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Netzwelt

Forderung nach Online-Übersetzer

Sag's auf Färöisch, Google!

Die Färöer-Inseln sind ganz klein, Menschen, die Färöisch sprechen, gibt es nicht viele. Trotzdem sollte Google ihre Sprache in seinen Übersetzungdienst aufnehmen, finden sie. Und werben sehr charmant dafür.

Visit Faroe Islands
Von
Sonntag, 08.10.2017   18:31 Uhr

Gerade erst hat Google mächtig die Werbetrommel für seinen Übersetzungsdienst gerührt. Bei der Präsentation der neuen Pixel-2-Smartphones wurde die Dolmetscher-App Google Übersetzer (Android, iOS) als eine Art Universalwerkzeug für fremde Sprachen in den Vordergrund gehoben. Doch so gut die Software ist, sie beherrscht nur 40 Sprachen. Sprachforscher rechnen allerdings damit, dass weltweit rund 7000 Sprachen gesprochen werden, Dialekte nicht eingeschlossen.

Eine der demnach 6960 nicht von Google beachteten Sprachen ist Färöisch. Sie ist, neben Dänisch, die Amtssprache auf den Färöern, einer Inselgruppe, die weit im Nordatlantik liegt, zwischen den britischen Inseln, Island und Norwegen. Auf den 18 Inseln leben gut 50.000 Menschen. Weltweit sind rund 80.000 Menschen des Färöischen mächtig. Offensichtlich zu wenige, um damit im Google Übersetzer aufzutauchen.

Dem Tourismusverband "Visit Faroe Islands" stößt das sauer auf. Mit einer ebenso ungewöhnlichen wie charmanten Aktion will der Verband den Internetkonzern nun dazu bewegen, Färöisch in seinen Übersetzungsdienst aufzunehmen - und macht damit nebenbei Werbung für den Tourismus auf den abgelegenen Inseln.

So können Besucher der Inseln jetzt auf der Seite Faroe Islands Translate Begriffe oder Phrasen eingeben und übersetzen lassen. Das System funktioniert denkbar einfach: Die Übersetzungsanfragen werden an Freiwillige weitergeleitet, die als menschliche Dolmetscher dienen und die angefragte Phrase auf Färöisch in eine Webcam oder Handykamera sprechen. Das Angebot ist kostenlos und sowohl am PC als auch mobil nutzbar.

All diese Übersetzungen werden gespeichert und sind in einem Videoarchiv abrufbar. Bei der Eingabe einer neuen Anfrage werden zunächst alle schon gespeicherten Videos nach passenden Übersetzungen durchsucht. Beim Stöbern in diesem Sammelsurium merkt man, dass die Färinger sichtlich Spaß an der Sache haben, mal im Büro, mal auf der Straße, im Wald oder gar auf dem Sofa fläzend ihre Antworten einsprechen.

Ganz so schnell wie der Google Übersetzer arbeitet das System freilich nicht, schließlich muss immer erst ein Freiwilliger gefunden werden. Der wiederum muss die Antwort in die Kamera sprechen und das Video hochladen. Am Sonntagnachmittag bekamen wir unsere Übersetzung nach etwa drei Minuten.

Mit einer ähnlichen Aktion hatte der Verband schon 2016 Erfolg. Damals hatte man sich darüber beklagt, dass Google keine Street View-Autos auf die Inseln entsendet hatte, um die Straßen der Inseln fotografisch zu kartografieren. Also schnallten die findigen Färinger Kameras auf die Rücken von Schafen und nannten das Sheepview.

Die Aktion wurde weltweit beachtet und kam offenbar auch in Googles Hauptquartier gut an. Nicht gut genug, um tatsächlich Autos zu schicken, gut genug aber, um dem Tourismusverband die Kameras und das Know-how zu vermitteln, um die Inseln selbst für Street View zu fotografieren. So haben jetzt auch Touristen die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen, indem sie sich im Tourismusbüro eine Kamera ausleihen.

Jetzt dürften die Verantwortlichen auf den Färöern die Daumen drücken, dass der Trick wieder klappt. Statt mit Forderungen und Unterschriftenlisten versuchen sie einmal mehr, Google mit Charme zu überrumpeln. Gute Idee. Sollte man viel öfter machen.

insgesamt 11 Beiträge
abwinken 08.10.2017
1. Alles gut und schön
Man wäre dankbar, wenn überhaupt mehr Brauchbares an Übersetzungen käme. Die übetsetzten Bewertung bei Google-Maps sorgen bislang allenfalls für gtenzenlose Heiterkeit.
Man wäre dankbar, wenn überhaupt mehr Brauchbares an Übersetzungen käme. Die übetsetzten Bewertung bei Google-Maps sorgen bislang allenfalls für gtenzenlose Heiterkeit.
Affenhirn 08.10.2017
2. Google übersetzt immer über Englisch
Wenn man deutsch z.B. nach französisch oder türkisch übersetzen möchte, empfiehlt es sich erst die deutsch-englische Übersetzung zu checken und dann von englisch auf die eigentliche Zielsprache weiter zu übersetzen. Sonst [...]
Wenn man deutsch z.B. nach französisch oder türkisch übersetzen möchte, empfiehlt es sich erst die deutsch-englische Übersetzung zu checken und dann von englisch auf die eigentliche Zielsprache weiter zu übersetzen. Sonst wird das Google-Kauderwelsch noch unverständlicher. Gut nutzen kann man Google aber z.B. für eine Übersetzung deutsch-englisch, wenn man sich die Schreibarbeit sparen will und anschließend den Text nur nochmal in grammatikalisch und inhaltlich richtiges Englisch korrigiert.
gesinecresspahl 08.10.2017
3. Was soll diese Übersetzerei?
Ich verstehe das Sentiment nicht. Diese Übersetzerei verursacht riesige Kosten, Verwirrung und administativen Aufwand. Warum nicht einfach lokal eben die Lokalsprache reden und international Englisch? Ich wünsche mir Google in [...]
Ich verstehe das Sentiment nicht. Diese Übersetzerei verursacht riesige Kosten, Verwirrung und administativen Aufwand. Warum nicht einfach lokal eben die Lokalsprache reden und international Englisch? Ich wünsche mir Google in genau einer Sprache und damit ist es auch gut.
anselmwuestegern 08.10.2017
4.
Kial unue Google devas traduki ?ion al la angla? Esperanto estis evoluinta por ?i. ... das war Google, ich kann kein Esperanto.
Kial unue Google devas traduki ?ion al la angla? Esperanto estis evoluinta por ?i. ... das war Google, ich kann kein Esperanto.
SPONU 09.10.2017
5. Wäre neugierig wie Google...
....“Grindwale zum Strand treiben und in Stücke hacken“ übersetzt.
....“Grindwale zum Strand treiben und in Stücke hacken“ übersetzt.

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