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Leben und Lernen

NC-Fächer im Überblick

Hier stehen die Chancen auf einen Studienplatz am besten

Fast jeder zweite Studiengang ist mit einem Numerus clausus belegt. Doch oft reicht schon die Bewerbung in einer anderen Stadt, um noch einen Platz im Wunschfach zu ergattern. Die Übersicht.

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Mittwoch, 04.07.2018   06:11 Uhr

Knapp die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland ist zulassungsbeschränkt: 41,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang, aber nur um minimale 1,3 Prozentpunkte. Abiturienten werden bei ihren Bewerbungen um einen Studienplatz also weiterhin in vielen Fällen nur mit einem Spitzenabi Chancen haben. Das ist die schlechte Nachricht.

Die Gute: Wer flexibel ist und sich vorstellen kann, auch in ähnlichen Fächern oder an Hochschulen in anderen Regionen Deutschlands zu studieren, hat gute Aussichten, trotzdem einen Studienplatz zu bekommen. Denn es gibt "große Unterschiede zwischen den Bundesländern", schreiben die Autoren des Numerus-clausus-Checks des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Die aktuelle, noch nicht veröffentlichte Fassung liegt SPIEGEL ONLINE exklusiv vor.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Der Überblick nach Bundesländern:

In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin und im Saarland haben es Bewerber am schwersten, einen Studienplatz zu ergattern. "Hier sind vergleichsweise hohe NC-Quoten von 60 Prozent und höher zu finden", schreiben die Forscher.

Besonders niedrig sind die NC-Quoten dagegen in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt - dort sind jeweils weniger als 30 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt.

"Hervorzuheben sind insbesondere die Länder Hamburg und Thüringen", analysieren die Autoren die Entwicklungen der vergangenen Jahre. In Hamburg ging die NC-Quote innerhalb eines Jahres von 75,5 Prozent auf 64,4 Prozent zurück. Auch in Thüringen sank die Quote und liegt mit 20,3 Prozent jetzt auf dem bundesweit niedrigsten Wert.

"Die Veränderung in Thüringen geht in weiten Teilen auf geringere NC-Quoten im Masterbereich zurück", heißt es in der Studie. Mit anderen Worten: Das Interesse an einem Masterstudium in Jena, Erfurt oder Weimar ist geringer als anderswo.

Der Überblick nach Studienfächern:

Besonders schwer haben es Bewerber in den Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftswissenschaften. Bundesweit sind 55 Prozent dieser Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt.

Der Überblick nach Städten:

Dass Nachfrage und Angebot nicht immer in der Balance sind, zeigt sich auch beim Blick auf die von den Studentenzahlen her größten Hochschulstädte. Während etwa in Köln rund zwei Drittel der Studiengänge mit einem NC belegt sind, ist es in Gießen nur rund ein Fünftel. Wer also bereit ist, in weniger beliebte Städte zu ziehen, hat bessere Chancen auf einen Studienplatz.

NC-Quote für ausgewählte Hochschulorte zum WS 2018/19 (in Prozent)

Ort Studierenden-Anzahl NC-Quote Bachelor Master
Berlin 180.582 59,9 54,4 63,5
München 119.954 49,4 43,3 62,4
Hamburg 101.660 59,4 53,0 64,8
Köln 100.541 62,3 64,0 60,6
Frankfurt/Main 65.504 48,6 37,6 41,2
Münster 58.250 43,3 50,3 38,6
Bochum 56.730 47,3 55,2 39,6
Aachen 56.177 31,0 48,6 15,2
Stuttgart 53.453 38,9 37,2 41,7
Dortmund 53.312 23,3 33,5 13,1
Düsseldorf 52.831 33,3 40,9 22,9
Darmstadt 46.726 24,6 40,5 10,2
Hannover 46.548 68,2 50,6 86,0
Dresden 42.624 36,8 32,6 86,0
Karlsruhe 42.213 63,8 64,5 60,6
Mainz 39.226 30,4 30,8 28,8
Gießen 38.962 21,8 17,0 6,1
Bonn 38.665 34,0 38,7 27,4
Bielefeld 38.180 29,2 33,3 24,3
Leipzig 37.878 43,8 43,6 39,4
Heidelberg 37.624 43,9 37,4 55,8
Göttingen 35.119 48,6 45,5 50,8
Würzburg 34.817 34,3 38,1 31,4
Kiel 34.107 27,5 46,7 10,0
Freiburg i.Br. 33.288 44,5 52,0 34,0
Bremen 33.177 58,8 61,3 55,3
Regensburg 31.307 30,1 40,0 23,6
Saarbrücken 31.093 58,6 42,1 57,9
Kassel 30.623 24,1 27,8 9,8

Quelle: Centrum für Hochschulentwicklung, Stand: Juli 2018 (Anmerkung: Zahl der Studierenden ermittelt aus den Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2016. - Die Ergebnisse sind für die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen nicht ganz deckungsgleich mit den übrigen Tabellen, u.a. weil Nebenfach-Studiengänge anders berücksichtigt werden.)

