Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Datenschutz bei Tinder, Lovoo und Co.

Stiftung Warentest kritisiert Dating-Apps

Sexuelle Orientierung, Alter, Aufenthaltsorte: Wer online datet, vertraut Apps oft persönlichste Informationen an. Doch die Anbieter legen selten Wert auf Datenschutz und Transparenz, zeigt die Stiftung Warentest.

vario-images

Flirt (hier: analog)

Mittwoch, 21.02.2018   11:02 Uhr

Viele Dating-Apps versenden mehr Nutzerdaten als eigentlich nötig. Zu diesem Fazit kommt eine aktuelle Auswertung der Stiftung Warentest, die Donnerstag in der Ausgabe 3/2018 der Zeitschrift "test" erscheint. Die Tester haben dafür von November bis Januar insgesamt 22 grundsätzlich kostenlose Kennenlerndienste untersucht, mit alleinigem Fokus auf den Datenschutz.

Geht es in Diskussionen über Dating-Apps sonst meist um Kosten, etwaige Fake-Profile oder die Erfolgschancen, wirklich jemanden kennenzulernen, hat sich die Stiftung Warentest das Datensendeverhalten der iOS- und Android-Apps der Dienste angesehen, ebenso die zugehörige Datenschutzerklärung.

Getty Images

Das ernüchternde Ergebnis: Was das Datensendeverhalten angeht, haben die Tester bei 20 der 22 Dienste mindestens in einer der beiden App-Versionen "erhebliche Schwächen" ausgemacht. Bei Tinder, Grindr, Badoo und ElitePartner beispielsweise bekommen beide App-Varianten das Prädikat "kritisch", bei anderen Programmen wie eDarling, Lovescout24 und Neu.de gilt diese Einschätzung jeweils nur für die iOS-App. Lediglich zu den Diensten Bildkontakte und KissNoFrog heißt es plattformübergreifend, dass über die App keine "unnötigen Daten" versendet werden.

Beim Anbieter landen auch Infos zum genutzten Gerät

In einer Erklärung zum Vorgehen schreibt die Stiftung Warentest, dass sie bei allen Apps den Datenverkehr ausgelesen und analysiert habe - wie umfänglich genau, bleibt unklar. Das Urteil zum Datensendeverhalten habe "kritisch" gelautet, wenn eine App Daten sende, "die für ihren Betrieb nicht notwendig sind", heißt es. Als Beispiele für solche Daten werden die Geräteidentifikationsnummer des Smartphones und der Name des Mobilfunkanbieters genannt.

Als Problem sahen es die Tester außerdem an, wenn Daten aus den Profilen, etwa zum Alter des Nutzers, an Werbefirmen gesendet werden. Das soll etwa bei Grindr der Fall sein: Hier schickt die iOS-App demnach das Geschlecht und das Alter des Nutzers an Werbefirmen. Facebook erhalte von Grindr derweil den Namen des Mobilfunkanbieters und Nutzungsstatistiken der App.

Den Namen des Mobilfunkanbieters verraten Facebook auch beispielsweise die iOS-App von Lovoo und beide App-Varianten von Tinder, schreibt die Stiftung Warentest. Zu Tinder heißt es außerdem, die iOS-App übertrage Geräteinfos an eine US-Marketingfirma.

Wie schlimm sie eine Übermittlung solcher Daten finden, müssen Dating-Interessierte selbst abwägen. Im Artikel wird nicht erwähnt, ob und inwiefern die Datenweitergabe beim jeweiligen Anbieter Basis des Geschäftsmodells ist.

Vorsicht, Internet: Die besten Leser-Gedichte

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Keine Datenschutzerklärung ist "genau" genug

Doch auch das wäre kein Grund, dem Nutzer nicht klar zu sagen, welche Daten man für wen sammelt und zugänglich macht. Insofern werfen auch die Ergebnisse im zweiten Testbereich, einer Analyse der Datenschutzerklärungen, ein schlechtes Licht auf den Markt der Dating-Apps.

Bei keinem der 22 Dienste kommen die Tester der Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass die Informationen darüber, wie gesammelte Daten genutzt und weitergegeben werden, "genau" seien. 17 Mal lautet das Fazit "ungenau", fünf Mal sogar "sehr ungenau". Bei den Apps Grindr, Happn und Romeo kritisieren die Tester zudem, dass die Datenschutzerklärung nur in englischer Sprache abrufbar ist.

Dass man sich auf den Schutz seiner Informationen bei Dating-Apps nicht blind verlassen sollte, hat sich in der Vergangenheit übrigens schon öfter gezeigt - auch jenseits bewusster Datenweitergaben der Unternehmen. So wurde zum Beispiel erst kürzlich bekannt, dass Hacker bei Tinder Interaktionen von Nutzern nachvollziehen konnten, wenn sie sich im selben Netzwerk befanden. Und 2015 machte AshleyMadison.com weltweit Schlagzeilen, weil nach einem Hack Nutzerdaten des Seitensprungportals im Netz veröffentlicht wurden.

