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Leben und Lernen

Patentanmeldungen

Erfinder heißen öfter Abhijeet oder Agnieszka

Immer mehr aus Deutschland angemeldete Patente stammen von Forschern mit ausländischen Wurzeln. Ganz vorne dabei: Menschen aus Ost- und Südosteuropa.

DPA

Wegweiser am Eingang zum Hinterhof des Deutschen Patentamts

Donnerstag, 03.01.2019   16:48 Uhr

Fast jedes zehnte (9,4 Prozent) aus Deutschland angemeldete Patent habe 2016 von Erfindern mit Migrationshintergrund gestammt, berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Donnerstag in Köln. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei 6,1 Prozent.

Die meisten der Tüftler stammten demnach aus dem ost- und südosteuropäischen Sprachraum, etwa aus Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien oder Russland. Sie hatten zuletzt fast tausend Patente angemeldet. Erfinder aus dem arabischen und türkischen Sprachraum meldeten rund 560 Erfindungen an.

Besonders starke Zuwächse beobachteten die IW-Forscher bei Patentanmeldungen von in Deutschland wohnenden Erfindern mit indischen Wurzeln: Zwischen 2005 und 2016 habe sich die Zahl ihrer Patente fast verdreifacht. Bei Patenten von Erfindern aus dem chinesischen Sprachraum verdoppelte sich die Zahl den Angaben zufolge.

"Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig das beschlossene Fachkräftezuwanderungsgesetz für Deutschland ist", sagt Studienautor Oliver Koppel. "Das wird die Zuwanderung technisch-naturwissenschaftlicher Fachkräfte, also vieler potenzieller Erfinder, vereinfachen und so das deutsche Innovationssystem stärken."

Bei den Ergebnissen muss allerdings berücksichtigt werden, dass den Forschern nur in eingeschränkter Form gesicherte Daten vorlagen. Denn: Erfinder müssen bei einer Patentanmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt in der Regel nur Name und Wohnort angeben, aber nicht ihre Herkunft.

Die IW-Forscher zogen deshalb Rückschlüsse auf die Herkunft der Menschen aufgrund ihrer Vornamen. Sie programmierten eine Vornamensdatenbank, die mehr als 20.000 Vornamen von Erfindern insgesamt 24 Sprachräumen zuordnete. Die Forscher gingen davon aus, dass eine Erfinderin namens Agnieszka mit hoher Wahrscheinlichkeit polnische Wurzeln hat, ein Karl-Heinz dagegen deutsche.

Man habe umfangreich in Namensdatenbanken und Geburtsregistern recherchiert, sagt Koppel, und sei ziemlich restriktiv in dem Sinne vorgegangen, dass ein Name im Zweifel immer dem deutschsprachigen Raum zugeordnet worden sei. Beispiel: Die Namen Thomas und Christian, die es auch in anderen Sprachräumen gebe, habe man als Hinweis auf eine deutsche Herkunft genommen.

fok/dpa

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