Aus den aktuellen Daten leiten die CHE-Forscher konkrete Bewerbungstipps für Abiturienten ohne Spitzenabitur ab:

Zunächst empfehlen sie, sich nicht von einem eventuellen NC abschrecken zu lassen, sondern trotzdem eine Bewerbung abzuschicken: "Die Tatsache, dass es eine Zulassungsbeschränkung gibt, und die Auswahlgrenzen aus den letzten Jahren bieten letztlich nur eine grobe Orientierung", schreiben die Autoren, "schreckt der NC für einen bestimmten Studiengang viele von einer Bewerbung ab, kann es passieren, dass letztlich doch alle Bewerber zugelassen werden."

Darüber hinaus empfehlen die Experten, sich auf jeden Fall mehrfach zu bewerben - vor allem, weil die verschiedenen Hochschulen ihre Studienanfänger nach ganz unterschiedlichen Kriterien auswählen können. Informationen zu diesen Kriterien gibt es beispielsweise beim "Hochschulkompass" der Hochschulrektorenkonferenz.

Details zum NC-Check

Welche Daten wurden ausgewertet?
Für die aktuelle Analyse wurden Daten aus dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (zum WS 2018/19, Stand Mai 2018) ausgewertet. Dies entspricht dem Vorgehen in den vorherigen Jahren, seit der NC-Check 2014 erstmals erstellt wurde.
Wie aussagekräftig ist die Analyse?
Die Daten erlauben einen Vergleich mit der Situation in den vergangenen Jahren. Aufgeschlüsselt wird der Anteil der Studiengänge mit Numerus Clausus an der Gesamtzahl der Studiengänge nach Bundesländern, Hochschultyp, Abschlussart und vier Fächergruppen dargestellt. Die Ergebnisse für einzelne Hochschulorte sind eine Auswahl, die sich an der Zahl der Studierenden vor Ort orientiert.
Wer hat die Studie erstellt?
Die Analyse wurde vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh erstellt. Autoren sind Anna Gehlke, Cort-Denis Hachmeister und Lars Hüning.

Sollte es trotzdem mit der Zulassung in einem NC-Fach nicht klappen, verweisen die CHE-Experten auf Alternativen: "Es stehen rechnerisch Tausende Studiengänge offen, in die man sich mit seiner (Fach-)Abiturnote sofort einschreiben kann, unabhängig davon, wie gut diese ist." Dies gelte für fast alle Fächer mit Ausnahme der Medizinstudiengänge und der Pharmazie. Und schließlich könne auch noch ein Auslandsstudium eine Option sein.

