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24.02.2012
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"Do not track"

Obamas Datenschutz-Allianz stößt auf Kritik

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Online-Werbung bei Amazon: Wird nun alles gut?

US-Politik und Unternehmen tun sich zum Wohl des Datenschutzes demonstrativ zusammen. Nicht alle finden diese Pläne überzeugend. Das wird teuer für die Internetnutzer, sagen die einen. Das funktioniert doch sowieso nicht, sagen die anderen.

Amerikanische Politiker machen neuerdings Druck in Sachen Datenschutz, mobile Apps sollen entsprechende Vorgaben erfüllen. Da wollten die Verantwortlichen der großen Elektronikkonzerne wohl nicht ins Hintertreffen geraten und kündigten am Donnerstag die Einführung eines "do not track"-Buttons an. Diesmal im Konzert mit der Regierung Obama, die mit einer "Bill of Rights" die Datenschutz-Rechte von Internetnutzern stärken will. Der "Verfolg'mich nicht"-Knopf soll es ermöglichen, die Sammlung persönlicher Nutzerdaten zu unterbinden - und damit die Erstellung von User-Profilen. Die sind nämlich für die Webebranche bares Gold wert, kann sie doch auf Grundlage dieser Daten zielgenau ihre Werbung an Mann und Frau bringen.

Was seit der Einführung durch Mozilla Anfang 2011 inzwischen zum Standard in den meisten Browsern geworden ist, wollen nun auch in der Digital Advertising Alliance zusammengeschlossene Unternehmen wie Google, Yahoo, Microsoft, AOL oder Facebook ihren Nutzern bieten. Datenschützer sind erfreut und auch viele Netzbewohner scheinen die Button-Pläne gutzuheißen. In einer (nicht repräsentativen) Online-Umfrage des "Wall Street Journal" erklärten fast 93 Prozent, sie würden einen "do not track"-Knopf nutzen. Wird nun alles gut?

Ganz sicher nicht, so der Chor der Kritiker - die allerdings im Detail durchaus unterschiedlicher Ansicht sind. Die einen sagen: Die Unterbindung bestimmter Werbeformen bringe vor allem Umsatzverluste im Online-Werbebereich. Mit der Folge, dass für viele derzeit noch werbefinanzierte und für Nutzer damit gratis angebotene Inhalte künftig Gebühren fällig werden könnten, argumentiert "BusinessInsider".

Die anderen verweisen auf technische Unklarheiten des geplanten Datenschutzknopfs etwa "Techweb". Es sei überhaupt nicht sicher, was genau ein Browser eigentlich tue, wenn ein User den Zauber-Button drücke. Bis jetzt würden lediglich mit heißer Nadel gestrickte Regeln existieren. Schon seit langem könne sich jeder Surfer im Browser seiner Wahl mit einer Reihe von Einstellungen - von der Cookie-Blockade bis zur Proxy-Nutzung - gegen allzu neugierige Webseiten schützen. Nur, wer lege eigentlich den einheitlichen, für alle gültigen Standard fest? Und wie könnten Nutzer der Funktion sicher sein, dass sie nicht umgangen werden?

"ReadWriteWeb" schließlich findet die ganze Aktion nur albern. Die Pläne für den Datenschutzknopf würden am gleichen Manko leiden wie schon der Can-Spam-Act von 2003. Damals sollte per Gesetz das Spam-Aufkommen gesenkt werden. Jeder könne sich durch einen kurzen Blick in seinen Spam-Ordner von der Effizienz dieser Bestimmung überzeugen. Nicht Gesetze oder Absichtserklärungen von Unternehmen hätten die Menge von Spam-E-Mails gesenkt, sondern nur die Fortschritte in der technischen Entwicklung. Das gelte für unerwünschte Analysen des eigenen Surfverhaltens durch Dritte im gleichen Maße.

meu

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insgesamt 3 Beiträge
1. Verfolgungswerbung
Emil Peisker 24.02.2012
Bei Spiegel-Online gibt es Werbebereiche, die sich mit individualisierter Werbung an den gerade sich Online befindenden User, mit entsprechenden Cookies auf dem PC ausgestattet, richten. So hatte ich für meine Frau am [...]
Zitat von sysopUS-Politik und Unternehmen ziehen an einem Strang zum Wohl des Datenschutzes. Nicht alle finden diese Pläne überzeugend. Das wird teuer für die Internetnutzer, sagen die einen. Das funktioniert doch sowieso nicht, sagen die anderen. "Do not track": Obamas Datenschutz-Allianz stößt auf Kritik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,817295,00.html)
Bei Spiegel-Online gibt es Werbebereiche, die sich mit individualisierter Werbung an den gerade sich Online befindenden User, mit entsprechenden Cookies auf dem PC ausgestattet, richten. So hatte ich für meine Frau am Vortag bei einem Unternehmen eine neue "Kochstelle" per Internetbestellung erworben, und schon hatte ich beim nächsten Spon-Besuch in diesem Feld exakt das gleiche Teil als Angebot eingeblendet. Nachdem ich das Cookie des Verkäufers gelöscht hatte, war auch die Werbung verschwunden. Diese Systeme sind zwar schwachsinnig, denn wer würde sich kurz nach einem Kauf eines langlebigen Haushaltsgerätes gleich das Gleiche nochmal zulegen? Aber anscheinend geben Unternehmen dafür den Internetagenturen richtig Schotter. Diese Werbung ist zur gleichen Zeit, auf einem anderen PC, ohne dieses Cookie, nicht zu sehen.
2. Deutsche Sprache
Connor Larkin 24.02.2012
Und wieder ein Journalist der deutsche Redewendungen nicht kennt: Zitat:Die sind nämlich für die Webebranche bares Gold wert... Entweder "bares Geld wert" oder "Gold wert", aber was bitte soll [...]
Zitat von sysopUS-Politik und Unternehmen ziehen an einem Strang zum Wohl des Datenschutzes. Nicht alle finden diese Pläne überzeugend. Das wird teuer für die Internetnutzer, sagen die einen. Das funktioniert doch sowieso nicht, sagen die anderen. "Do not track": Obamas Datenschutz-Allianz stößt auf Kritik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,817295,00.html)
Und wieder ein Journalist der deutsche Redewendungen nicht kennt: Zitat:Die sind nämlich für die Webebranche bares Gold wert... Entweder "bares Geld wert" oder "Gold wert", aber was bitte soll "bares Gold" sein?
3.
Haraxa 18.03.2012
"Do not track+" hat mir auf den Spiegelseiten bereits neun(!) tracking Versuche angezeigt. Andere Seiten wie das ZDF oder FAZ sind demnach tracking-frei... keine gute Bilanz, wie ich finde für Spiegel Online :(
"Do not track+" hat mir auf den Spiegelseiten bereits neun(!) tracking Versuche angezeigt. Andere Seiten wie das ZDF oder FAZ sind demnach tracking-frei... keine gute Bilanz, wie ich finde für Spiegel Online :(

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Zum Autor

  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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