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Leben und Lernen

Zulassung fürs Medizinstudium

Was sich für Bewerber ändern soll

Das Zulassungsverfahren fürs Medizinstudium wird geändert. Was bedeutet das für Menschen, die Ärzte werden wollen?

Getty Images/Cultura RF
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Freitag, 07.12.2018   14:35 Uhr

Wer sich fürs Medizinstudium bewerben will, für den soll sich künftig vieles ändern. Das sieht der Entwurf eines Staatsvertrages vor, auf den sich die Wissenschaftsminister der Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK) geeinigt haben.

Der Hintergrund: Es herrscht bei den medizinischen Studiengängen - Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin - ein Verteilungskampf. Jährlich werden nur gut 11.000 der etwa 50.000 Bewerber an öffentlichen Hochschulen zugelassen. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende 2017 entschieden, dass das Zulassungsverfahren teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss.

Welche konkreten Reformen sehen die Minister vor? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie verläuft die Vergabe von Medizinstudienplätzen bisher?

Das Zulassungsverfahren ist dreigeteilt:

Was genau soll sich ändern?

Bis zum Sommersemester 2020 sollen die Neuregelungen gelten, auf die sich die Kultusministerkonferenz verständigt hat:

Wie wird gewährleistet, dass sich die Unis an die Neuregelung halten?

Die Frage stellt sich insbesondere bei dem Vergabeverfahren, bei dem sowohl Abiturnote als auch zwei weitere Kriterien in die Auswahl einbezogen werden sollen. Geplant ist, dass die Unis dafür neue Auswahlsatzungen formulieren. In manchen Bundesländern müssen solche Satzungen durch Ministerien genehmigt werden, in anderen nicht.

"Wenn ein Bewerber der Ansicht ist, eine bestimmte Satzung sei nicht gerecht, kann er dagegen klagen", sagt Wilhelm Achelpöhler, Rechtsanwalt für Hochschulrecht und -zulassungen. So bequem wie bisher könnten es sich die Unis mit der neuen Regelung jedoch nicht mehr machen. Immerhin werden sie vom Gesetzgeber verpflichtet, weitere Kriterien einzubeziehen.

Was verbessert sich für Bewerber durch die Neuregelung?

"Das Verfahren wird ein wenig gerechter und transparenter", sagt Hochschul-Experte Achelpöhler. "Am Grundproblem, dass in Deutschland ein eklatanter Mangel an Medizinstudienplätzen herrscht, ändert sich jedoch nichts." Vier von fünf Bewerbern würden auch mit der Neuregelung nicht den Platz bekommen, den sie gern hätten.

Gerade auf dem Land sei der Mangel an Ärzten so groß, dass man sich schon sehr bald wieder mit der Frage beschäftigten müsse, wie Bewerbern der Zugang zum Medizinstudium erleichtert werden könne, so Achelpöhler. Der Staat decke den Bedarf bisher mit Ärzten aus dem Ausland - für deren Ausbildung er nichts bezahlen müsse. Dass dies ein weiterhin ungelöstes Problem sei, mache das System zu einer "Mangelverwaltung".

Was sind die Knackpunkte an dem Entwurf?

Die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen, gilt als politisch umstrittener Kompromiss. Einige Bundesländer, etwa Bayern, wollten einen erheblichen Teil der Anwärter weiterhin nur nach dem Numerus clausus auswählen. Die Quote stelle allerdings nicht sicher, dass Einser-Abiturienten auch wirklich einen Platz bekommen. "In der Vergangenheit gab es unzählige Fälle von Bewerbern mit 1,0-Schnitt, die damit keinen Platz bekamen, weil einfach kein Platz da war", sagt Achelpöhler.

Kritik kommt aus Thüringen: "Einerseits haben wir jetzt eine weitgehend tragfähige Regelung gefunden", sagt Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. "Andererseits hätten wir uns gewünscht, dass bei der Vergabe gerade berufliche Vorerfahrungen stärker berücksichtigt worden wären. Eine Abiturnote allein sagt wenig über die künftige Eignung für den Arztberuf aus." Thüringen habe sich bei der Abstimmung in der KMK daher der Stimme enthalten.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Vertragswerk muss Anfang kommenden Jahres von der Ministerpräsidentenkonferenz endgültig verabschiedet und anschließend noch von allen Länderparlamenten ratifiziert werden.

