Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Pixel 2 und Pixel 2 XL

Googles Kampfansage an Apple und Samsung

Am Mittwochabend hat Google neue Smartphones vorgestellt: schnell, schick, mit tollen Kameras, aber nicht billig. Wir haben sie uns schon angesehen.

Google
Von
Mittwoch, 04.10.2017   19:29 Uhr

Unter der Haube sind die beiden neuen Google-Smartphones - das Pixel 2 und das Pixel 2 XL - identisch. Beide werden von einem 2,35 GHz schnellen Achtkern-Prozessor angetrieben, haben vier Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und wahlweise 64 oder 128 GB Speicherplatz. Außerdem sind sie nach dem Standard IP67 wasserabweisend, haben einen USB-C-Anschluss und beherrschen die aktuellen WLAN-, Bluetooth- und LTE-Standards.

Der große Unterschied ist der Bildschirm. Beim Pixel misst er fünf Zoll, hat Full-HD-Auflösung (1920 x 1080). Beim XL-Modell ist er sechs Zoll groß und zeigt WQHD+ an, also 2880 x 1440 Pixel. Beide Bildschirme basieren auf OLED-Technologie, erreichen sehr hohe Kontrastwerte und liefern sehr knackige Farben. Beide machen einen sehr guten Eindruck, qualitativ sind sie mit den Displays des LG V30 und des Galaxy S8 vergleichbar.

Das Design der neuen Pixel-Geräte scheint auf den ersten Blick von Googles Vorjahresmodellen abgeguckt: vorne fast nur Bildschirm, hinten ein Metallrücken mit einer Glasabdeckung auf der Oberseite. Sieht man etwas genauer hin, haben die Designer aber reichlich Feinarbeit geleistet. Sowohl vorne als auch hinten ist das Glas zu den Kanten hin abgerundet. Es wirkt fast so, als würde das Material in den Metallrahmen übergehen.

Origineller als die Farben der Smartphones selbst ist die Bezeichnung der Farbvarianten. Die schwarzen Versionen heißen "Just Black", die weißen "Black & White". Nur beim kleinen Pixel gibt es außerdem die blaugraue Variante "Kinda Blue". Die sei als Ergebnis bei der Suche nach einer geschlechtsneutralen Farbgebung herausgekommen, heißt es von Google - und sie sieht ziemlich cool aus.

Porträts mit künstlicher Intelligenz

Bei den Kameras zeigt sich einmal mehr, dass Google eine Softwarefirma ist. Beide Pixel haben neben der 8-Megapixel-Selfiekamera eine 12,2-Megapixel-Hauptkamera. Das unterscheidet sie von den Topmodellen der Konkurrenz, die meist Doppelkameras im Rücken haben. Damit können sie Porträtfotos mit unscharfem Hintergrund schießen, die an Fotos von Spiegelreflexkameras erinnern. Google erledigt diesen Trick per Software.

Fotostrecke

Die neuen Apple-Smartphones: iPhone 8 und iPhone 8 Plus im Test

Googles Kamera macht im Porträtmodus in kurzer Folge eine Reihe von Bildern. Aus winzigen Abweichungen zwischen diesen Aufnahmen kann ein System auf Basis künstlicher Intelligenz erkennen, welche Bildteile im Vordergrund, welche im Hintergrund stehen. Der Hintergrund wird dann per Software unscharf gemacht.

Ein paar Porträtfotos, die ich damit geknipst habe, sahen sehr überzeugend aus. Selbst feine Details, zum Beispiel Haare, hat die Software akkurat erkannt und vom Weichzeichner ausgeschlossen. Was die Konkurrenz nicht kann: Weil Googles Porträts per Software verschönert werden, klappt das auch mit der Selfiekamera.

Ruhig bleiben und immer zuhören

Eine andere Besonderheit ist, dass Google bei Videoaufnahmen einen optischen Bildstabilisator und eine digitale Stabilisierungsfunktion kombiniert. So kann man etwa beim Herunterlaufen von einer Düne ein Video drehen, das hinterher vollkommen ruhig wirkt, als wäre es per Drohne aufgenommen worden.

Fotostrecke

Google Pixel und Pixel XL: Das sind die Vorgänger

Googles Fotos-App ist in die Kamera-App integriert. Tippt man nach einer Aufnahme auf das Vorschaubild des Schnappschusses, landet man in der Fotos-App und kann das Bild bearbeiten und teilen. Zudem ist Google Lens integriert worden, eine auf künstlicher Intelligenz basierende Technologie, die in Fotos beispielsweise Kunstwerke identifizieren oder Visitenkarten digitalisieren kann.

Ohnehin gibt es beim Pixel 2 und 2 XL viele Software-Spielereien zu entdecken. Zum Beispiel lauschen die beiden dauerhaft, ob sie Musik hören und geben automatisch die Titel erkannter Songs aus. Shazam hat damit ausgedient.

