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Netzwelt

Malprogramm Autodraw

Google weiß, was Sie zeichnen wollen

So wie Software Texte übersetzen kann, übersetzt ein neues Google-Projekt Kritzeleien in perfekte Zeichnungen. Was wie eine kostenlose Spielerei wirkt, hat einen wissenschaftlichen Hintergrund.

Google
Von
Donnerstag, 13.04.2017   17:11 Uhr

Ein Megafon? Ein Föhn? Eine Torte? Wenn man genau hinschaut, kann man zumindest erahnen, was das krakelige Dreieck und der deformierte Kreis darstellen sollen. Das neue Malprogramm Autodraw von Google arbeitet ähnlich. Es kramt in seinem virtuellen Gedächtnis und erkennt die Kritzelei sofort: Das soll wohl ein Fisch sein. Die Software schlägt dann auch gleich vor, die krakelige Zeichnung durch eine perfekte Skizze zu ersetzen.

Die neue Software, die im Browser läuft, hat Google am Mittwoch online gestellt. Sie soll zeigen, wie weit der Konzern bei der Erforschung künstlicher Intelligenz (KI) mittlerweile ist.

Autodraw-Software demonstriert spielerisch, welche Objekte die KI anhand gelernter Muster in den Zeichnungen der Nutzer erkennen kann. Dafür haben Google-Mitarbeiter die KI mit zahlreichen Fotos trainiert. Die grundlegende Idee: Je mehr Tannen, Birken und Buchen die Software gesehen hat, desto eher erkennt sie einen Baum.

Rein oberflächlich betrachtet ist Autodraw ist sehr simples Zeichenprogramm, das man auf dem Rechner, auf Smartphones und Tablets kostenlos ausprobieren kann. Die KI erkannte unsere Zeichnungen von Fischen, Flaschen und Fußbällen in unserem Test fast immer richtig. Ein paar schnelle Striche genügen, schon tauchen oben am Bildschirmrand Vorschläge auf, die allesamt besser aussehen als die eigene Skizze. Mit einem Klick tauscht man sein Gekritzel gegen Googles Zeichnung aus.

Beim Osterei muss die Software passen

Doch man merkt, dass die KI noch üben muss. Auf Ostern ist das Zeichenprogramm beispielsweise nicht wirklich vorbereitet. Wer einen Hasen mit einem Kreis für den Kopf und zwei großen Ohren zeichnet, bekommt nur kuriose Vorschläge. Googles Maschine will in der Skizze eine Ratte, eine Büroklammer oder eine Erdnuss erkennen. Erst, wenn man auch noch Schnauze und Tasthärchen malt, erkennt die KI, dass es sich um einen Hasen handeln soll.

Bei der recht einfachen Zeichnung eines Hühnereis sieht es ähnlich aus. Statt ein besser gezeichnetes Ei vorzuschlagen, erscheinen Nasen, Birnen, Zähne und Erdbeeren. Keine Spur von Ostereiern.

Auch Google weiß, dass die Software noch Lücken hat. Zwar verfügt sie schon über sehr viele Cliparts, die Künstler dem Konzern zur Verfügung gestellt haben. Doch Google bittet um weitere Zeichnungen, um seine Datenbank zu erweitern. Wer eine Skizze für Autodraw hochlädt, muss sich jedoch bewusst seine, dass er die Nutzungsrechte an dem Bild an Google abtritt.

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insgesamt 10 Beiträge
noalk 13.04.2017
1. Raffiniert!
So spart sich Google einen immensen personellen Aufwand für das Lehren der KI.
So spart sich Google einen immensen personellen Aufwand für das Lehren der KI.
monoman 13.04.2017
2.
"Sie soll zeigen, wie weit der Konzern bei der Erforschung Künstlicher Intelligenz (KI) mittlerweile ist." Aha, dann gibt es die KI also schon, man muss sie nur noch erforschen. Muss ich wohl was verpasst haben...
"Sie soll zeigen, wie weit der Konzern bei der Erforschung Künstlicher Intelligenz (KI) mittlerweile ist." Aha, dann gibt es die KI also schon, man muss sie nur noch erforschen. Muss ich wohl was verpasst haben...
Steffen Gerlach 13.04.2017
3. Beängstigend
Die Silicon-Valley-Großmäuler haben also doch recht. Die KI kann schon fast ein Buch erkennen. Jedem sollte klar sein, dass es von da nur noch ein kleiner Schritt zur Weltherrschaft ist.
Die Silicon-Valley-Großmäuler haben also doch recht. Die KI kann schon fast ein Buch erkennen. Jedem sollte klar sein, dass es von da nur noch ein kleiner Schritt zur Weltherrschaft ist.
rreniar 13.04.2017
4. Lernen hilft...
Palmen die den Urlaub symbolisieren gehen vermutlich zu jeder Jahreszeit. Und ansonsten wird die Software vermutlich bald spitzkriegen, dass es sinnvoll sein kann Ort und Zeitpunkt mit einzubeziehen. Vor allem in christlich [...]
Palmen die den Urlaub symbolisieren gehen vermutlich zu jeder Jahreszeit. Und ansonsten wird die Software vermutlich bald spitzkriegen, dass es sinnvoll sein kann Ort und Zeitpunkt mit einzubeziehen. Vor allem in christlich geprägten Gegenden ist eine eiförmige Kritzelei um diese Zeit eben eher ein Osterei, zu Halloween der Versuch eines Kürbisses und zur Winterzeit soll's am Ende ein Schneemann werden. Und beim Super Bowl in den USA könnte es ein Football darstellen. In vielen Fällen wird Google dann vermutlich richtig liegen. So richtig intelligent wird Google dann aber erst, wenn es über die Nutzungsdaten ein Persönlichkeitsprofil des Zeichners erstellen kann...
bismarck_utopia 13.04.2017
5. Bei mir hat's geklappt
Bei mir hat es mit dem Hasen(kopf) geklappt, als ich seine Ohren etwas deutlicher gezeichnet habe. Interessanter Ansatz. Dass es auch bei Gnoom trotz seiner strengen Kriterien bei Links schon aufgenommen wurde (wenigstens in den [...]
Bei mir hat es mit dem Hasen(kopf) geklappt, als ich seine Ohren etwas deutlicher gezeichnet habe. Interessanter Ansatz. Dass es auch bei Gnoom trotz seiner strengen Kriterien bei Links schon aufgenommen wurde (wenigstens in den Vorschlägen unter "Tools live online"), spricht für das Programm. Bin gespannt, wie es sich entwickelt!

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