insgesamt 19 Beiträge
willi.thom 07.12.2018
1.
es ist richtig, daß der deutsche Staat für ausländische Mediziner nicht zahlen muß. Die Probleme, die nicht nur sprachlicher Art sind, sondern sich auch aus dem unterschiedlichen kulturellen Hintergrund ergeben, werden auf [...]
es ist richtig, daß der deutsche Staat für ausländische Mediziner nicht zahlen muß. Die Probleme, die nicht nur sprachlicher Art sind, sondern sich auch aus dem unterschiedlichen kulturellen Hintergrund ergeben, werden auf dem Rücken der deutschen Kolleginnen und Kollegen abgeladen, die ohnehin schon streßgeplagt sind. Und daß sich aus der fragwürdigen Abiturnote die Eignung für den Arztberuf ableiten ließe, das glauben ja nur Leute, die vom Arztberuf nicht die mindeste Ahnung haben. Ohne Eignungstest sollte niemand zum Arztstudium zugelassen werden. Wir brauen mehr Ausbildungsplätze und eine gerechte "Buschzulage" für Ärzte , die aufs Land gehen wollen.
ondrana 07.12.2018
2.
Das ist doch nur ein Verschiebebahnhof. Damit wird kein einzier Arzt/keine einzige Ärztin zusätzlich ausgebildet. Die Kapazitäten an den Universitäten müssen ausgebaut werden. Wäre das nicht ein Gemeinschaftsprojekt der [...]
Das ist doch nur ein Verschiebebahnhof. Damit wird kein einzier Arzt/keine einzige Ärztin zusätzlich ausgebildet. Die Kapazitäten an den Universitäten müssen ausgebaut werden. Wäre das nicht ein Gemeinschaftsprojekt der Ministerien für Wissenschaft und Gesundheit?
Spiegelleserin57 07.12.2018
3. wer wirklich qualifiziert ist....
zeigt sich sowieso erst später. Schon während des Studiums wird gesiebt. Es gibt genug Ärzte , nur werden sie sehr ungleichmäßig verteilt. Über die Zulassungen verfügt die kassenärztliche Vereinigung und die entscheidet [...]
zeigt sich sowieso erst später. Schon während des Studiums wird gesiebt. Es gibt genug Ärzte , nur werden sie sehr ungleichmäßig verteilt. Über die Zulassungen verfügt die kassenärztliche Vereinigung und die entscheidet wer wohin geht. Allerdings ist sie nicht sonderlich transparent! Die Sprache spielt heute in der Medizin nur eine untergeordnete Rolle da die wissenschaftliche Welt Englisch benutzt und viele Vorträge und Kongresse in dieser Sprache ablaufen. Auch werden an den Unis Besprechungen in dieser Sprache abgehalten und sie ist selbstverständlich genauso wie deutsch! Deutsch ist nur zweitrangig und allenfalls in der Landarztpraxis wichtig. Wer heute nicht international ausgerichtet ist, auch unter den med. Kollegen hat schlicht die Zeit verschlafen!
ebmarzt 07.12.2018
4. Eine gute Regelung.
Ich finde es sehr gut,dass der Zugang differenzierter wird. Meine Kinder wird das hoffentlich nicht betreffen, ich rate Ihnen täglich von meinem Beruf als Arzt in D ab.
Ich finde es sehr gut,dass der Zugang differenzierter wird. Meine Kinder wird das hoffentlich nicht betreffen, ich rate Ihnen täglich von meinem Beruf als Arzt in D ab.
slartibartfras 07.12.2018
5.
1. wie bereits festgestellt wurde, werden dadurch nicht mehr Plätze erstellt. D.h. es werden weiterhin viele es nicht studieren können. 2. Wenn der Herr aus Thüringen sagt, die Note sagt nichts darüber ob jemand ein guter [...]
1. wie bereits festgestellt wurde, werden dadurch nicht mehr Plätze erstellt. D.h. es werden weiterhin viele es nicht studieren können. 2. Wenn der Herr aus Thüringen sagt, die Note sagt nichts darüber ob jemand ein guter Arzt wird: Wer sagt anders herum, dass jemand mit einer schlechten Note ein guter Arzt wird? Was ist überhaupt ein guter Arzt? 3. Das führt uns zum letzten Punkt: jeder will ein Dr. House als Arzt bezüglich Fachwissen, keiner will Ihn als Freund haben. Und darum geht es: es geht in erster Linie um Fachwissen, dann um soft skils. Und dieser fokus auf "Empathie und Co." wird wie in den Usa ablaufen: Assessmentcenter an den Unis, daraufhin teuere Vorbereitungskurse für diese Assessmentcenter, weitere Assessmentprozesse usw. Profitieren werden gute Schauspieler und Reiche. Das passiert, wenn jeder meint mitreden zu können. Warum reden wir nicht über alle zulassungsbeschränkte Fächer? Ich will auch Rechtfacharbeiter für die besten Jurafakultäten haben, wieso dürfen da nur 1,0 hin? Statt was vernünftig zu verbessern, wird es über Zwang gemacht, wie z.B. Landarztquote. Wir sollten die Arbeitsbedingungen verbessern, dann würden mehr es machen wollen.

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