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Google Home im Test

"Okay, Google" - was kann dein Lautsprecher?

Der Google Home soll auf fast jede Frage eine Antwort finden, ein smartes Zuhause steuern und auch noch gut klingen. Wir haben getestet, ob der Lautsprecher mit Sprachassistent diese Versprechen einlöst.

Matthias Kremp
Von
Dienstag, 08.08.2017   08:20 Uhr

Endlich kann er deutsch. Der Google Home, den ich vor Monaten aus den USA mitgebracht hatte, wechselte am Wochenende automatisch von der bis dahin ausschließlich englischen Sprachsteuerung ins Deutsche. Das Testgerät, das mir Google am vergangenem Freitag zugeschickt hatte, war sowieso schon auf Deutsch eingestellt. Seitdem kann ich zu Hause auf Deutsch mit dem Google Assistant sprechen.

Genau darum geht es auch beim Google Home: Im Grunde ist er ein Computer, nur eben einer, mit dem man spricht, statt ihn mit Maus und Tastatur oder Touchscreen zu bedienen. Seine Antworten gibt das Gerät dementsprechend auch nicht auf einem Bildschirm aus, sondern lässt sie von einer Computerstimme sprechen. Wie das funktioniert und was man in Zukunft daraus machen könnte, habe ich kürzlich erst in einer Folge unseres Netzwelt-Podcasts erklärt:

Netzteil - der Tech-Podcast von SPIEGEL ONLINE

Der eingebaute Lautsprecher ist beim Google Home also eine Notwendigkeit, allerdings eine angenehme. Denn er klingt erstaunlich gut. Ein Ersatz für eine Stereoanlage ist er zwar nicht, aber doch weit besser als ein Küchenradio. Musik spielt er jedoch nur in Mono, wie damals, als die Beatles ihre ersten Platten aufnahmen. Eine Stereofunktion gibt es nicht, auch nicht, wenn man zwei Homes nebeneinander stellt.

Codewort "Okay, Google"

Um die Musikwiedergabe richtig nutzen zu können, braucht man allerdings ein Abo bei Spotify, Deezer oder Google Play Musik. Andere Dienste werden nicht unterstützt. Doch nur mit einem solchen Abo kann man Befehle wie "Spiele Musik von Groove Armada" nutzen. Ohne Abo kann man auf dem Google Home nur Internetradio nutzen. Ist auch ganz schön, aber eben nicht "on demand". Zum Ausprobieren bekommt man bei Kauf des Geräts drei Monate Google Play Musik kostenlos dazu. Danach muss man dafür 10 Euro pro Monat zahlen.

Foto: Matthias Kremp

Meine Tests mit Musik am Google Home haben zwei Dinge gezeigt: Zum einen, dass der kleine Lautsprecher wirklich zu klein ist, um partytaugliche Lautstärke zu produzieren. Zum anderen, dass er Sprachbefehle selbst dann noch recht gut versteht, wenn man ziemlich laut Musik hört. Die eingebauten Mikrofone leisten hier ganze Arbeit. Das merkt man auch, wenn es still ist oder andere sich unterhalten: Sobald man das Codewort "Okay Google" sagt, erwacht das Gerät und lauscht auf Fragen und Befehle. Ohne das Codewort werde auch nicht gelauscht, verspricht Google.

Mathe: Mangelhaft

Aber die Musikwiedergabe ist im Grunde nur Beifang. Durch die Anbindung an Googles künstliche Intelligenz kann der Home viel mehr. Vor allem kann er Fragen beantworten. Er weiß, wie hoch der Eiffelturm ist, wer James Brown war und sogar, warum Bananen krumm sind. Das meiste davon googelt er einfach - und liest dann die Antwort vor.

Das gilt auch für die vielen anderen Infos, mit denen das Gerät seinen Besitzer versorgen kann: Wie wird das Wetter in Berlin? Wie lange brauche ich zur Arbeit? Die Verknüpfung mit Googles Übersetzungsdienst ist lustig, zu Hause aber eher selten nützlich.

Ausgerechnet beim Rechnen hat sich das Testgerät einen Fauxpas geleistet. Während es auf die Frage nach zehn Prozent von zwölf korrekt die Antwort "1,2" ausgibt, ist es der Meinung, zehn Prozent von zwölf Euro seien "Ein Euro und zwei Cent". Mit Geld kann Google Home also nicht umgehen.

