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Gesichtserkennung am iPhone X

So funktioniert Apples Face ID

Gesichtserkennung statt Fingerabdruck: Das iPhone X soll seinen Besitzer per Kamera erkennen. Face ID nennt Apple diese Technik und hat jetzt Details zur Funktionsweise veröffentlicht. Wir klären die wichtigsten Fragen.

REUTERS

Apple-Präsentation von Face ID

Donnerstag, 28.09.2017   16:14 Uhr

Mit dem iPhone X führt Apple ein neues Verfahren zur Nutzeridentifizierung ein. An die Stelle des Fingerabdruckscans Touch ID tritt die Gesichtserkennung Face ID. Nötig wurde das neue Verfahren, weil Apple zugunsten eines nahezu randlosen Bildschirms auf den Fingerabdrucksensor verzichtet. Jetzt hat das Unternehmen eine detaillierte Beschreibung der Funktionsweise veröffentlicht.

Wie funktioniert Face ID?

Um das System anzulernen wird das Gesicht von einer Infrarotkamera abgetastet. Aus den so gewonnen Daten werden einen Art Höhenprofil und ein Infrarotbild des Nutzers erzeugt. Darauf wiederum wird eine Reihe zweidimensionaler Bilder und Höhenkarten berechnet.

Die so gewonnenen Daten werden, ähnlich wie bei Touch ID, in mathematische Werte umgerechnet, digital signiert und verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert.

Die Bilder sollen regelmäßig aktualisiert werden. So will Apple sicherstellen, dass das System auch funktioniert, wenn Nutzer beispielsweise geschminkt sind, sich einen Bart wachsen lassen, Sonnenbrille oder Kontaktlinsen tragen. Auch der Alterungsprozess lasse sich so begleiten. Lange nicht mehr abgerufene Datensätze sollen nach einiger Zeit automatisch gelöscht werden.

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Zum Entsperren muss der Nutzer mit geöffneten Augen in die Kamera blicken. Das von der Kamera erfasst Bild wird dann mit den Daten abgeglichen, die der Nutzer bei der Einrichtung generiert hat. Die Aufnahmen selbst werden laut Apple nicht gespeichert. Die Erkennung soll nur Sekunden dauern, allerdings muss der Nutzer zur Aktivierung auf dem Touchscreen nach oben wischen.

Face ID soll sowohl in Innenräumen als auch draußen und sogar bei absoluter Dunkelheit funktionieren

Wo werden die Daten gespeichert?

Laut Apple bleiben die Daten auf dem Gerät. Sie werden in einer sogenannten Secure Enclave gespeichert. Dies ist eine Art Tresor, der von den anderen Teilen des Systems größtenteils getrennt ist. Eine ähnliche Sicherheitsarchitektur setzt Apple auch bei Touch-ID ein. "Diese Daten verlassen nie das Gerät", schreibt Apple. "Sie werden nicht an Apple geschickt und sind auch nicht Teil von Geräte-Back-ups."

Wie sicher ist das Verfahren?

Apple schreibt in seinem Sicherheitsleitfaden, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers beim Einsatz von Face ID bei eins zu einer Million liege. Damit sei das System sicherer als der bisherige Fingerabdruckscanner, dessen Fehlerrate mit eins zu 50.000 angegeben wird. Durch die Umrechnung in mathematische Werte sollen die Daten keine Rückschlüsse auf individuelle Nutzer erlauben, heißt es weiter.

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Mit der Tiefenerkennung soll beispielsweise verhindert werden, dass das System mit Fotos ausgetrickst werden kann. Auch Gesichtsmasken sollen laut Apple Face ID nicht überlisten können. Das System verlangt, dass die Augen geöffnet sind, damit die Entsperrung nicht bei schlafenden Menschen funktioniert.

Zusätzlich kann das Gerät durch einen alphanumerischen Code oder eine PIN gesichert werden. Diese wird bei jedem Neustart angefordert und wenn das iPhone seit mehr als 48 Stunden nicht entsperrt wurde. Auch nach fünf fehlgeschlagenen Identifikationsversuchen muss der Code eingegeben werden.

Gibt es einen Notfallmodus?

Apple hat der neuen Technik auch einen Notfallmodus spendiert. Um ein Öffnen mittels Face ID zu verhindern, muss der Nutzer den Lautstärkeknopf und die Seitentaste zwei Sekunden lang gedrückt halten. So soll beispielsweise verhindert werden, dass ein Dieb einem potenziellen Opfer das Gerät vor das Gesicht hält und es auf diese Weise entsperrt.

Um eine unbeabsichtigte Zahlung per Apple Pay zu verhindern, muss zunächst die Seitentaste zweimal gedrückt werden. Erst dann kann der Nutzer den Bezahlvorgang per Face ID autorisieren.

Welche Gefahren gibt es?

Apple weist darauf hin, dass Face ID nur eine Option ist, sein Gerät zu entsperren. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen alphanumerischen Code oder eine PIN zu nutzen. Kinder unter 13 Jahren sollten ihr iPhone nicht mit Face ID schützen, da bei ihnen die Gesichtsmerkmale noch nicht ausreichend entwickelt sind.

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Zugleich schränkt das Unternehmen ein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlidentifizierung auch bei Zwillingen oder ähnlich aussehenden Geschwistern höher sei.

Kritiker bemängeln zudem, dass Face ID der Akzeptanz von Gesichtserkennung Vorschub leistet. Wenn Nutzer sich daran gewöhnten, durch einen Blick in die Kamera identifiziert zu werden, könnten sich ähnliche Erkennungsmethoden auch auf anderen Ebenen durchsetzen, lautet die Befürchtung.

brt

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