insgesamt 5 Beiträge
Actionscript 04.07.2018
1. Spielt doch keine Rolle, wo...
...man in Deutschland studiert, da die Unterschiede in den Universitäten nicht gross sind. Ich kann hier nur für die Naturwissenschaften sprechen. Doch glaube ich kaum, dass es in anderen Fächern viel anders ist. Auch sollte [...]
...man in Deutschland studiert, da die Unterschiede in den Universitäten nicht gross sind. Ich kann hier nur für die Naturwissenschaften sprechen. Doch glaube ich kaum, dass es in anderen Fächern viel anders ist. Auch sollte man nicht vergessen, dass Universitäten, wo es leichter ist, einen Studienplatz zu finden, in Städten liegen, wo die Lebenshaltungskosten niedriger sind. Wiederum um auf Naturwissenschaften zu sprechen zu kommen, muss man, wenn man in die Forschung gehen will, sowieso die Promotion machen und danach Postdoc, was im Ausland zu empfehlen ist. Da kommt es nur auf das Fachgebiet und die Publikationen an. Die Universität, an der man studiert hat, sieht sich da sowieso keiner an. Beim Postdoc im Ausland sollte man etwas mehr auf den Ruf der Universität achten. Von daher wäre mir wichtig (war es für mich in der Vergangenheit), schnell unter zu kommen und mein Studium so schnell wie möglich abzuschliessen. Erst dann wird es beruflich wirklich interessant. Auch ist es wichtig, so früh wie möglich in die Rentenversicherung einzuzahlen.
panda741 04.07.2018
2. Leider arg oberflächlich
NC bedeutet noch lange nicht dass es schwer ist einen Platz zu bekommen und in vielen Studiengängen wurden, trotz NC, immer alle zugelassen. Vor allem bei Studiengängen wo nur Begrenzt Ressourcen vorhanden sind (zum Beispiel [...]
NC bedeutet noch lange nicht dass es schwer ist einen Platz zu bekommen und in vielen Studiengängen wurden, trotz NC, immer alle zugelassen. Vor allem bei Studiengängen wo nur Begrenzt Ressourcen vorhanden sind (zum Beispiel Laborplätze, diverse Gerätschaften, Laser, Mikroskope, spezielle Analysewerkzeuge, Chemikalien usw.) ist das eigentlich schon notwendig. In der Praxis ist der einzige Unterschied dass man sich an den Bewerbungszeitraum halten muss.
MannAusmNorden 04.07.2018
3. NC ist nicht mehr Zeitgemäß
Wenn es nach mir geht, so finde ich, dass es nicht mehr zeitgemäß ist nur nach der Zahl auf dem Abiturzeugnis zu gehen. Ich bin nach der Lehre zur Fachhochschule gewechselt. Bei meiner FH gibt (gab?) es ein Puntktesystem für [...]
Wenn es nach mir geht, so finde ich, dass es nicht mehr zeitgemäß ist nur nach der Zahl auf dem Abiturzeugnis zu gehen. Ich bin nach der Lehre zur Fachhochschule gewechselt. Bei meiner FH gibt (gab?) es ein Puntktesystem für die Bewerbung: Passende Fächer in Abitur gehabt (z.B. Mathe für Ingenieurwesen) -> +5Punkte, +7P wenn es ein Leistungskurs war. Selbstauskunftsbogen/Selbsttest online durchgeführt (dauert so knapp 90 Minuten) -> +5P. Vorher eine Ausbildung gemacht: Nochmal Punkte, Extrapnkte wenn es zum Studiengang passt. Man wurde also bevorzugt genommen, wenn man zeigt, dass man schon mehr in dem Thema drin steckt. So sollte auch die Abbrecherquote gering gehalten werden. Nur ein Einser-Abi heißt nämlich nicht unbedingt, dass man einen Studiengang auch versteht.
Equalizer 04.07.2018
4. Abwarten kann auch reichen
Ich hatte mich 1989 für Chemie eingeschrieben. Das war an der speziellen Uni ein NC-Fach. Und obwohl ich erst mal eine Absage bekam, so kam ich ich dann im ersten Nachrückverfahren zum Zuge. Also, eine Absage kann also erst mal [...]
Ich hatte mich 1989 für Chemie eingeschrieben. Das war an der speziellen Uni ein NC-Fach. Und obwohl ich erst mal eine Absage bekam, so kam ich ich dann im ersten Nachrückverfahren zum Zuge. Also, eine Absage kann also erst mal nur temporär sein. Auch ich würde sagen, die Unis nehmen sich nicht alle viel. Dieses Ranking heute ist der allg. Hysterie dieser Zeit geschuldet. Wichtiger wäre doch die Frage, bekomme ich eine bezahlbare Wohnung.
jeremy-fn 04.07.2018
5. NC unbedingt ersetzen
Da bin ich mal gespannt, wie das nächstes Jahr in Hamburg werden wird, da ich ein Zweitstudium im Studiengang Biologie bestreiten möchte. Hatte das falsche angefangen zu studieren aber da ich schon einige Semester geschafft [...]
Da bin ich mal gespannt, wie das nächstes Jahr in Hamburg werden wird, da ich ein Zweitstudium im Studiengang Biologie bestreiten möchte. Hatte das falsche angefangen zu studieren aber da ich schon einige Semester geschafft habe, das unbedingt beenden möchte. Mir macht die NC-Geschichte auch schon sorgen. Im Zweifel versuche ich es aber über eine Studienplatzklage. Es ist klar, sollte der NC abgeschafft werden, was ich hoffe, dann steigt somit NICHT automatisch die Anzahl der Studienplätze eines Studienfaches. Man könnte aber den NC gegen eine Art Einstellungsverfahren und Motivationsgespräch ersetzen, wie es einige Unis in Deutschland bereits durchführen. Ich erhoffe mir, durch den Abschluss meines Erststudiums eine bessere Durchschnittsnote zu erzielen (Erststudium ersetzt das Abitur), als es in meinem Abi der Fall war. Damit könnte ich mich bewerben und hoffe somit meinem Traumberuf "Meeresbiologie" näher zu kommen und zu erreichen

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