Smart Home

Über solche Frage- und-Antwort-Spielereien hinaus kann man den Google Home auch benutzen, um intelligente Heimelektronik zu steuern. Die vernetzten Hue-Lampen von Philips beispielsweise lassen sich per App in Googles System einbinden und dann per Sprache steuern, zumindest theoretisch. Meine Versuche, das zu tun, scheiterten leider. Mit dem Problem scheine ich nicht allein zu sein. Laut Google könnten meine Probleme aber auch damit zusammenhängen, dass ich das System vor dem offiziellen Deutschland-Start getestet habe. Möglicherweise seien noch nicht alle Systeme aktiv gewesen.

Leichter war es dagegen, den Home zu verwenden, um per Sprachkommando Medien auf anderen Geräte zu starten. So konnte ich per Sprachbefehl Musik auf einem vernetzten Teufel-Lautsprecher abspielen lassen und YouTube-Videos auf einer Shield-TV-Box von Nvidia starten lassen. Um alle möglichen Funktionen in diesem Bereich nutzen zu können, sollte man sich aber eher einen Google Chromecast oder Chromecast Audio anschaffen. Damit funktionieren dann auch Befehle wie: "Spiele House of Cards mit Netflix auf dem Fernseher ab".

Fazit

Der Google Home ist ein cooles Ding, er macht Spaß, klingt recht gut für seine Größe, aber allwissend ist er nicht. Auf viele Fragen bekommt man die Antwort, darauf wisse er keine Antwort. Seine Fähigkeiten, Smart-Home-Produkte zu steuern, sind derzeit noch überschaubar. Hier müssen Updates für Nachbesserungen sorgen.

Bleibt die Frage, wofür man so einen smarten Lautsprecher eigentlich braucht, wenn man nicht ständig nach dem Wetter und der Entfernung zum Mond fragen will. Aber mit einem Preis von 149 Euro ist der Google Home ja auch als Experiment für zu Hause noch bezahlbar. Allerdings hat er harte Konkurrenz: Pünktlich zur Markteinführung am 8. August hat Amazon den Preis seines Echo-Lautsprechers kurzzeitig auf 130 Euro gesenkt.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 112 Beiträge
harry099 08.08.2017
1. man kann an SPON verzweifeln
und dieser artikel ist ein erneuter beleg dafür. letztlich liest er sich wie eine werbebotschaft von google. die wichtigste aller fragen, nämlich die, was mit den permanent abgehörten akustischen informationen, also den [...]
und dieser artikel ist ein erneuter beleg dafür. letztlich liest er sich wie eine werbebotschaft von google. die wichtigste aller fragen, nämlich die, was mit den permanent abgehörten akustischen informationen, also den privaten daten, geschieht, wird nicht einmal gestellt. google und die us-amerik. "dienste" können alles mithören, was zuhause gesprochen wird. lesen sie einmal die geschäftsbedingungen!
tiram 08.08.2017
2. Auch Werbung ist Gehirnwäsche
Die wird solange wiederholt bis man sich den letzten Schwachsinn anschafft, der sogar in diesem Fall gefährlich sein kann ,für die persönlichen Daten.
Die wird solange wiederholt bis man sich den letzten Schwachsinn anschafft, der sogar in diesem Fall gefährlich sein kann ,für die persönlichen Daten.
l.augenstein 08.08.2017
3. Wieder einmal so ein sinnloses Teil,
mit dem sich der Wohlstandsbürger naiv, faul und konsumgeil ein weiteres Überwachungs- und Abhörmodul freiwillig ins Haus stellt! Ich kann's nicht fassen! Und für jeden dieser sog. "Dienste" bezahlt man dann auch [...]
mit dem sich der Wohlstandsbürger naiv, faul und konsumgeil ein weiteres Überwachungs- und Abhörmodul freiwillig ins Haus stellt! Ich kann's nicht fassen! Und für jeden dieser sog. "Dienste" bezahlt man dann auch noch freiwillig Monatsgebühren. Mensch, Leute, wacht endlich mal auf: Eigentlich müßten Google, Fressebuch, Dropbox und Apple dafür bezahlen, dass sie eure Daten bekommen!
deutschekartoffel89 08.08.2017
4. Agb
@Harry099: lesen sie einmal die geschäftsbedingungen! Können Sie entsprechende Passage hier mal posten? Oder war das nur eine Behauptung?
@Harry099: lesen sie einmal die geschäftsbedingungen! Können Sie entsprechende Passage hier mal posten? Oder war das nur eine Behauptung?
aljusch 08.08.2017
5. Ein weiteres überflüssiges Gerät
Brauch ich nicht, kauf ich nicht. Will auch kein "smartes Home", bin in derLage, Schalter zu bedienen, zu lesen und zu schreiben.
Brauch ich nicht, kauf ich nicht. Will auch kein "smartes Home", bin in derLage, Schalter zu bedienen, zu lesen und zu schreiben.

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