem Vorort der Stadt Detroit. Und einen Briefkasten. Die vermeintlichen Hochschulangestellten: verdeckte Ermittler, die für die US-Einwanderungsbehörde arbeiteten. Ihr Ziel: Sie wollten mit der Fake-Uni illegal eingewanderte Migranten auffliegen lassen, die sich gegen Bezahlung Studenten-Visa sichern wollten.

Der Plan der Ermittler ging offenbar auf: Die Polizei nahm laut einem Bericht der "Detroit News" am Mittwoch rund 130 Studenten fest, die meisten davon aus Indien. Sie sollen sich an der Universität "eingeschrieben" haben - wohlwissend, dass die Einrichtung nur dem Zwecke diente, sich eine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu sichern. So heißt es in der Anklageschrift eines Detroiter Gerichts, wie der Sender BBC schreibt.

Die Website der University of Farmington gibt es inzwischen nicht mehr. Sie wurde stillgelegt.

University of Farmingotn

Screenshot/ University of Farmington

Die Studenten wussten den Staatsanwälten zufolge, dass die Sache illegal war. "Die Universität wurde von Migranten nach dem Prinzip 'Bezahlen um zu bleiben' genutzt", steht in den Gerichtsakten. Sie hätten einige tausend Dollar gezahlt, dafür die Bestätigung bekommen, dass sie für ein Vollzeitstudium eingeschrieben seien. So hätten sie ein Studenten-Visum bekommen und damit für einige Jahre in den USA leben können. Ohne tatsächlich zu studieren.

Studenten könnten überlistet worden sein

Von indischer Seite gibt es allerdings Protest. Das Außenministerium teilte laut BBC mit, die indischen Studenten könnten ausgetrickst worden sein. Sie seien womöglich mit List dazu verleitet worden, sich an der Fake-Universität anzumelden.

Ravi Mannam, ein Rechtsanwalt für Einwanderer aus Atlanta, sagte der "New York Times": Die Operation habe Menschen in die Irre geführt, einige Studenten hätten geglaubt, sie hatten sich an einer normalen Universität angemeldet. "Die Regierung hat sehr fragwürdige Methoden genutzt, um ausländische Studenten dazu zubringen, sich an der Hochschule anzumelden", sagte der Anwalt.

Die indische Regierung wandte sich an die US-Botschaft in Delhi und brachte ihre Sorge über die Verhaftung der Inder zum Ausdruck. Sie bräuchten konsularischen Beistand und müssen anders behandelt werden als diejenigen, die sie angeworben hatten. Den "Detroit News" zufolge droht den meisten der Festgenommenen nun die Abschiebung. Sie sind allerdings nicht die einzigen, die sich wegen der Sache verantworten müssen.

Dem Bericht zufolge versuchten die verdeckten Ermittler der Universität von Farmington mit verschiedenen Mitteln einen möglichst offiziellen Anstrich zu verleihen, unter anderem mit Hilfe einer College-Zulassungsstelle und einer Beratungsagentur. Im Einsatz waren außerdem "Anwerber", die ausländische Studenten für die Fake-Uni gewinnen und den Visa-Schwindel umsetzen sollten.

Acht "Anwerber" verhaftet

Acht solcher "Anwerber" wurden laut "Detroit News" verhaftet. Der Vorwurf: Sie hätten unter anderem Dokumente gefälscht und Ausländern Unterschlupf gewährt, um sich selbst zu bereichern. Laut Staatsanwaltschaft verhalfen sie mindestens 600 Migranten zu einem illegalen Aufenthalt in den USA.

Diese "Anwerber" kassierten nach Behördenangaben insgesamt mehr als 250.000 Dollar an Bestechungsgeldern - ohne zu wissen, dass dieses Geld von den verdeckten Ermittlern stammte, die für die Einwanderungsbehörde arbeiteten, wie die "Washington Post" schreibt. Den Menschen drohen der Zeitung zufolge bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Aus dem Bericht geht nicht eindeutig hervor, ob die "Anwerber" wussten, dass sie Studenten für eine Fake-Uni rekrutierten. Und ob sie Anweisungen für ihr Handeln von den verdeckten Ermittlern erhielten. Die Aktion soll seit Februar 2017 gelaufen sein.

Das ganze Manöver folgte US-Medien zufolge einem bekannten Drehbuch. Verdeckte Ermittler hatten in den USA schon einmal eine Fake-Uni gegründet, die 2016 für Festnahmen sorgte - die University of Northern New Jersey.

fok

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