Angst, belauscht zu werden, muss man laut Google nicht haben: Angeblich wird nichts aufgezeichnet und auch nichts Gehörtes ins Netz geschickt. Stattdessen arbeitet die Titelerkennung mit einer auf dem Gerät gespeicherten Datenbank, die die digitalen Fingerabdrücke von Zehntausenden Musikstücken enthält.

Kann das klappen?

Mit den neuen Pixel-2-Smartphones macht Google einen kräftigen Aufschlag: Die Geräte haben Top-Leistung, eine sehr gute Ausstattung und offenbar sehr gute Kameras. Nur eines fehlt ihnen im Vergleich: drahtloses Aufladen. Nach Samsung und LG bietet das mittlerweile sogar Apple an. Google argumentiert, dass es sinnvoller sei, eine Schnellladefunktion einzubauen. Laut Datenblatt genügen 15 Minuten an der Steckdose, um genug Energie für sieben Stunden normaler Nutzung zu haben.

Das müssen jetzt nur noch die potenziellen Käufer akzeptieren. Und die Preise natürlich: Das Pixel 2 kostet mit 64 GB 799 Euro, mit 128 GB 909 Euro. Für das Pixel 2 XL mit 64 GB werden 939 Euro fällig, mit 128 GB kostet es 1049 Euro - keine Schnäppchenpreise also. Dafür verspricht Google noch, dass die Pixel-Geräte mindestens drei Jahre lang immer das jeweils aktuelle Android-System als Update bekommen.

Das Pixel 2 wird in Deutschland ab dem 19. Oktober erhältlich sein, das Pixel 2 XL ab Mitte November.

insgesamt 54 Beiträge
sebfdl 04.10.2017
1. Auch Google durchbricht die 1.000 Euro-Marke
Jetzt mal im ernst: Es glaubt doch keiner, dass alle drei großen Hersteller diese für Verbraucher psychologisch äußerst wichtige Grenze zufällig mit dem gleichen Produkt-Update durchbrechen? Ich sehe den nächsten [...]
Jetzt mal im ernst: Es glaubt doch keiner, dass alle drei großen Hersteller diese für Verbraucher psychologisch äußerst wichtige Grenze zufällig mit dem gleichen Produkt-Update durchbrechen? Ich sehe den nächsten Kartell-Skandal schon von weitem.
Hipster 04.10.2017
2. Dreijahressupport ....
... gilt das auch für diejenigen Geräte, die im Herbst 2018 - also bevor der Nachfolger vorgestellt wird - verkauft werden?
... gilt das auch für diejenigen Geräte, die im Herbst 2018 - also bevor der Nachfolger vorgestellt wird - verkauft werden?
resomax 04.10.2017
3. Schick ist was anderes...
Na ja, schick sehen die Geräte nicht aus (alle Geräte, die heute vorgestellt wurden. Nicht nur Handys). Eher nach ganz viel Plaste und komischen Materialmix. Und die Wireless-Buds haben eindeutig ein wire...
Na ja, schick sehen die Geräte nicht aus (alle Geräte, die heute vorgestellt wurden. Nicht nur Handys). Eher nach ganz viel Plaste und komischen Materialmix. Und die Wireless-Buds haben eindeutig ein wire...
comtom 04.10.2017
4. Leider
wird es auch hier wieder genug Käufer geben die sich diese Smartphones kaufen damit sie prahlen das Neueste zu haben. Dann lieber halbes Jahr warten und die Preise sinken auf die Hälfte des Ausgabepreises. Was ist allerdings [...]
wird es auch hier wieder genug Käufer geben die sich diese Smartphones kaufen damit sie prahlen das Neueste zu haben. Dann lieber halbes Jahr warten und die Preise sinken auf die Hälfte des Ausgabepreises. Was ist allerdings aus den Sprüchen von Google geworden Dinge zu produzieren oder herstellen zu lassen die auch für den kleinen Geldbeutel zu haben sind? Oder will sich Google bei Apple anbiedern unter dem Motto "Was ihr verkaufen könnt, kann Google auch". Das einzige was mich an den Pixel früher Nexus reizt ist, dass man nicht Jahre warten muss bis ein Hersteller neue Updates zur Verfügung stellt. Und die Tatsache nicht den App-Schrott der Hersteller auf dem Smartphone vorinstalliert zu haben.
klausbacker 04.10.2017
5. Eine Frage noch.
Nach wechselbaren Akkus wage ich ja schon gar nicht mehr zu fragen. Was ist aber mit einer zusätzlichen und herausnehmbaren Speicherkarte?
Nach wechselbaren Akkus wage ich ja schon gar nicht mehr zu fragen. Was ist aber mit einer zusätzlichen und herausnehmbaren Speicherkarte?

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP