24.02.2012
"Do not track"
Obamas Datenschutz-Allianz stößt auf Kritik
Von Richard Meusers
Online-Werbung bei Amazon: Wird nun alles gut?
Amerikanische Politiker machen neuerdings Druck in Sachen Datenschutz, mobile Apps sollen entsprechende Vorgaben erfüllen. Da wollten die Verantwortlichen der großen Elektronikkonzerne wohl nicht ins Hintertreffen geraten und kündigten am Donnerstag die Einführung eines "do not track"-Buttons an. Diesmal im Konzert mit der Regierung Obama, die mit einer "Bill of Rights" die Datenschutz-Rechte von Internetnutzern stärken will. Der "Verfolg'mich nicht"-Knopf soll es ermöglichen, die Sammlung persönlicher Nutzerdaten zu unterbinden - und damit die Erstellung von User-Profilen. Die sind nämlich für die Webebranche bares Gold wert, kann sie doch auf Grundlage dieser Daten zielgenau ihre Werbung an Mann und Frau bringen.
Was seit der Einführung durch Mozilla Anfang 2011 inzwischen zum Standard in den meisten Browsern geworden ist, wollen nun auch in der Digital Advertising Alliance zusammengeschlossene Unternehmen wie Google, Yahoo, Microsoft, AOL oder Facebook ihren Nutzern bieten. Datenschützer sind erfreut und auch viele Netzbewohner scheinen die Button-Pläne gutzuheißen. In einer (nicht repräsentativen) Online-Umfrage des "Wall Street Journal" erklärten fast 93 Prozent, sie würden einen "do not track"-Knopf nutzen. Wird nun alles gut?
Ganz sicher nicht, so der Chor der Kritiker - die allerdings im Detail durchaus unterschiedlicher Ansicht sind. Die einen sagen: Die Unterbindung bestimmter Werbeformen bringe vor allem Umsatzverluste im Online-Werbebereich. Mit der Folge, dass für viele derzeit noch werbefinanzierte und für Nutzer damit gratis angebotene Inhalte künftig Gebühren fällig werden könnten, argumentiert "BusinessInsider".
Die anderen verweisen auf technische Unklarheiten des geplanten Datenschutzknopfs etwa "Techweb". Es sei überhaupt nicht sicher, was genau ein Browser eigentlich tue, wenn ein User den Zauber-Button drücke. Bis jetzt würden lediglich mit heißer Nadel gestrickte Regeln existieren. Schon seit langem könne sich jeder Surfer im Browser seiner Wahl mit einer Reihe von Einstellungen - von der Cookie-Blockade bis zur Proxy-Nutzung - gegen allzu neugierige Webseiten schützen. Nur, wer lege eigentlich den einheitlichen, für alle gültigen Standard fest? Und wie könnten Nutzer der Funktion sicher sein, dass sie nicht umgangen werden?
"ReadWriteWeb" schließlich findet die ganze Aktion nur albern. Die Pläne für den Datenschutzknopf würden am gleichen Manko leiden wie schon der Can-Spam-Act von 2003. Damals sollte per Gesetz das Spam-Aufkommen gesenkt werden. Jeder könne sich durch einen kurzen Blick in seinen Spam-Ordner von der Effizienz dieser Bestimmung überzeugen. Nicht Gesetze oder Absichtserklärungen von Unternehmen hätten die Menge von Spam-E-Mails gesenkt, sondern nur die Fortschritte in der technischen Entwicklung. Das gelte für unerwünschte Analysen des eigenen Surfverhaltens durch Dritte im gleichen Maße.
meu