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Netzwelt

Smartphone im Test

Das kann Samsungs neues Galaxy S8

Für das Galaxy S8 verspricht Samsung edles Design, einen intelligenten Assistenten und einen Endlosbildschirm. Im Test zeigt sich: Nicht all diese Versprechen kann das Smartphone einlösen.

SPIEGEL ONLINE
Von
Mittwoch, 19.04.2017   11:55 Uhr

Als Infinity-Display bezeichnet Samsung die Bildschirme seiner neuen Flaggschiff-Smartphones Galaxy S8 und Galaxy S8+. Unendlich sind die Displays natürlich trotzdem nicht. Der Begriff soll offenbar darauf hinweisen, dass die Displays der beiden neuen Handys so elegant um die Seite gebogen sind, dass man kaum erahnt, wo sie enden. Zumindest nicht, solange der Bildschirm abgeschaltet ist.

Beim Einschalten merkt man, dass etwas anderes viel wichtiger ist: Die Bildschirme vom S8 und S8+ wirken gestreckt, langgezogen und dadurch sehr schlank. Während die meisten Smartphones Bildschirme im 16:9-Format haben, das man vom Fernseher kennt, beträgt das Seitenverhältnis bei den neuen Samsungs 18,5:9.

Samsungs Argument, man habe dadurch mehr Platz auf dem Bildschirm, ist richtig - allerdings nur in vertikaler Richtung. Zudem nützen einem die 400 zusätzlichen Pixelzeilen ausgerechnet beim Filmegucken oft nichts. Im Test präsentierten Google Play und Netflix Filme auf den extrabreiten Bildschirmen im 16:9-Format, mit dicken schwarzen Trauerrändern.

In der YouTube-App hingegen kann man das Videobild auf die volle Bildschirmbreite ausdehnen lassen. Dabei gehen freilich der obere und untere Bildrand verloren. Im Player von Amazon Prime Video werden manche Filme auf dem S8 bildschirmfüllend wiedergegeben, andere nicht.

Extrapixel einschalten

Auch sonst hat man von den Extrapixeln nicht immer etwas. In vielen Apps beansprucht die virtuelle Tastenleiste am unteren Bildschirmrand einen Teil des Bildschirms. Sie ist nötig, weil das Galaxy S8 keine physische Home-Taste hat. In manchen Apps, etwa der Foto-App, wird die virtuelle Tastenleiste dezent ausgeblendet und springt nur hervor, wenn man sie braucht. Im Browser und vielen anderen Apps hingegen bleibt die virtuelle Home-Taste immer sichtbar.

Ohnehin nutzen die beiden Geräte ihre volle Auflösung im Auslieferungszustand nicht aus. Erst, wenn man die Bildschirmauflösung manuell ändert, wird von den voreingestellten 2220 x 1080 Pixeln auf die 2960 x 1440 Pixel hochgeschaltet, die die Bildschirme physikalisch haben.

Lieber gucken als drücken

Anders als die Bildschirmauflösung kann man die Position des neuen Fingerabdruckscanners leider nicht ändern. Der Sensor liegt bei S8 und S8+ auf der Rückseite, rechts neben der Kamera. Beim Versuch, sich per Fingerabdruck zu identifizieren, wischt man als Rechtshänder fast zwangsläufig mit dem Finger über das Objektiv und verschmutzt es dabei.

Die Gesichtserkennung arbeitet da zuverlässiger: Sowohl mit als auch ohne Lesebrille erkennt das System mein Gesicht dank Infrarottechnik, sei es bei hellem Licht oder in völliger Dunkelheit. Einen Fehler sollte Samsung aber noch beheben: Nach dem Einschalten oder einem Neustart weist das System nicht darauf hin, dass man sich erst mit seiner PIN oder einer anderen Methode anmelden muss, bevor die biometrischen Systeme nutzbar werden. Anfänger könnten an diesem fehlenden Hinweis scheitern.

Kameras kann Samsung

Darauf, dass die Kameras - wie schon beim Galaxy S7 - ein Highlight sind, muss Samsung hingegen nicht hinweisen. Das merkt man nach den ersten Schnappschüssen. Viel hat sich gegenüber dem Vorgängermodell allerdings nicht verändert: Die Hauptkamera hat 12 Megapixel und Blende F1.7, die Frontkamera wurde bei gleicher Blende von 5 auf 8 Megapixel aufgewertet.

Vor allem mit der rückwärtigen Kamera lassen sich teils hervorragende Fotos machen. Unsere Testbilder bei schlechter Beleuchtung ergaben zum Teil verblüffend gute Ergebnisse (siehe Fotostrecke). Die Kameras im S8 und S8+ gehören mit Sicherheit zum Besten, was man in dieser Kategorie derzeit bekommen kann.

Vergessen Sie Bixby

So gut die Kameras sind, so enttäuschend sind meine Erfahrungen mit Samsungs digitalem Assistenten Bixby - oder dem, was davon bislang fertig ist. Im März hatte Samsung Wunderdinge für seine künstliche Intelligenz versprochen. Leider ist die Bixby-Software auf meinen Testgeräten weit von dem entfernt, was da angekündigt wurde.

Zum Start soll die Sprachsteuerung nur auf Chinesisch und Koreanisch möglich sein. Englisch werde in ein paar Monaten folgen, die Anpassung an Deutsch noch länger dauern, heißt es von Samsung. Nach einem Update, das ich am 17. April auf den Testgeräten installieren konnte, tauchten die Sprachfunktionen immerhin auf, nutzen konnte ich sie jedoch nicht. Vorerst bleibt Bixby also ein stummer Diener.