Fotostrecke

Von Equifax über LinkedIn bis Yahoo: Das sind die größten Hackerangriffe

Tatsächlich sollte man also gleich vor zwei Hintergründen - mit Blick aufs jeweilige Geschäftsgebaren und auf mögliche Sicherheitslücken - überlegen, welche Daten man einer Dating-App anvertraut. Die Stiftung Warentest betont zu diesem Thema auch noch einmal: "Alles, was Dating-App-Anwender öffentlich auf ihr Profil stellen, kann von anderen Nutzern und vom App-Anbieter gesehen werden."

SPIEGEL.TV über die digitale Partnersuche: Dating-App vs. Single-Blog

Foto: SPIEGEL TV

Lesetipp

mbö

insgesamt 8 Beiträge
dasfred 21.02.2018
1. Bei der Liebe setzt der Verstand aus
Da können die Warnungen gar nicht deutlich genug ausgesprochen werden. Männer auf der Suche nach der schnellen Nummer, Frauen in Hoffnung auf die große Liebe sind anfällig für diese Apps. Da wird alles ausgeblendet was nicht [...]
Da können die Warnungen gar nicht deutlich genug ausgesprochen werden. Männer auf der Suche nach der schnellen Nummer, Frauen in Hoffnung auf die große Liebe sind anfällig für diese Apps. Da wird alles ausgeblendet was nicht ins Bild passt. Wer dennoch mit diesen Apps die Liebe sucht, sollte sich wenigstens der Konsequenz bewusst sein. Auch Fake Profile sind ja oft genug thematisiert worden. Diese Geschichten von " Ich liebe dich, schick Geld " füllen ganze Ordner. Wer etwas über sich ins Netz stellt, sollte sich fragen, würde ich die Bilder und Daten auf einer Schautafel vor der Haustür, für jeden Passanten sichtbar, aushängen oder wäre mir das peinlich?
fl3 21.02.2018
2. Werbung sollte auch als solche ausgewiesen sein
Der Artikel hat in etwas so viel Inhalt wie die Datenschutzerklärungen der Anbieter (wenn man dem Artikel glauben darf). @Spiegel: Wenn ihr Werbung für andere in Artikel verpackt, kennzeichnet doch bitte den Artikel als [...]
Der Artikel hat in etwas so viel Inhalt wie die Datenschutzerklärungen der Anbieter (wenn man dem Artikel glauben darf). @Spiegel: Wenn ihr Werbung für andere in Artikel verpackt, kennzeichnet doch bitte den Artikel als Werbung.
brooklyner 21.02.2018
3.
Sehr zu begrüssen, dass dieses ansonsten völlig ignorierte Thema Mal angesprochen wird. Ich predige das seit Jahren. Während man sich allerorten bemüht, nicht allzuviel über sich preiszugeben, scheint bei Nutzern der [...]
Sehr zu begrüssen, dass dieses ansonsten völlig ignorierte Thema Mal angesprochen wird. Ich predige das seit Jahren. Während man sich allerorten bemüht, nicht allzuviel über sich preiszugeben, scheint bei Nutzern der Datingportale der Verstand auszusetzen. Was die Nutzer beim Erstellen des Persönlichkeitsprofils preisgeben, ist für die Betreiber ein Schatz sondersgleichen. Das geht weit über die Analyse des Kaufverhaltens bei Amazon hinaus. In der Hoffnung, den ersehnten Traumpartner zu finden, gibt der Nutzer möglichst ehrliche Antworten. Durch die Beantwortung der Fragen lässt sich ein sehr detailliertes Profil des Nutzers erstellen, das sich für sehr viel Geld verkaufen lässt. Da ist es den Betreibern völlig egal, ob sich die Nutzer irgendwann wieder abmelden, weil sie den Traumpartner doch nicht gefunden haben.
mirage122 21.02.2018
4. Wer sein Leben "verAPPt ...,
ist doch irgendwie arm dran. Ist denn den Nutzern nicht bewusst, dass damit nur Werbe-Daten weiter gegeben werden, die dann von Unternehmen eifrig genutzt werden, um sie mit allem möglichen "Müll" voll zu schütten?
ist doch irgendwie arm dran. Ist denn den Nutzern nicht bewusst, dass damit nur Werbe-Daten weiter gegeben werden, die dann von Unternehmen eifrig genutzt werden, um sie mit allem möglichen "Müll" voll zu schütten?
scottbreed 21.02.2018
5. Also in Prinzip
Sind solche dating apps nur auf geooteten Handys nutzbar mit zusätzlichen Tools wie xprivacy und Device faker... Um eben sowas zu unterbinden und eben solchen apps nur Müll Informationen zu senden... tja root ist in meinen [...]
Sind solche dating apps nur auf geooteten Handys nutzbar mit zusätzlichen Tools wie xprivacy und Device faker... Um eben sowas zu unterbinden und eben solchen apps nur Müll Informationen zu senden... tja root ist in meinen Augen doch ein zusätzlicher sicherheitsgewinn auf smartfons.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP