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Netzwelt

Neues Sicherheits-Smartphone

Nur ein bisschen Blackberry

Oft totgesagt, ist am Sonnabend in Barcelona ein neuer Blackberry vorgestellt worden. Natürlich mit Tastatur, natürlich mit Sicherheitssoftware, doch auch mit Googles Android und unter chinesischer Führung.

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Der neue Blackberry KEYone

Von
Sonntag, 26.02.2017   09:59 Uhr

Mit so vielen Gästen, wie letztlich gekommen sind, hatte man bei Blackberry offenbar nicht gerechnet. Der Saal in dem die Pressekonferenz zwei Tage vor Beginn des Mobile World Congress in Barcelona veranstaltet wurde war jedenfalls enger bestuhlt als der Billigflieger, mit dem ich nach Barcelona geflogen war.

Doch genau darüber freute sich Nicolas Zibell, Chef von TCL Communication. Der chinesische TCL-Konzern hat sich von Blackberry das Recht gesichert, Smartphones unter der Marke Blackberry auf den Markt zu bringen. "Wir sind glücklich und geehrt, eine so wichtige Rolle für die Zukunft der BlackBerry-Smartphones zu spielen", sagt er, zu Beginn seiner Rede, um dann dazu auszuholen, dass Blackberrys von TCL nach seiner Meinung in Zukunft noch besser sein werden als bisher.

Doch das, was er dann zeigt, Blackberry KEYone genannt, hat nur noch in Teilen etwas mit den alten Blackberrys zu tun. Die Hardware stammt von TCL, das Betriebssystem von Google. Nur Teile der Software kommen wirklich noch von RIM. Das ist zum einen der Blackberry, eine Art Sammelstelle für Nachrichten aller Art. Und zum anderen die DTEK-App, ein Softwarepaket, das das Gerät absichern soll, gegen Eindringlinge von außen, gegen Schadsoftware, gegen Abhörversuche.

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Blackberry DTEK-App auf einem KEYone

Verpackt ist das in einem robusten Metallgehäuse mit einer gummierten Rückseite. Das wirkt wertig, aber nicht so edel wie seinerzeit etwa der Blackberry Priv.

Die Idee für die Tastatur stammt natürlich von Blackberry. Sie ist fest unter den Bildschirm montiert, kann nicht weggeklappt oder zurückgeschoben werden. Und sie funktioniert ganz ähnlich wie die Tastaturen der letzten kanadischen Blackberrys, kann also auch wie ein Trackpad benutzt werden, wenn man mit dem Finger darüber streicht. So kann man beispielsweise schnell durch eine Webseite scrollen oder von App zu App wechseln.

Zudem kann jede einzelne Taste mit einer Funktion belegt werden. Etwa so, dass ein langer Druck auf das "f" die Facebook,-App öffnet und ein ebenso langer Druck auf "w" die Wettervorhersage anzeigt.

Auf der Bühne lobte ein TCL-Manger die Tastatur auch, weil sie mehr Freiraum auf dem Bildschirm schaffe, weil beim Tippen keine Bildschirmtastatur einen Teil des Displays bedeckt. Das stimmt freilich nur, solange man die Auflösung des Bildschirms außer Acht lässt. Denn während andere Smartphones dieser Größenordnung mindestens 1920 x 1080 Bildpunkte auf 5,5 Zoll anzeigen, hat der neue Blackberry nur 1620 x 1080 Pixel auf 4,5 Zoll zu bieten.

Schwieriger Start

Auch was die sonstige technische Ausstattung angeht, ist der Blackberry KEYone eher Mittelmaß. Seinen Qualcomm-Prozessor findet man in vielen Mittelklasse-Smartphones, Die Hauptkamera verfügt über 12 Megapixel, wurde in Barcelona nur am Rande erwähnt. Was sie taugt, ließ sich im schlecht beleuchteten Veranstaltungssaal nicht abschätzen.

Dafür haben TCLs Ingenieure einen sehr großen Akku in das Gehäuse gesteckt, der Energie für einen Tag Laufzeit liefern und sich binnen einer halben Stunde zur Hälfte wieder aufladen lassen soll. Vor allem aber ist ein nicht modifiziertes Android 7.1 vorinstalliert. Die neueste Version des Google-Betriebssystems also, mit den neuesten Sicherheitsupdates.

