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Netzwelt

Trojaner "Locky"

Erpresser-Software infiziert 17.000 deutsche Rechner an einem Tag

Ein Trojaner namens "Locky" legt weltweit Rechner lahm, für die Freischaltung fordern Erpresser dann Lösegeld. Die Schadsoftware verbreitet sich rasant - besonders in Deutschland.

Kevin Beaumont

Verbreitung von "Locky": Besonders Deutschland betroffen

Von
Freitag, 19.02.2016   15:28 Uhr

Allein in den vergangenen 24 Stunden hat der Trojaner "Locky" etwa 17.000 Rechner in Deutschland infiziert. Das teilte der britische IT-Experte Kevin Beaumont am Freitagmittag SPIEGEL ONLINE mit. Die Auswirkungen von "Locky" in Deutschland seien enorm, schreibt er in einem Statement.

Deutschland ist demnach das mit Abstand am stärksten betroffene Land. In den USA sind in den vergangenen 24 Stunden knapp 11.000 Rechner infiziert worden, danach folgen die Niederlande und Italien mit etwa 5000 neuen Infektionen.

Der Netzwerkkonzern Palo Alto Networks geht davon aus, dass weltweit bereits 400.000 Rechner von dem Trojaner betroffen sind und die Erpresser mehrere hunderttausend Dollar erwirtschaftet haben. Laut "Heise" versteckt sich "Locky" möglicherweise schon seit längerer Zeit auf vielen Rechnern und ist nun zentral scharfgeschaltet worden.

Nach Angaben der dpa hat sich "Locky" unter anderem am Fraunhofer-Institut in Bayreuth eingenistet und dort am Mittwoch etwa 60 PC-Arbeitsplätze lahmgelegt. Die Schadsoftware ist offenbar über einen der PC-Arbeitsplätze ins Netzwerk des Instituts gelangt und habe sich dann selbstständig weiterkopiert.

Auch ein Krankenhaus in Los Angeles ist einem "Forbes"-Bericht zufolge von der Schadsoftware lahmgelegt worden. Um nach dem Angriff wieder an die verschlüsselten Daten zu gelangen, habe das Krankenhaus sogar einen Betrag von 17.000 US-Dollar überwiesen.

So zerstört "Locky" die Daten auf den Rechnern

Die Erpresser infizieren Windows-Rechner mit einem Trojaner, der wichtige Dateien zunächst verschlüsselt und dann umbenennt. Die Dokumente haben nach dem Prozess die Endung .locky, daher hat der Trojaner auch seinen Namen. Die Verschlüsselung ist kaum zu knacken, wenn die Angaben der Erpresser stimmen. Demnach werden die Dateien mit einem RSA-Kryptoschlüssel und einer AES-Verschlüsselung unbrauchbar gemacht.

Sobald die Dateien verschlüsselt sind, erscheint ein Erpresserbrief mit einer Lösegeldforderung. Der Brief existiert in mehreren Sprachen und erscheint hierzulande auch in deutscher Sprache bei den betroffenen Nutzern.

Darin steht, dass die Dateien nur mit einer speziellen Software namens "Locky Decryptor" gerettet werden können. Und für diese Software verlangen die Erpresser einen Betrag von 0,5 Bitcoin, was laut dem aktuellen Kurs der Kryptowährung rund 200 Euro entspricht.

Kevin Beaumont
Die Erpresser haben diese Methode der Überweisung gewählt, weil sie damit nicht aufgespürt werden können. Bitcoin-Überweisungen laufen verschlüsselt ab und können daher nicht nachverfolgt werden. "Bezahlung mit Bitcoins ist durchaus üblich, weil das zusammen mit dem Tor-Netzwerk einen hohen Grad an Anonymität liefert", sagte der Sicherheitsexperte Christian Funk von Kaspersky Lab SPIEGEL ONLINE.

Die Mitarbeiter der Anti-Virus-Firma hätten vor allem zwei mögliche Angriffsflächen für die Schadsoftware entdeckt. "'Locky' gelangt über Fake-Rechnungen im Anhang auf den PC", sagt Funk. Sobald der Anhang geöffnet werde, werde die Schadsoftware automatisch heruntergeladen. Bei den E-Mails handelt sich unter anderem um eine deutsche Mitteilung eines vermeintlichen Wurstwarenkonzerns, eine Rechnung zu begleichen. Im Anhang dieser E-Mail liegt eine Zip-Datei, in der sich die Javascript-Schadsoftware versteckt.

Aber auch über den Browser können sich Nutzer den Trojaner einhandeln. "Wir haben einige legitime Websites entdeckt, die die 'Locky'-Schadsoftware ausliefern." Sofern eine Schwachstelle auf dem Rechner ausgenutzt werden kann, genüge es, die Seite zu besuchen, um die Daten auf dem Windows-PC zu zerstören.

