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23.08.2011

100-Euro-Smartphone

Chinesen bauen Androiden für Afrika - und Lidl

Huawei Smartphone: In Kenia heißbegehrt, in Deutschland vor dem Start
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Huawei Smartphone: In Kenia heißbegehrt, in Deutschland vor dem Start

In Kenia, einem Land, das gerade unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten leidet, wird ein Smartphone zum Kassenschlager. Was zunächst absurd klingt, hat gute Gründe - und scheint für die Entwicklung des Landes sinnvoll. Auch bei uns wird es Smartphones des chinesischen Herstellers geben.

Ein solches Handy steht auch in westlichen Industrienationen bei vielen Menschen auf dem Wunschzettel: Es ist schlank, sieht schick aus, läuft mit Googles Android-Betriebssystem und verfügt über alle Techniken, die Smartphones wie das iPhone oder das Nexus S begehrenswert machen. Und doch gibt es einen signifikanten Unterschied: Während solche Handys normalerweise viele Hundert Euro kosten, bezahlt man für das Ideos des chinesischen Herstellers Huawei in Kenia nur 8000 Kenianische Schilling, umgerechnet knapp 60 Euro.

Billig ist es für durchschnittliche Kenianer damit noch lange nicht. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung müssen mit einem Einkommen von weniger als zwei Dollar pro Tag (1,40 Euro) auskommen. Und doch haben mehr als 350.000 Kenianer sich eines jener Lowcost-Smartphones zugelegt, seit der Mobilfunkanbieter Safaricom das Ideos im Februar eingeführt hat.

Auch in Deutschland wird ein bauähnliches Mobiltelefon aus chinesischer Produktion demnächst erhältlich sein. Der Discounter Lidl will das Ideos X3 von Huawei, das unter anderem einen größeren Bildschirm hat als das Ideos in Kenia hat, demnächst anbieten - allerdings für 100 statt 60 Euro. Dafür gibt es dann aber auch eine Sim-Karte mit einer Monatsration Internet und 25 Freiminuten für Telefonie.

Dass das für dortige Verhältnisse vergleichsweise teure Ideos in Afrika so erfolgreich ist, liegt an der großen Bedeutung der Mobilkommunikation dort: In ostafrikanischen Ländern wie Kenia existiert keine mit Europa vergleichbare Telekom-Infrastruktur. Wer dort telefonieren will, greift zum Handy. Immer öfter sind das internetfähige Handys, deren Marktanteil bereits bei 80 Prozent legen soll. Der Markt für Handys wächst in Kenia Jahr für Jahr um 15 Prozent. Weil die Stromversorgung oft unzuverlässig, Computer teuer und Internetanschlüsse langsam sind, greifen die Menschen zum Mobiltelefon. Teile des Kontinents erleben ein Mobilfunk-Wirtschaftswunder.

Nur der Akku ist zu schlapp

Bankgeschäfte werden in vielen afrikanischen Ländern längst per Handy erledigt, weil viele Afrikaner lange Wege von der nächsten Bankfiliale trennen. In Kenia etwa ist Safaricom mit seinem Bezahlsystem M-Pesa erfolgreich, das es den Kunden des Unternehmens auch ermöglicht, das Handy als mobile Geldbörse zu benutzen.

Kein Wunder also, dass ein bezahlbares Android-Smartphone in Kenia populär wird. Dass sein Bildschirm und Arbeitsspeicher kleiner sind und die Kamera nicht ganz so hoch auflösend wie bei der teuren Konkurrenz, lässt sich offenbar leicht verschmerzen. Nur der aufgrund der flachen Bauform recht kurzatmige Akku bereitet vielen Anwendern Probleme. Energiespartipps werden daher hoch gehandelt.

Apps als Hilfe zur Selbsthlfe

Mindestens ebenso hoch werden allerdings Apps geschätzt, die helfen sollen, das Leben in dem Schwellenland zu verbessern. Im Juni berichtete die "Technology Review" von einem Programmierer-Wettbewerb, bei dem 25.000 Dollar als Preis für die besten Smartphone-Apps, die sich um ostafrikanische Belange kümmern, ausgelobt wurden. Zum Gewinner wurde eine App zur medizinischen Selbst- und Fernhilfe gekürt. In das Medkenya genannte Programm kann man, fernab vom nächsten Krankenhaus, Symptome eingeben, um die Software eine Diagnose stellen zu lassen. Außerdem enthält sie ein landesweites Verzeichnis von Ärzten und Krankenhäusern, im Notfall stellt sie eine Verbindung zu Notrufnummern her.

Neben solchen Apps zur Selbsthilfe gibt es Agrar- und Handels-Apps, die lokale Produzenten beim Anbau und Vertrieb von Nahrungsmitteln unterstützen sollen. M-Farm etwa, eine komplett von Frauen geführte Firma aus Nairobi, hat eine solche App entwickelt und damit ihr bisher via SMS gesteuertes System leichter nutzbar gemacht. Via Android-Smartphone können die Landwirte sich über aktuelle Marktpreise erkundigen oder ihre Produkte anbieten. Andere Apps sollen die Ausbreitung von Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten eindämmen helfen, indem sie aktuelle Verbreitungsdaten sammeln, weitergeben und Hinweise zur Abwehr geben.

Solche Apps könnten dem kenianischen Smartphone-Boom einen tieferen Sinn geben. Die billigen Android-Handys für ein Schwellenland nicht nur zum Luxusobjekt, sondern vor allem zum Hilfmittel zur Selbsthilfe. Anwendungen, für die man in einer Industrienationen vielleicht einen Computer benutzen würde, werden, schon aus Kostengründen, per Smartphone erledigt.

Den Entwicklungschritt über den PC, der die Industrienationen 30 Jahre beschäftigt hat, überspringen die Schwellenländer einfach.

mak

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