Zum Mega-Erfolg wird aber auch das den KEYone nicht machen können. Mit einem Preis von 599 Euro positioniert TCL den neuen Blackberry in der Oberklasse. Im Datenblatt-Vergleich muss der sich jedoch vielen besser ausgestatteten Konkurrenzmodellen in diesem Preisbereich geschlagen geben. Blackberrys Sicherheitssoftware und die Tastatur lässt sich TCL teuer bezahlen.

insgesamt 21 Beiträge
bran_winterfell 26.02.2017
1. Hub?
"Nur Teile der Software kommen wirklich noch von RIM. Das ist zum einen der Blackberry, eine Art Sammelstelle für Nachrichten aller Art." Ich denke, hiermit ist eher der "Hub" gemeint, neben der Tastatur der [...]
"Nur Teile der Software kommen wirklich noch von RIM. Das ist zum einen der Blackberry, eine Art Sammelstelle für Nachrichten aller Art." Ich denke, hiermit ist eher der "Hub" gemeint, neben der Tastatur der Hauptgrund, weswegen ich mein BlackBerry Passport so liebe. Der verwendete Prozessor soll angeblich besonders wenig Energie brauchen und damit die Laufzeit des Handys verlängern, aber Preis und das vage Release-Datum sind schon eine Enttäuschung.
Bernd.Brincken 26.02.2017
2. Sicherheits-Software
Es wäre schon noch interessant zu erfahren, welche Funktionen die "Blackberry Sicherheits-Software" bietet.
Es wäre schon noch interessant zu erfahren, welche Funktionen die "Blackberry Sicherheits-Software" bietet.
kalle.karr 26.02.2017
3. im Datenblatt-Vergleich viele Konkurrenzmodellen besser ausgestattet?
Sehr geehrter Herr Kremp, welche Konkurrenzmodelle mit u.a. - einer qualitativ-hochwertigen Tastatur - einem ergonomischen, rutschfesten und hochwertig-verarbeiteten Gehäuse - Kommunikations-Cockpit (Hub) - [...]
Sehr geehrter Herr Kremp, welche Konkurrenzmodelle mit u.a. - einer qualitativ-hochwertigen Tastatur - einem ergonomischen, rutschfesten und hochwertig-verarbeiteten Gehäuse - Kommunikations-Cockpit (Hub) - Sicherheits-Software (DTEK-Security) haben Sie zu Ihrem Vergleich herangezogen? Ich finde mit dem Datenblatt einfach keine anderen Modelle. Mit der Bitte um Ihre fachmännische Rückmeldung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Kalle Karr
Tante_Frieda 26.02.2017
4. Kluger Schachzug
Der TCL-Konzern setzt das fort,was er schon vor vielen,vielen Jahren begonnen hat:Er kauft sich die Namensrechte an insolventen Firmen und erspart sich teure Kampagnen,um einen Namen bekannt zu machen.Inzwischen gibt es [...]
Der TCL-Konzern setzt das fort,was er schon vor vielen,vielen Jahren begonnen hat:Er kauft sich die Namensrechte an insolventen Firmen und erspart sich teure Kampagnen,um einen Namen bekannt zu machen.Inzwischen gibt es hierzulande eine Unmenge von Produkten,deren Namen jeder kennt (u.a. die einstige Plattenspieler-Marke Dual,Nordmende,Saba,Telefunken,Alcatel und die kleinen Küchengeräte von AEG - die großen Geräte der letzteren Marke werden von Electrolux hergestellt),von denen aber die wenigsten wissen,dass diese Firmen physisch gar nicht mehr existieren.Man darf gespannt sein,ob sie mit dem Portefeuille-Neuzugang Blackberry einen ähnlichen Erfolg haben.
max.fi 26.02.2017
5. So, so ein neues Blackberry
Mi Tastatur, anfälliger Software, einer nicht mehr zeitgemäßen Kamera und einem Display der Unterklasse. Für € 599! Wohl bekomm's, ich werde es sicher nicht in Erwägung ziehen.
Mi Tastatur, anfälliger Software, einer nicht mehr zeitgemäßen Kamera und einem Display der Unterklasse. Für € 599! Wohl bekomm's, ich werde es sicher nicht in Erwägung ziehen.

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