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Leben und Lernen

Plagiate in der Dissertation

FU Berlin entzieht Frank Steffel den Doktor

Der bekannte Berliner CDU-Politiker Frank Steffel ist seinen Doktortitel erst mal los. Die FU Berlin entzog ihm den akademischen Grad wegen Plagiaten in seiner Dissertation. Ihm bleibt der Klageweg.

DPA

Frank Steffel (CDU)

Montag, 04.02.2019   14:13 Uhr

Die Freie Universität (FU) Berlin hat dem Berliner CDU-Politiker Frank Steffel wegen Plagiaten seinen Doktortitel entzogen.

Das FU-Präsidium habe einstimmig entschieden und sei damit der Wertung des Prüfungsausschusses gefolgt, teilte die Hochschule mit. Der Bundestagsabgeordnete habe in seiner Dissertation aus dem Jahr 1999 die Texte anderer Autoren wörtlich oder nahezu wörtlich übernommen, ohne dies entsprechend kenntlich zu machen.

Die FU erklärte in einer Pressemitteilung, es handle sich bei der Arbeit um "eine zumindest bedingt vorsätzliche Täuschung und eine Verletzung des Gebotes der wissenschaftlichen Redlichkeit". Laut "Tagesspiegel" betonte Steffel in seiner Stellungnahme hingegen, er habe beim Verfassen seiner Doktorarbeit nicht vorsätzlich getäuscht.

In der Mitteilung erklärte der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der FU zudem, man distanziere sich von einer Verteidigung von Steffels damaligem Doktorvater, wonach "die von Frank Steffel gewählte Zitierweise damals am gesamten Fachbereich Wirtschaftswissenschaft üblich gewesen" sei. Auch zum damaligen Zeitpunkt hätten "die Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis" gegolten. Eine "wortwörtliche Wiedergabe eines Textes" hätte "als direktes Zitat mit Anführungszeichen gekennzeichnet werden müssen".

VroniPlag gab ersten Hinweis auf Plagiate in Steffels Arbeit

Die Entscheidung ist nach Angaben der Universität noch nicht rechtskräftig, Steffel kann vor dem Verwaltungsgericht klagen. Die Hochschulgremien hätten den Verdacht mehrere Monate lang untersucht und auch den Beschuldigten gehört.

Steffel ist einer der prominentesten Christdemokraten Berlins und seit 2009 Mitglied des Bundestags. Als Spitzenkandidat der CDU unterlag er bei der Abgeordnetenhauswahl von 2001 dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Seit 18 Jahren ist Steffel zudem Vorsitzender des CDU-Kreisverbands in Berlin-Reinickendorf. Wie der "Tagesspiegel" Mitte Januar berichtete, gibt der Politiker den Posten jedoch mit der Kreisvorsitzendenwahl am 22. Februar ab. Die Entscheidung begründete er demnach mit der hohen Arbeitsbelastung als Bundestagsabgeordneter.

Als Wirtschaftswissenschaftler hatte er zu dem Thema "Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländern nach der Deutschen Einheit 1990" promoviert. Die Internetplattform VroniPlag hatte die Untersuchung der Hochschule durch eigene Nachforschungen ausgelöst. In den vergangenen Jahren hatte es in der deutschen Politik mehrere Plagiatsvergehen gegeben.

cht/AFP

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