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Leben und Lernen

Frauengehälter

Professorinnen bekommen im Schnitt 650 Euro weniger

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer - daran ändert auch ein Professorentitel nichts. Das zeigt eine Auswertung zur Besoldung an Universitäten. Das Gehalt hängt auch stark vom Bundesland ab.

Getty Images/Hero Images

Professorin im Hörsaal

Donnerstag, 29.11.2018   22:14 Uhr

Frauen, die an Deutschlands Universitäten einen Lehrstuhl besetzen, verdienen im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Die monatlichen Bruttogehältern von Professorinnen und Professoren klaffen bis zu 650 Euro auseinander. Das geht aus dem Besoldungsranking des Deutschen Hochschulverbands (DHV) hervor, über das die Zeitschrift "Forschung & Lehre" in ihrer Dezemberausgabe berichtet.

Bei 8.580 Euro liegt demnach der bundesweite Durchschnittswert der tatsächlich bezogenen Besoldung für sogenannte W3-Professoren. Frauen mit diesem Titel erhalten im Schnitt nur 7.930 Euro. Auch bei den W2- und W1-Professuren lasse sich ein Gender Pay Gap feststellen.

W2-Professorinnen verdienen mit 6.290 Euro im Schnitt 320 Euro weniger als ihre Kollegen. In der Besoldungsgruppe W1 liegt der Unterschied bei 200 Euro. Professorinnen beziehen hier im Schnitt 4.510 und Professoren 4.710 Euro.

Die Daten wurden im Juni 2017 erhoben. Berücksichtigt wurden Durchschnittswerte für die Besoldung an öffentlichen Hochschulen und Berufsakademien, und zwar über das Grundgehalt hinaus auch Familienzuschläge und Sonderzahlungen.

Die Statistik liefert keine Gründe für die Lohnunterschiede. Mögliche Ursachen könnten sein: eine ungleiche Geschlechterverteilung in bestimmten Fächergruppen, ungleiche Verteilung des Familienzuschlags auf die Geschlechter, weit überdurchschnittliche Besoldung in Hochschulleitungen, wo Männer deutlich überrepräsentiert sind.

Frauenanteil steigt langsam

Frauen sind in Leitungspositionen des Wissenschaftsbetriebs weiterhin in der Minderheit, wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zuletzt mitgeteilt hatte. Bei den Professuren sinkt der Frauenanteil demnach, je höher die Besoldungsgruppe wird: Bei W1-Professuren liegt er bei 43,3 Prozent, bei W2-Professuren bei 24,1 Prozent und bei W3-Professuren bei 19,4 Prozent.

Insgesamt sind in den vergangenen 20 Jahren allerdings deutlich mehr Frauen in alle Bereiche der Hochschulen vorgerückt: Lag der Frauenanteil bei Promotionen im Jahr 1997 noch bei 32,1 Prozent, war er im vergangenen Jahr bei 45,2 Prozent.

Die Zahl der Habilitationen von Frauen stieg von 15,7 Prozent auf 30,4 Prozent, die der Professorinnen von 9 auf 23,4 Prozent. Bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist laut GWK der Frauenanteil in Führungspositionen von 1998 bis 2017 von 3,7 auf 18,6 Prozent gestiegen.

Unterschiede von mehr als tausend Euro zwischen den Ländern

Wie gut eine Professur im Schnitt entlohnt wird, hängt nicht nur vom Geschlecht ab - sondern auch von der Region. Zwischen den Bundesländern gibt es der Statistik zufolge erhebliche Unterschiede bei den monatlichen Bruttogehältern - von bis zu 1.380 Euro.

In Bayern liegt der Durchschnittswert der tatsächlich bezogenen Professorenbesoldung (W3) etwa bei 8.950 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur bei 7.570 Euro. Auch bei W2- und W1-Professuren geht die reale Durchschnittsbesoldung teils weit auseinander. Bei W2-Professuren beträgt der Unterschied bis zu 650 Euro, bei W1-Professuren bis zu 820 Euro.

fok

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