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Tipps für Sportfotos

Die Richtung muss stimmen

Durchs Mitziehen der Kamera lassen sich dynamische Fotos voller Bewegungsunschärfe schießen. Die Ziehbewegung muss allerdings zu der des Motivs passen.

Von "fokussiert"-Autor
Samstag, 07.10.2017   08:42 Uhr

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Bei der fokussiert.com-Bildkritik werden Fotos besprochen, die von Hobbyfotografen eingeschickt wurden. Die Besprechungen liefern Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung.

Sie wollen, dass Ihr Foto besprochen wird? Dann reichen Sie es hier ein.
Magnus Peter/ fokussiert.com

Canon EOS 60D Aufnahmedaten: 1/40s bei Blende 6.3 mit 18mm Brennweite und ISO 3200

Magnus Peter aus Rastatt schreibt: Ich habe die Kategorie "Schnappschuss" gewählt, da es keine Sport-Kategorie gibt. Ein Schnappschuss ist es dennoch: Aufgenommen habe ich ihn bei einer Offroad-Tour durch die Karpaten (Rumänien). Bei einer kurzen Pause sausten zwei Cross-Fahrer vorbei. Ich Kamera hoch und zum Glück den Ai-Servo noch drin. Den einen Crosser habe ich "erwischt". An dem Bild habe ich nichts bearbeitet außer auf eure max. Größe gebracht.

Die "fokussiert"-Bildkritik:

Die erste Schwierigkeit beim Mitziehen der Kamera mit einem bewegten Objekt liegt im richtigen Tempo. Die zweite darin, das richtige Detail in den Fokus zu kriegen.

Eine Farbfotografie eines offensichtlich in wilder Fahrt von rechts nach links ein Bachbett im Wald hochfahrenden Motocross-Fahrers. Die gesamte Waldfläche ist stark in Bewegungsunschärfe verwischt, der Motorradfahrer und sein Fahrzeug liegen genau im Zentrum der Komposition.

Die Position des Fotografen scheint auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Baches oben auf dem Ufer zu liegen, erhöht über dem Motorradfahrer. Dieser quert im Augenblick der Aufnahme auch noch eine Stelle im Wald, wo das Sonnenlicht durchzudringen vermag. Er sieht aus, als ob er von einem Spot beleuchtet würde.

Ein gelungener Schnappschuss, muss man hier auf den ersten Blick konstatieren: Die Dynamik, die Position des Fotografen, die Belichtung und die Beleuchtung - das alles ist top, wenn auch offenbar ein Zufall, was der Wirkung der Fotografie keinen Abbruch tut.

Die Kameraeinstellungen sind sicher nicht eigens so gewählt: Zwar ist die Empfindlichkeit mit 3200 Iso relativ hoch, das sorgt schon für einiges Rauschen, was aber bei einer größtenteils verwischten Aufnahme keine Rolle spielt. Die Blende hätte ich für diesen Typ Aufnahme weiter geöffnet und dafür eine etwas kürzere Zeit erhalten. Oder allenfalls die Empfindlichkeit noch weiter hochgeschraubt: 1/40 Sekunde scheint mir eine eher lange Belichtungszeit für ein bewegtes Objekt, das ich gerne scharf hätte. Dass das Ganze dann auch noch mit dem Weitwinkel passiert ist, spricht für die hohe Geschwindigkeit, die der Motorradfahrer drauf gehabt haben muss: Wischbilder sind mit einer langen Brennweite einfacher zu machen.

Damit sind wir bei einem zweiten Punkt, der Schärfe und dem Fokus. Generell sagen wir, wenn die Schärfe einer Fotografie nicht auf dem Fokus liegt, dass sie verunglückt sei. Das wird da schwierig, wo der Fokus eine Sache ist, über die man debattieren kann:

Magnus Peter/ fokussiert.com

Der Drehpunkt des Motorradfahrers ist scharf, der Kopf nicht: Er bewegt sich nicht nur vorwärts, sondern auch abwärts

In dieser Fotografie liegt die Schärfe fast ganz genau in der Bildmitte, und das ist typisch für Mitzieh-Fotos: Ich nehme das Motiv in die Mitte des Suchers und ziehe mit, ich habe keine Zeit für etwas anderes. Außerdem will ich nicht riskieren, dass ich mit dem Ausschnitt irgendein Teil des Sportlers amputiere. Im Gegensatz zu weniger schnellen Fotogelegenheiten habe ich keine Muße, den Bildausschnitt zu komponieren: ich muss mir Ausschnitt und Mitzieh-Strecke vorher zurechtgelegt haben.

Nun ist es aber bei vielen bewegten Objekten so, dass der spannendste Teil, der uns am meisten interessiert, nicht im Zentrum des Objekts liegt. Ich sehe auf "fokussiert" sehr viele Mitzieh-Bilder, in denen der gleiche Effekt wie beim Motorradfahrer oben zu beobachten ist: Der Kopf und das Gesicht der Sportlerin sind wie vieles andere bereits in der Unschärfe, der kristallklare Fokus liegt irgendwo auf Hüfthöhe.

Ein Mittel dagegen könnte es sein, zusätzlich einen Blitz einzusetzen: Aus der "Serie" von Bildern des Motivs, die dieses auch noch leicht verwischen, wird dann eines besonders herausgeholt.

Ich habe selber nicht viel Erfahrung mit Mitziehern. Ich fotografiere selten solche Motive - und wenn, dann passiert mir meistens genau das, was Ihnen hier passiert ist. Ich frage mich und vor allem Sie alle, die mehr darüber wissen, welche Mittel man gegen den Effekt einsetzen könnte.

Hilft es, sich auf den Kopf des Fahrers zu konzentrieren beim Mitziehen? Vielleicht ihn ins Zentrum des Sucherbildes zu rücken?

Magnus Peter/ fokussiert.com

Grüne Pfeile: Kamerabewegung ungefähr in Fahrtrichtung. Blauer Pfeil: Motorrad-Bewegung. Blaue Pfeile: Nicken des Motorrads um die Querachse

Wenn ich anhand der Verwischungen die Bewegung im Bild analysiere, dann fällt mir auf, dass:

Ich bin mir nicht sicher und habe jedenfalls auch keinen Beweis, dass dieser Effekt geringer ausgefallen wäre, wenn Sie den Helm des Mannes statt seinen Rumpf ins Sucherzentrum genommen hätten. Rein physikalisch ändert sich nichts daran, dass Sie mit der Kamera nur eine Richtung der Bewegung hätten mitmachen können.

Zumindest bei einer deutlich kürzeren Belichtungszeit, etwas längerer Brennweite und einer Belichtungsserie hätte aber ein Bild herauskommen können, bei dem der Kopf in der Schärfe liegt.

Damit sind wir aber natürlich wieder weit weg vom Thema "Schnappschuss" und im Bereich der Sportfotografie: An einem Streckenabschnitt eines Rennens, wo zwei Stunden lang Fahrer vorbeipreschen, ist so was auszuprobieren sehr viel einfacher als bei einer zufälligen Begegnung im Wald, wo Sie aus zwei Versuchen ein sehr gefälliges Bild gemacht haben.

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