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Russisches Gericht lässt Telegram blockieren

Telegram weigert sich, Russlands Geheimdienst den Zugang zu verschlüsselten Botschaften zu ermöglichen. Ein Gericht entschied nun, dass Mobilfunkanbieter die App deswegen blockieren müssen.

REUTERS

Smartphone-Nutzer vor dem Logo von Telegram

Freitag, 13.04.2018   15:19 Uhr

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines langen Streits: Ein Moskauer Gericht hat geurteilt, dass die Messenger-App Telegram in Russland blockiert werden muss. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS. Die Sperrung solle bestehen bleiben, bis das Unternehmen dem Inlandsgeheimdienst FSB das Mitlesen verschlüsselter Chats ermöglicht.

Vergangene Woche hatte die zuständige Aufsichtsbehörde Roskomnadsor Klage eingereicht, um die Blockade gerichtlich zu erzwingen. Mit dem Urteil vom Freitag kann sie Telegram auf eine Liste von Diensten setzen, die von den russischen Mobilfunkanbietern gesperrt werden müssen.

"Bloomberg" zufolge sagte die Richterin, Telegram könne die Entscheidung zwar binnen 30 Tagen anfechten. Umgesetzt werden müsse sie zuvor aber dennoch.

In welcher Frist die Entscheidung ausgeführt werde, ob in einer Stunde, zwei, in einem Tag oder mehr, obliege der Entscheidung von Roskomnadsor, teilte das Gericht weiter mit.

Gesetz zwingt Internetfirmen zur Kooperation mit Behörden

Bereits 2017 wurde Telegram zu einer Geldstrafe verurteilt, weil es die weitgehende Kooperation mit dem FSB verweigerte.

Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 200 Millionen Menschen weltweit die App, knapp zehn Millionen davon in Russland. In mehreren Ländern gilt Telegram unter anderem wegen der optionalen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als beliebter Kommunikationskanal von Extremisten. Bei einer solchen Verschlüsselung verbleiben die Schlüssel auf den Geräten der Nutzer.

Standardmäßig ist bei Telegram aber nur die Übertragung von Nachrichten durch eine Transportverschlüsselung gesichert, nicht der Inhalt der Nachrichten selbst. Die Schlüssel zum Dechiffrieren der Transportverschlüsselung kontrolliert Telegram - das Unternehmen könnte sie also den Behörden zur Verfügung stellen, so wie es ein russisches Gesetz seit Anfang des Jahres vorsieht. Telegram war kürzlich vor Russlands höchstem Gericht mit dem Versuch gescheitert, das Gesetz für verfassungswidrig erklären zu lassen.

Telegram-Gründer Pavel Durov teilte am Freitag mit, sein Unternehmen werde eine in die App integrierte Technik nutzen, um die Blockade zu umgehen. BNutzer müssten dazu nicht aktiv werden. Eine hundertprozentige Funktionsfähigkeit von Telegram könne er aber nicht garantieren. Nutzer sollten VPN- oder Proxydienste nutzen, um ihre Nutzung zu verschleiern.

pbe/beb/Reuters

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