Kevin Beaumont
Da "Locky" erst seit rund zwei Wochen im Netz kursiert, reagieren viele Anti-Viren-Programme noch nicht auf die Bedrohung. Auch bei Kaspersky wird "Locky" noch nicht konkret erkannt. Nach eigenen Angaben verhindert aber der Ransomware-Schutz, dass "Locky" sich ausbreitet. "'Locky' ist derzeit ein sehr großes Problem" und verbreite sich sehr rasant, sagt Funk. Bei der Software handle es sich um ein komplett neue Variante an sogenannter Ransomware ("Lösegeld-Software").

Und so schützen Sie sich vor einer Infektion:

Deaktivieren Sie die Makro-Funktion in Dokumenten, die Sie per E-Mail erhalten. Vor allem bei Nachrichten von fremden Personen sollten Sie vorsichtig sein. "Locky" wird nach Angaben von Sicherheitsexperten in aller Regel über E-Mail-Anhänge eingeschleust, die sich etwa als harmloses Word-Dokument tarnen, aber im Hintergrund die gefährliche Software ausführen.

"Locky" verschlüsselt die Dateien nach Angaben der Erpresser so gut, dass sie unbrauchbar werden. Sichern Sie Ihre Daten also möglichst per Back-up, damit sie Ihre Dokumente im Notfall wiederherstellen können. Am besten eignet sich eine dafür eine Festplatte, die nicht ständig mit dem PC verbunden ist, wie eine externe USB-Platte.

Um Sicherheitslücken zu schließen, sollten Sie möglichst alle Programme auf Ihrem Rechner auf den neuesten Stand bringen. Installieren Sie Patches für den Browser, für Office-Anwendungen und den Flash-Player. Malware-Programme nutzen Sicherheitslücken in dieser Software aus. Mit Updates sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Schadsoftware eine Lücke ausnutzen kann.

mit Material von dpa

insgesamt 249 Beiträge
f-rust 19.02.2016
1. Danke für diesen Hinweis!
prima Hilfe bzw. Warnung. danke
prima Hilfe bzw. Warnung. danke
nrq 19.02.2016
2.
---Zitat--- Da "Locky" erst seit rund zwei Wochen im Netz kursiert, reagieren viele Anti-Viren-Programme noch nicht auf die Bedrohung. ---Zitatende--- Ist das ein Witz? Oder ein Verschreiber? Wenn da "zwei [...]
---Zitat--- Da "Locky" erst seit rund zwei Wochen im Netz kursiert, reagieren viele Anti-Viren-Programme noch nicht auf die Bedrohung. ---Zitatende--- Ist das ein Witz? Oder ein Verschreiber? Wenn da "zwei Stunden" stehen würde könnte ich das verstehen, zwei Wochen sind aber schon eine ganz schön lange Zeit. Da brauche ich kein Produkt von einem Schlangenölproduzenten, wenn es mich zwei Wochen lang ungeschützt im Regen stehen lässt.
dw13 19.02.2016
3. Was SPON lieber verschweigt
Zu den Tipps lässt sich ein weiterer hinzufügen: Surfen Sie niemals ohne Werbeblocker. Die meisten Seiten lassen Werbung über entsprechende Dienstleister einblenden und haben daher keinen Einfluss darüber, welche Kunden was [...]
Zu den Tipps lässt sich ein weiterer hinzufügen: Surfen Sie niemals ohne Werbeblocker. Die meisten Seiten lassen Werbung über entsprechende Dienstleister einblenden und haben daher keinen Einfluss darüber, welche Kunden was schalten lassen. So kann schädlicher Code auch auf vermeintlich seriöse Seiten gelangen. Surfen ohne Werbeblocker ist daher immer ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Vollgasmeister 19.02.2016
4. Immer Windows
Immer das gleiche gezetere, das anfällige Windows. Wer NICHT spezielle Spiele spielt soll doch endlich auf Linux / Ubuntu oder MacOS umsteigen, da hat man solche Probleme nicht bzw. das ganze OS ist deutlich besser. [...]
Immer das gleiche gezetere, das anfällige Windows. Wer NICHT spezielle Spiele spielt soll doch endlich auf Linux / Ubuntu oder MacOS umsteigen, da hat man solche Probleme nicht bzw. das ganze OS ist deutlich besser. Besonders die ewig-gestrigen Deutschen Behörden mit ihrem Uralt-Windows fallen immer besonders negativ auf. Hier werden außerdem Millionen an Steuergeldern für Lizensen sinnlos verpulvert.
krsone 19.02.2016
5. Deutschland besonders betroffen...
... wie kann DAS nur sein! Sorry aber passt zur deutschen Naivität wie die Faust aufs Auge.
... wie kann DAS nur sein! Sorry aber passt zur deutschen Naivität wie die Faust aufs Auge.

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