Als solcher tut er nichts, was der ohnehin im Android-7.0-Betriebssystem des S8 vorhandene Google Assistant nicht auch könnte: Er zeigt Kalendereinträge an und erinnert an Termine, hat eine Wettervorhersage parat, listet ein paar aktuelle Nachrichten auf und kann noch ein paar weitere Kleinigkeiten. Ein Zusatznutzen gegenüber Googles Angebot ist nicht erkennbar.

Enttäuschend verliefen auch meine Versuche, Bixby Vision zu benutzen. Samsungs Versprechen: Die Software soll mit der Kamera fokussierte Objekte erkennen, Informationen oder ähnliche Bilder anzeigen - oder gleich auf einen Onlineshop verweisen können, in dem man solche Objekte kaufen kann. Tatsächlich klappte das bei 20 bis 30 Versuchen nur ein einziges Mal. Ansonsten konnte Bixby Vision nicht einmal einen Schokoladen-Osterhasen als solchen erkennen (siehe Fotostrecke).

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Sehr gute Kameras

Hochwertige Materialien und Verarbeitung

Sehr umfangreiche technische Ausstattung

Bixby bisher weitgehend nutzlos

Ungüstige Position des Fingerabdrucksensors

Fazit

Betrachtet man nur die Hardware, ist das Galaxy S8 Samsungs Meisterstück: Der Bildschirm ist großartig, die Kamera sowieso, Design und Verarbeitung überzeugen, Leistung hat es genug. Doch der überambitionierte Versuch, neben dem Google Assistant eine eigene künstliche Intelligenz auf Android zu etablieren, scheitert vorerst mit Bausch und Bogen.

Wer mit dem Kauf eines S8 oder S8+ liebäugelt, sollte deshalb genau überlegen, ob sich die Anschaffung lohnt. Immerhin kostet ein S8 799 Euro, das S8+ gar 899 Euro, beide sind mit 64 GB erweiterbarem Speicher bestückt. Gleichzeitig wird das immer noch sehr attraktive Galaxy S7 online zu Preisen ab 400 Euro angeboten, ein S7 Edge bekommt man ab 500 Euro. Die schärfste Konkurrenz zum neuen Galaxy S8 hat Samsung damit selbst zu bieten.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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insgesamt 43 Beiträge
_ilaed 18.04.2017
1. Die Schwalbe?
Laut Bildunterschrift zu Bild 13 wird "The Martin", also "Die Schwalbe" gezeigt. Nach dem Bildmaterial zu urteilen handelt es sich dabei jedoch wohl eher um "The Martian". Die Schwalbe ist jedoch [...]
Laut Bildunterschrift zu Bild 13 wird "The Martin", also "Die Schwalbe" gezeigt. Nach dem Bildmaterial zu urteilen handelt es sich dabei jedoch wohl eher um "The Martian". Die Schwalbe ist jedoch übrigens auch absolut sehenswert.
Rolly 18.04.2017
2. Gesichtserkennung
Wenn ihr schon so begeistert über die ach so gute Gesichtserkennung berichtet, solltet ihr auch dazu schreiben dass sich diese mit einem Foto überlisten läßt: [...]
Wenn ihr schon so begeistert über die ach so gute Gesichtserkennung berichtet, solltet ihr auch dazu schreiben dass sich diese mit einem Foto überlisten läßt: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Samsung-Galaxy-S8-angetestet-Gesichtserkennung-laesst-sich-mit-Foto-ueberlisten-3682421.html
bigfraggle007 18.04.2017
3.
Das betraf erst einmal nur die Vorseriensoftware. Möglich, dass das schon längst gefixt ist.
Zitat von RollyWenn ihr schon so begeistert über die ach so gute Gesichtserkennung berichtet, solltet ihr auch dazu schreiben dass sich diese mit einem Foto überlisten läßt: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Samsung-Galaxy-S8-angetestet-Gesichtserkennung-laesst-sich-mit-Foto-ueberlisten-3682421.html
Das betraf erst einmal nur die Vorseriensoftware. Möglich, dass das schon längst gefixt ist.
redneck 18.04.2017
4. Thematisierung der Haltbarkeit statt Design und Features
Mir ist aufgefallen das die Phones immer schneller kaputtgehen und auch fehlerbehaftet bei Auslieferung sind. Es scheint als ob die meisten Hersteller komplett überfordert sind. Das Produkt hält nun halb so lang bei doppeltem [...]
Mir ist aufgefallen das die Phones immer schneller kaputtgehen und auch fehlerbehaftet bei Auslieferung sind. Es scheint als ob die meisten Hersteller komplett überfordert sind. Das Produkt hält nun halb so lang bei doppeltem Preis. Die Marketingkriterien bling, dünn, gebogen und die Endpreise müssen neu überdacht werden.
master-of-davinci 18.04.2017
5. Schmutzfink
" Beim Versuch, sich per Fingerabdruck zu identifizieren, wischt man als Rechtshänder fast zwangsläufig mit dem Finger über das Objektiv und verschmutzt es dabei." Hier gilt für Sie wie für die [...]
" Beim Versuch, sich per Fingerabdruck zu identifizieren, wischt man als Rechtshänder fast zwangsläufig mit dem Finger über das Objektiv und verschmutzt es dabei." Hier gilt für Sie wie für die Tastaturverdrecker.... "Fass mich nicht mit deinen Drecksgriffeln an - geh Hände waschen!" Anders gesagt, wer sein Display permanent verschmutzt, hat andere Sorgen als ein verschmutztes Objektiv.

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